Luisa Di Bella, Neustadt/Waldnaab.
Unsere Geburtstagskinder: geboren am 9. November 1989

Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 10. November 1989: Am Abend des 9. November teilte SED-Politbüro Mitglied Günter Schabowski mit, dass alle DDR-Grenzen in die Bundesrepublik und nach West-Berlin für DDR-Bürger geöffnet werden. Daraufhin strömten binnen weniger Stunden tausende von Ost-Berlinern in den Westteil der Stadt, wo es zu volksfestartigen Verbrüderungen zwischen Bürgern aus Ost- und Westdeutschland kam. Bild: dpa
Als Bilder von Menschenmassen aus Ost- und Westberlin über die Fernsehbildschirme flimmern, bekommen die Eltern von Luisa Di Bella davon nichts mit. Beide sind im Kreißsaal. Die Wehen werden stärker. Um 21.38 Uhr erblickt Tochter Luisa an diesem historischen Tag das Licht der Welt. Erst als die frischgebackenen Großeltern anrufen und ihnen von den Ereignissen in Berlin erzählen, erfahren Luisas Eltern davon.

Am 9. November 2014 wird Luisa 25 Jahre alt. Zum gemeinsamen Jubiläum mit der Berliner Mauer fuhr sie einige Tage vor ihrem Geburtstag mit ihrem Freund nach Berlin.

Das Brandenburger Tor, Alexanderplatz und natürlich die Reste der Mauer standen auf dem Besichtigungsplan. Am 9. November, ihrem Geburtstag, ist sie wieder zurück in Regensburg und feiert mit ihren Freunden. Und wenn sie jemand nach ihrem Geburtsdatum fragt, antwortet Luisa: „An dem Tag, als die Mauer fiel.“ (spi)

Tobias Schwägerl, Tirschenreuth. „Das ist schon ein Vorteil“, sagt Tobias Schwägerl lachend, „wenn man am 9. November 1989 geboren ist – da habe ich in der Schule immer Bescheid gewusst.“ Zur DDR fällt dem 25-jährigen Tirschenreuther ein: „Alle sollten gleich sein, stattdessen wurde die Freiheit eingegrenzt.“ Der Elektromeister der Stadtwerke Tirschenreuth war schon in Dresden, Leipzig und in Berlin, wo er die Mauerreste und Checkpoint Charlie besichtigte.

Sein Eindruck: „Man merkt, dass man im Osten ist, sobald man über die ehemalige Grenze fährt.“ Die Landschaft sei unverbauter, die historischen Gebäude meist saniert, und es gebe mehr Plattenbauten als im Westen. „Man verbindet mit der DDR eine Mentalität, aber das ist mehr ein Gefühl, das die Medien transportieren.“

Tobias’ bester Freund, mit dem er beim FC Tirschenreuth Fußball spielt, kommt aus Ostberlin. „Mit seinen Eltern spricht er Berliner Schnauze, aber mit uns Oberpfälzer Dialekt.“ (jrh)

Katharina Pecher (rechts). „Seit meiner Schulzeit werde ich darauf angesprochen, dass ich an dem Tag geboren wurde, als in Berlin Euphorie herrschte“, erzählt Katharina Pecher, die um 9.30 Uhr in Tirschenreuth das Licht der Welt erblickte.

Was verbindet die 25-jährige angehende Grundschullehrerin in Luhe heute mit der DDR? „Puuh, Überwachung und Gleichberechtigung“, fallen ihr spontan an, zwiespältige Begriffe also. Selbst war sie bisher in Berlin und Leipzig.


„Das sind schöne Städte mit toller Architektur und Sehenswürdigkeiten“, sagt sie. Zu den Menschen habe sie wenig Kontakt gehabt. Immerhin, der Verlobte der Schwester ihres Freund stammt „von drüben“. „Klar, man hört’s am Dialekt, aber sonst fragt man nicht mehr nach, ob jemand aus dem Osten kommt.“

Ob sie denke, dass es heute noch Mentalitätsunterschiede zwischen Ossis und Wessis gibt? „Vielleicht ist im Westen das Konkurrenzdenken ausgeprägter“, meint Katharina. (jrh)
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