Konzept für in Deutschland einmaliges "Gesundheitszentrum Eschenbach" mehr als nur eine Idee?
Visionär, aber vage

Roland Schusser (vorne von links) hat das Konzept angeregt, die Unternehmensberater Alexander Morton und Daniela Derscheid haben es ausgearbeitet. Kliniken Chef Josef Götz (hinten links) Landrat Andreas Meier und Bürgermeister Peter Lehr (Sechster und Siebter von links) dürften bei der Umsetzung die wichtigsten Akteure sein. Bild: wüw
Das Projekt wäre deutschlandweit einmalig. Ob es aber mehr ist als ein netter Umsatzbringer für eine Unternehmensberatung, müssen die nächsten Monate zeigen: Es geht um ein mögliches Gesundheitszentrum Eschenbach.

Roland Schusser hatte die Studie mit seiner Petition angeregt, am Mittwoch stellte Alexander Morton das Ergebnis vor. Vor allem die Handlungsempfehlung des Wirtschaftsprüfers hatte es in sich: Unter dem Arbeitstitel "Gesundheitszentrum Eschenbach" empfiehlt er ein Konzept, das weit über ein Medizinisches Versorgungszentrum hinausgeht. Der Senior Manager der Firma BDO verwies auf Beispiele in Skandinavien und Kanada. "In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares."

Das Projekt soll wohnortnahe Versorgung sichern, auch in Bereichen, die bislang nur Krankenhäuser bieten. In den Ambulanzräumen des früheren Krankenhauses würde eine zentrale Anlaufstelle entstehen für Facharztservice, Physiotherapie, Notarzt und Sanitäter. Moderne Technik soll das Haus ans Klinikum Weiden anbinden. Neben der Telemedizin würde neue Aufgabenteilung die Versorgung verbessern. Arzthelfer oder Pfleger mit Zusatzbildung übernehmen Aufgaben, die heute Ärzten vorbehalten sind. "Zum Spritzen setzen braucht man kein Medizinstudium."

Innovationsfonds

Zur Finanzierung setzt Morton auf einen neuen Fördertopf: "Der Zeitpunkt ist ideal." Ein Innovationsfonds soll ab 2016 Projekte unterstützen, die das Gesundheitswesen effizienter und günstiger machen. Das Konzept für Eschenbach könnte Beispiel geben für die Versorgung dünn besiedelter Gebiete mit relativ alter Bevölkerung.

Die Förderkriterien liegen allerdings nur vage vor. Ob ein Antrag Erfolg hätte, lasse sich kaum vorhersagen. Vor den Kreis- und Eschenbacher Stadträten blieb Morton auch sonst vage. "Wir haben uns vor allem mit der Analyse der Gesundheitsversorgung beschäftigt." Bevor nicht Kassen, Kassenärztliche Vereinigung und vor allem niedergelassene Ärzte eingebunden sind, wären weitere Aussagen und Pläne nicht seriös.

Morton empfahl, die Gespräche bald zu führen. "Wenn der Innovationsausschuss ab März 2016 über Projekte entscheidet, sollte ein Eschenbacher Antrag vorliegen." Wer das Projekt vorantreiben soll, blieb unklar. Die Kliniken AG wird es nicht sein. "Gegen uns gibt es in Eschenbach zu viele Vorbehalte", sagte Vorstand Josef Götz. An der Umsetzung wolle sich die AG beteiligen, "aber nicht federführend".

Landrat Andreas Meier sieht weder Landkreis noch Rettungszweckverband am Zug: "Wir haben uns am Gutachten beteiligt. Die Verpflichtung ist mit dessen Vorstellung erledigt." Bürgermeister Peter Lehr und Stadtrat Fritz Betzl machten deutlich, dass die Stadt Eschenbach das Gesundheitszentrum nicht alleine auf den Weg bringen wird. Landkreis, Kliniken und andere Kommunen des Städtedreiecks sollen mit ins Boot.

Die Zeit drängt

Aus Zeitgründen bleibt die Stadt für den Förderantrag alleine verantwortlich. Die BDO AG hat bereits ein Angebot für die Erstellung gemacht, am Donnerstag entscheidet der Stadtrat nicht öffentlich. Sollten die Räte annehmen, drängt die Zeit. Gespräche mit den Akteuren im Gesundheitswesen wären der nächste Schritt. Bis zum Frühjahr muss sich dann zeigen, ob ein großer Wurf gelingt oder die Unternehmensberater die einzigen Gewinner bleiben.
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