Mehr junges Gemüse

Gute Laune zu Tisch: Die Mensa der Mittelschule in Vohenstrauß hat seit diesem Schuljahr geöffnet. Bild: Schreiber

Erst Mathe, dann jede Menge Fleisch? Beim Schulessen gibt es einer Studie zufolge viele Mängel. Auch die Oberpfalz ist kein Klassenprimus. Verbraucherschützer fordern vor allem mehr Transparenz.

(we/dpa) Zu viel Fleisch - dafür zu wenig Obst und Gemüse. Das Mittagessen in deutschen Schulen ist laut einer Studie nicht gesund genug. In der am Dienstag in Berlin vorgestellten Untersuchung im Auftrag des Bundesernährungsministeriums heißt es, dass nach wie vor Fleisch zu oft und Fisch zu selten angeboten werde. Experten-Empfehlungen für Gemüse, Obst und Rohkost würden teilweise nicht erfüllt.

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Erfahrungen von Dr. Simone Eckert von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Oberpfalz. "Wir sind kein Klassenprimus, aber auf dem richtigen Weg", meinte sie am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Schulen im Bezirk würden sich zunehmend um ein "vernünftiges und gesundes Essen" bemühen. Es gebe allerdings keine verbindlichen Vorgaben. Eckert: "Die Schulleiter müssen selber schauen, ob das Angebot in Ordnung ist. Wir können nur beratend tätig werden."

Ökonomischer Spagat

Nach Angaben von Eckert gebe es keine großen Unterschiede zwischen Stadt und Land: "Viel kommt auf den Wirt, auf den Caterer an." Es gebe einige schwarze Schafe, die kein passendes Essen liefern würden. Natürlich sei die Belieferung durch Großküchen schwierig. "In Altenheimen oder Krankenhäusern gibt es ganz andere Bedürfnisse." Der ökonomische Spagat gelinge nicht jedem Anbieter. Zwischen 3 und 4 Euro koste ein Mittagessen in der Oberpfalz im Schnitt. Eckert: "Es ist doch klar, dass es für 1,50 Euro pro Mahlzeit an Wareneinsatz mangeln muss."

Sehr erfolgreich ist laut Eckert das Coaching-Projekt Schulverpflegung in der Oberpfalz, an dem sich unter anderem die Mittelschule Waldsassen, das Erasmus-Gymnasium Amberg und die Kreuzberg-Mittelschule Schwandorf beteiligen. Das Angebot unterstützt "gesundheitsförderliche, akzeptierte und wirtschaftliche Mittags- und Pausenverpflegung".

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sagte zu der Studie, vieles habe sich in den vergangenen Jahren verbessert. "Aber unser Ziel muss es sein, dass Deutschland bei der Schulverpflegung im positiven Sinne ein Streber wird." Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder etwas Vernünftiges zu essen bekommen.

Im Deutschlandradio Kultur sagte der Minister, es solle verbindliche Qualitätsstandards und einen "Ernährungs-TÜV" geben, der präzise Vorgaben mache und deren Einhaltung auch kontrolliere. Laut der Studie dauert die Mittagspause nur in 39 Prozent der Schulen länger als 45 Minuten, wie es Ernährungsexperten empfehlen. Angesichts vielfach langer Transport- und Warmhaltezeiten seien zu viele ungeeignete Gemüsesorten im Angebot enthalten. Für die Analyse befragte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg rund 1500 Schulleitungen, 212 Schulträger und mehr als 12 000 Schüler. Ausgewertet wurden zudem Speisepläne.

Kritik von Foodwatch

Der stellvertretende Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, kritisierte, es sei ein Unding, dass Lehrer und Eltern nicht auf Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen zugreifen könnten, um den vertrauenswürdigsten Lieferanten für das Schulessen zu ermitteln. Die Behörden wüssten, wie es um die Hygiene in Schulküchen und bei Zulieferern bestellt sei. (Angemerkt)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/schulessen
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