Halbzeit im Weidener Prozess
Strafkammer fliegt nach New York

(ca) Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Weiden fliegt nach New York. In der Außenstelle des FBI am Federal Plaza in Manhattan werden von 8. bis 12. Dezember sechs Zeugen im Betrugsprozess gegen Wolfgang S. vernommen. Mit auf Reisen gehen drei Richter, ein Staatsanwalt, die zwei Verteidiger und eine Protokollführerin. Vernommen werden Agenten des FBI und Mitarbeiter eines amerikanischen Bankhauses, bei dem das angebliche Millionenvermögen des 68-Jährigen liegt.

Die amerikanischen Behörden haben die Terminplanung übernommen und die Zeugen für Montag, Mittwoch und Freitag in der zweiten Dezemberwoche geladen. Das FBI bietet Räumlichkeiten und den Übersetzer an. Die USA wollen aber keinen "Commissioner" stellen und verzichten daher auf ihre Hoheitsrechte. Die Vernehmungen müssen Landgerichtspräsident Walter Leupold und die Richter Markus Fillinger und Dr. Marco Heß selbst führen. Aus diesem Grund ist - neben Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf und den Verteidigern Helmut Miek und Jörg Jendricke - auch Protokollführerin Martina Wirth mit an Bord.

Geladen sind drei Zeugen des New Yorker Bankhauses Clearing House. Darunter auch CEO James D. Aramanda, geschäftsführendes Vorstandsmitglied und angeblicher Duz-Freund von Wolfgang S.. Weiterhin stehen FBI-Mitarbeiter auf der Zeugenliste. Das FBI spielt im Schriftverkehr von Wolfgang S. immer wieder eine Rolle. Agenten geben unter anderem Tipps zum transatlantischen Millionentransfer.

Zu guter Letzt wollen die Weidener Richter einen Verantwortlichen des Federal Reserve befragen. Die US-Zentralbank soll eine der Behörden gewesen sein, die durch immer neue Gebühren und Steuern die Auszahlung von S.'s unermesslichem Millionenvermögen verzögerte.

18 Verhandlungstage sind seit dem Prozessauftakt im Juli verstrichen. Über ein Dutzend Geschädigte wurden gehört: Sie teilen sich im wesentlichen in zwei Gruppen. Die einen sind frühere Geldgeber des Möchtegern-Unternehmers aus den Jahren 2000 bis 2006. Damals setzte Wolfgang S. beträchtliche Summen in den Sand. Seine damalige Geschäftsidee war unter anderem Tabakanbau auf Mallorca. Schon damals zahlte er seine Rechnungen nicht, seine Financiers sahen keinen Cent wieder. Wolfgang S. wurde 2007 in München wegen Betrugs verurteilt.

Spur führt nach Afrika

Um diese Zeit änderte sich seine "Masche": Nach einem Treffen mit Geschäftspartnern in Südafrika tischte Wolfgang S. den Geldgebern in Deutschland plötzlich die Story von seinem angeblichen Riesenvermögen auf. 27 bis 833 Millionen Dollar seien auf internationalen Konten eingefroren. Er könne das Geld nur mit diversen Gebühren auslösen. Diese Story weist stark auf eine "Nigeria-Connection" hin: Betrüger-Ringe aus Nigeria, die sich mit Vorschussbetrug bereichern. Wolfgang S. könnte (wissen- oder unwissentlich) zum Handlanger der professionell organisierten E-Mail-Mafia geworden sein. Etliche der Investoren aus der Zeit von 2008 bis 2013 stammen aus der Oberpfalz. Vermittler waren ein Finanzberater aus Amberg und ein 57-jähriger Pädagoge aus Sulzbach-Rosenberg. Alle miteinander haben über zehn Millionen Euro an von S. benannte Konten überwiesen.

Es ist nicht die erste Auslandsreise in Sachen Wolfgang S.: In Amsterdam hat die Strafkammer Mitarbeiter der ING-Bank befragt, zu der die Millionen angeblich transferiert werden sollten. Den Holländern war der gebürtige Starnberger unbekannt.
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