Nachtwache am Kartoffelacker

Speisekartoffeln gibt"s im Weidener Becken nur, wenn bewässert wird. Hier klauben Schüler auf dem Bio-Hof von Reinhard Brunner. Archivbild: Götz

Die Temperaturen gehen nicht runter, auf vielen Feldern ist es staubtrocken. Dennoch bewässert bisher nur ein Weidener Landwirt seine Felder im großen Stil. "Wenn's alle machen", warnt Bio-Bauer Reinhard Brunner, "wird's eng."

Bauern werden nach Einschätzung von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) in manchen Gegenden des Freistaats ihre Felder schon bald zunehmend bewässern müssen: "In Unterfranken und in der nördlichen Oberpfalz wird man sich bei der Bewässerung Gedanken machen müssen." Der Klimawandel verstärke die Trockenheit im Norden Bayerns, sagt der Oberpfälzer.

Im Westen sehr trocken

"Der Klimawandel ist unstrittig", sagt auch Hans Winter, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Weiden. "Auch wenn es 1947 noch wesentlich trockener war und es immer wieder Wärmephasen in Europa gab." Dennoch: Auch die Landwirte registrieren, dass sich trockene Sommer häufen - allerdings regional sehr unterschiedlich. "Im östlichen Landkreis hatten wir dieses Jahr eine durchschnittliche Ernte, im westlichen dagegen war es wesentlich trockener." Um Nabburg herum habe es kaum geregnet. Haupteinbußen gab es bei Kartoffeln.

Dennoch gibt Winter der Initiative des Landwirtschaftsministers derzeit kaum Chancen: "Dazu brauchen Sie auch einen Zugang wie der Brunnerhof in Neubau", sagt Winter. "Der kann der Waldnaab offiziell Grundwasser entziehen." In anderen Gemeinden wie Ullersricht gebe es dafür schlicht keine Möglichkeit. Außerdem sei die Grundwasserbildung in den letzten Jahren auch nicht gerade positiv gewesen. "Wenn wir bewässern, brauchen wir Unmengen von Wasser", gibt Winter zu bedenken. "Vieles verdunstet bei Wind wie heute."

In der nördlichen Oberpfalz gebe es nur zwei Landwirte, die künstlich bewässerten. Einer in Tirschenreuth und eben Bio-Bauer Reinhard Brunner in Neubau. "Wir bewässern unsere Erdbeeren mit einem Tropfschlauch und die Kartoffeln mit einem Trommelregner", sagt Brunner und zögert. Man merkt ihm den inneren Kampf an. "Wir sind ganz zufrieden, aber Aufwand und Kosten sind beträchtlich." Abwechselnd verbringen er und sein Sohn die Nächte auf dem Kartoffelacker.

Nachts deshalb, weil Wasser in der prallen Sonne die Schutzschicht der Pflanzen angreifen würde. Und dann: "In der Nacht verdunstet nicht so viel." Bis 9 Uhr in der Früh steht immer ein Mann Wache, überprüft die Leitungen, verstellt die Maschine. Gute Nacht. Der Personaleinsatz sei bei den Erdbeeren geringer. Aber: "Mit dem Tropfschlauchverfahren haben wir mehr Materialaufwand." Erst müssen die Schläuche verlegt und dann zur Ernte wieder eingesammelt werden. "Für großflächige Kulturen ist das noch nicht ausgereift", sagt Brunner.

Teuer sei indes nicht das Wasser, sondern der Energieeinsatz: "Der Motor läuft und braucht jede Stunde zehn Liter Diesel", erklärt der Landwirt. "Um einen Hektar zu beregnen, benötige ich ungefähr 50 bis 80 Liter." Dazu die Anschaffungskosten: "Unsere eher bescheidene Beregnungsanlage kostet etwa 30 000 Euro." Vor allem in Norddeutschland, wo seit vielen Jahren bewässert wird und wo sich Brunner Rat holt, investieren die Landwirte in automatisierte Anlagen um die 100 000 Euro.

"Finanzieller Balanceakt"

Wer im Weidener Becken Speisekartoffel oder Erdbeeren produzieren wolle, komme an der Bewässerung nicht vorbei. "Wir sind aber noch nicht da, dass wir's in jeder Kultur einsetzen." Die Rechte für die Entnahme des Grundwassers aus der Waldnaab habe er für zehn Jahren erworben. Jetzt denkt er über die Ausweitung der Methode auf sein Getreide nach: "Das ist ein finanzieller Balanceakt", rechnet er vor. "Wenn wir über öffentliche Straßen müssen, wird auch dann saftig abkassiert, wenn wir mal nicht bewässern." Die Kommune verlange pro Meter sieben Euro, für den Doppelzentner Bio-Getreide bekomme man 25 bis 30 Euro. Aber Brunner verwendet diesen ohnehin fast ausschließlich für seine Schweinezucht.

Hitzestress für die Pflanzen

Der Neubauer Landwirt ist sich seiner Vorreiterrolle bewusst: "Wenn das alle Landwirte machen, wird das Wasser knapp", befürchtet er. Er mache seit Jahren Wetteraufzeichnungen, und registriere, dass die Temperaturen steigen. Das Hauptproblem seien die häufigeren Tage über 30 Grad, ab denen die Pflanzen Hitzestress bekämen. "Wenn wir zunehmend bewässern, müssen wir uns Gedanken machen, inwieweit das den Grundwasserspiegel verändert." Es reiche dann nicht, dass jeder Bauer für sich nach einer Lösung suche.

Wie die Kollegen in Ülzen (Niedersachsen) sollten sich vielmehr mehrere zusammenschließen: "Ein wasserrechtliches Gutachten kostet etwa 250 000 Euro, das kann man sich nur in der Gemeinschaft leisten." Eine Gemarkung wie Weiden oder Ullersricht könne ein Bewässerungsnetz bilden, wie dies auch in Baden-Württemberg bereits üblich sei.

Eine unkontrollierte Wasserentnahme könne im Extremfall zur Grundwasserabsenkung führen: "Das kann die restlichen Moorflächen und unsere Brunnen gefährden - Wasser haben wir nicht beliebig." 20 bis 70 Liter pumpe er in der Minute nächtens aus seinen Acker. "Für die Beregnung eines Hektars braucht man 200 Kubikzentimeter Wasser." Ein Gesamtkonzept müsse her: "Wir brauchen Akzeptanz in der Bevölkerung und eine fachliche Begleitung", wünscht sich Brunner.
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