Milchbauern schäumen

Rund 400 Demonstranten machten sich in Weiden für eine faire Milchpreispolitik stark. Bild: zpe

Die stark sinkenden Milchpreise bringen viele Bauern in Not. Der Bauernverband befürchtet, dass Tausende Betriebe aufgeben müssen. Am Wochenende verschafften sich Landwirte in der Oberpfalz Gehör. Am Dienstag soll es besonders laut werden.

(dpa/zpe) Während sich viele Verbraucher in Deutschland über niedrige Milchpreise freuen, bangen Bauern um ihre Existenz: Tausende Milchbauern müssen ihren Betrieb nach Einschätzung des bayerischen Bauernverbandes in diesem Jahr aufgeben. Der stark gesunkene Milchpreis beschleunige den langjährigen Trend nochmals deutlich, sagte der Milchpräsident des bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, in München. "Auf den Milchbauernhöfen brennt es im Moment lichterloh." Als wichtiges Erzeugerland für Milch sei Bayern mit seinen rund 33 000 Milchbetrieben besonders betroffen.

Nicht mal die Futterkosten

Seit dem vergangenen Jahr ist der Auszahlungspreis, den die Landwirte von den Molkereien erhalten, um rund zehn Cent gesunken und liege derzeit teilweise bei weniger als 30 Cent pro Kilo Rohmilch. Viele Betriebe könnten damit nicht einmal ihre Futterkosten decken, sagte Felßner. "Sie zahlen jeden Tag drauf, wenn sie ihre Kühe melken. Das wird ein katastrophales Jahr für die Betriebe." Felßner selbst hält auf seinem Hof im fränkischen Lauf an der Pegnitz 120 Milchkühe und rechnet 2015 wegen des Preisverfalls mit rund 80 000 Euro weniger Einnahmen als im Vorjahr, das allerdings dank eines hohen Milchpreises sehr gut ausfiel. "Man lebt von der Substanz", sagte er. Auf Dauer sei das derzeitige Preisniveau aber nicht durchzuhalten. Die Politik müsse den rund 80 000 Milchviehhaltern in Deutschland stärker unter die Arme greifen, um die drastischen Marktschwankungen abzufedern. Unter anderem fordert der Bauernverband seit langem Änderungen bei der Besteuerung der Betriebe, um aus Überschüssen in guten Jahren besser Rücklagen für schlechte Zeiten bilden zu können.

Am Dienstag wollen zahlreiche Bauern aus ganz Deutschland sich zu einer Kundgebung in München versammeln, um sich Gehör zu verschaffen. Zu der Staffelfahrt aus mehreren Städten hatte der Bundesverband deutscher Milchviehhalter aufgerufen. Am Samstag machte der Konvoi auch Halt in der Oberpfalz. Zunächst verstärkten rund 20 Traktoren aus dem Kreis Tirschenreuth in Kleinsterz den Protest gegen die Milchpreispolitik. Von dort ging es weiter nach Weiden.

400 Demonstranten

Dort fuhren 70 Traktoren und Schlepper hupend im Konvoi und sammelten sich auf dem Naabwiesenparkplatz. Fünf Schlepper parkten direkt vor dem Alten Rathaus. Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich 400 Demonstranten an der Aktion. BDM-Bundesvorsitzender Romuald Schaber forderte von der Politik ganz klare Rahmenbedingungen. "Wenn der Markt die Produktion nicht aufnehmen kann, dann muss er halt die Menge auch mal wieder reduzieren können, um die Preise auf kostendeckendes Niveau zu heben." Die Kosten der Milcherzeuger in Bayern lägen deutlich um die 50 Cent pro Liter. "In Deutschland bei 45 Cent." Bezahlt werde für den Liter momentan 25 bis 28 Cent. "Das ist absolut existenzbedrohend."

Werner Reinl, Vorsitzender des BDM-Teams Neustadt, zeigte sich am Samstag hochzufrieden mit der Aktion. "Man muss die Kollegen einfach mal wieder hinterm Ofen vorziehen, damit hier was vorwärts geht", meinte er. "Wir fordern keine Almosen, wir fordern kein Geld. Wir wollen nur den Markt wieder ins Gleichgewicht kriegen."
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