Kameras an Schulen: Frage der Perspektive

Verdeckte Überwachung an Schulen? Eine Frage, die seit dem Wochenende heiß diskutiert wird. In den Blickpunkt rückte eine Schule in der Oberpfalz. Völlig zu unrecht, findet der Rektor.

Die Zahl der Schulen mit Videokameras sei binnen fünf Jahren gestiegen, hatten Recherchen des Bayerischen Rundfunks ergeben. "Ein schwieriges Thema", befand die Bezirksvorsitzende des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Ursula Schroll. "Wir wollen keine Überwachung, sondern pädagogische Arbeit leisten", sagt sie. Schroll ist Rektorin an der Grund- und Mittelschule Mühlhausen im Kreis Neumarkt.

Die Lehrer-Vertreterin sieht den Einsatz von Kameras differenziert. Aus freien Stücken heraus kann ein Schulleiter ohnehin keine Kameras installieren. Die Entscheidung darüber träfen laut Schroll die Lehrerkonferenz und der Sachaufwandsträger - also die Gemeinden und bei Gymnasien die Landkreise - gemeinsam. So ist das offenbar auch im Falle der vom Bayerischen Rundfunk genannten Schule in der Oberpfalz gewesen. Deren Rektor sagte unserer Zeitung, die Situation in seiner Grund- und Mittelschule sei falsch dargestellt worden. Nur eine Kamera befinde sich in der Aula, sie zeichne aber - anders als behauptet - keinen Ton auf. Bei den übrigen handele es sich um Kameras wie bei Haustürklingeln. In diesen Fällen sei eine Tonübertragung wie eben bei Haussprechanlagen möglich.

Aufgabe: Schutz für Schüler

Die Kameras seien Bestandteil eines Sicherheitskonzeptes, das allerdings noch vor dem Antritt seines Rektorenpostens an der Schule installiert worden sei. "Wir haben als Schule die Aufgabe, die Schüler zu beschützen." Nicht nur der Rektor verweist auf die Situation nach den Amokläufen von Winnenden oder Ansbach. "Für die Schulleiter ist das ein Ritt auf Messers Schneide", sagt Joseph Karl von der Regierung der Oberpfalz. Sie ist Rechtsaufsichtsbehörde unter anderem für Grund- und Mittelschulen. Die Regierung habe den Schulämtern am Montagvormittag die Rechtsgrundlagen mitgeteilt. Schulen seien in einer Zwickmühle, erklärt Karl: Einerseits hätten sie das Sicherheitsbedürfnis von Schülern und Lehrern zu befriedigen, andererseits gerieten sie schnell in den Verdacht der Überwachung.

Hinweisschilder nötig

Dabei gibt es klare Regeln: So müsse die Videoüberwachung im konkreten Fall zum Schutz von Leben, Gesundheit, Freiheit von Personen oder zum Schutz der schulischen Einrichtungen erforderlich sein. Nötig sei immer, die Überwachung "durch geeignete Maßnahmen" kenntlich zu machen. "In der Regel müssen Hinweisschilder angebracht werden", schreibt das Kultusministerium in einer Bekanntmachung aus dem Jahr 2013. Der in die Kritik geratene Schulleiter erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass die fragliche Kamera im Schulgebäude korrekt erkennbar gemacht worden sei. (Seite 3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.