"Nebelkerze" im Trassen-Streit

Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler: "Das ist so, als würde ich eine Kegelbahn in Nachbars Garten bauen wollen, weil ich meinen eigenen Rasen nicht zerstören will."

Wenn Ilse Aigner Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, dann hat sie das geschafft. Ihr Vorschlag, die SuedLink-Trasse zu verlegen hat sie viele Reaktionen provoziert. Die einen sind mächtig sauer, andere nehmen ihn nicht Ernst.

(räd) Die SuedLink-Trasse möchte Wirtschaftsminister Ilse Aigner (CSU) in die Nachbarbundesländer verschieben. Ein Vorschlag, der dort auf offene Kritik stößt - und in Bayern zumindest nicht nur auf Zustimmung.

Floriansprinzip

Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Landtagsfraktion der Freien Wähler (FW) bezeichnete den Vorschlag als undurchdacht. Aigner habe die Rechnung ohne den Wirt gemacht. "Warum sollten Hessen und Baden-Württemberg eine Stromtrasse akzeptieren, die Strom nach Bayern bringt, von Bayern selbst aber nicht gewollt ist? Das ist so, als würde ich eine Kegelbahn in Nachbars Garten bauen wollen, weil ich meinen eigenen Rasen nicht zerstören will", wird Aiwanger auf der Homepage der FW-Fraktion zitiert.

Der Weidener SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch sagt, er sei sich ziemlich sicher, dass "Aigner eine politische Nebelkerze zündet". Auch vor dem Hintergrund, dass die Bundesnetzagentur im Sommer die überarbeitenen Pläne, unter anderem für die Süd-Ost-Trasse vorstellt, kann er sich nicht vorstellen, dass an Aigners Vorschlag "was dran ist".

Beim Wort nehmen

Nach den jüngsten Äußerungen der Übertragungsnetzbetreiber soll die Süd-Ost-Passage nach Westen verschoben werde und würde damit die Oberpfalz kaum noch tangieren. Die Linie über das Fichtelgebirge ist quasi vom Tisch. Grötsch betonte am Sonntag gegenüber unserer Zeitung, dass er die Netzbetreiber zu gegebener Zeit daran erinnern werde. "Da müssen wir die Herren dann auch mal beim Wort nehmen."

Zurückhaltend äußert sich der CSU-Landtagsabgeordnete Tobias Reiß: "Dieser Vorschlag steht meines Wissens unter dem Vorbehalt, dass für ... SuedLink überhaupt der Bedarf nachgewiesen wird. Das ist für mich das Entscheidende." Die Optimierung des bestehenden Netzes und die Möglichkeit eigener dezentralen Erzeugung stehe für ihn klar vor dem Bau der neuen Leitungen. Sollte allerdings SuedLink tatsächlich erforderlich werde, sei eine Verlegung des Endpunktes weiter in den Süden durchaus nachvollziehbar. "Weil dort - in Bayern wie in Baden-Württemberg - die größten Verbraucher angesiedelt sind", sagt Reiß.

Mit direkten Auswirkungen auf die Oberpfalz rechnet Reiß nicht. Indirekt würde aber seiner Ansicht der sonstige Leitungsausbaubedarf für die Weiterverteilung im Norden Bayerns sinken, wenn der Endpunkt von SuedLink von Grafenrheinfeld nach Gundremmingen verlegt wird. Dort soll nach neueste Überlegungen auch die Gleichstrompassage Süd-Ost enden. "Für uns in der Oberpfalz ist es weitaus entscheidender, dass die Süd-Ost-Passage nicht kommt!"
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