Nichts ist unmöglich

Judith Bogner, Journalistin, Model und Schauspielerin, ist weit rumgekommen in der Welt. Von ihrer Geburtsstadt Weiden ging es unter anderem nach Altötting, Bremen, in die Schweiz, nach Schanghai und zuletzt nach London, wo sie heute lebt. Und in Wien stand sie zusammen mit Hollywood-Star Tom Cruise vor der Kamera. Das Ergebnis ist derzeit in den deutschen Kinos zu bewundern. Bild: Oliver Barjolle

Es ist der Auftakt zu einer der spannendsten Szenen im neuen "Mission: Impossible"-Film mit Tom Cruise: Vor der Wiener Staatsoper fährt am roten Teppich eine Staatskarosse vor, der österreichische Bundeskanzler steigt im Blitzlichtgewitter aus. An seiner Seite im roten Abendkleid: eine waschechte Oberpfälzerin.

Da werden sich im dunklen Kinosaal schon einige Weidener verwundert die Augen gerieben haben: "Das ist doch...?", "Ist das nicht...?" Doch, das ist sie: Judith Bogner, Jahrgang 1968, Abitur am Elly-Heuss-Gymnasium Weiden 1989, gelernte Hotelfachfrau und Diplom-Wirtschaftssinologin, dann TV-Moderatorin beim Nachrichtensender Bloomberg TV. Und jetzt auch noch Schauspielerin in Hollywood-Kassenschlagern? Schon. Und ein bisschen hat der Zufall nachgeholfen.

"Ich habe Ende 2011 aufgehört, bei Bloomberg Vollzeit zu arbeiten", erzählt Judith Bogner im Gespräch mit unserer Zeitung, "nach elf Jahren Nachtschicht war die Zeit reif für einen Wechsel." Visagistinnen beim Fernsehen und ihre Freundinnen hätten ihr immer wieder gesagt, dass ihr Gesicht zu schön sei, um "nur" Wirtschaftsnachrichten zu verbreiten. "Mit damals 42 Jahren wollte ich rausfinden, wie es ist, in diesem Alter als Model zu starten", sagt die Wahl-Londonerin, "die sogenannten Classic Models bedienen einen wachsenden Zweig der Werbebranche." Über zwei Castingagenturen folgten schnell die ersten Aufträge, Cover-Storys für Magazine wie "Essentials", dann Werbespots - zuletzt für die Zahncreme Sensodyne.

Ein Teenager-Traum

"Schauspielerei war mein Traum als Teenager", erinnert sich die multitalentierte Frau, die vor einigen Jahren zusätzlich eine Ausbildung zur Schamanin gemacht hat und in ihrer eigenen Praxis für ihre Klienten spirituelle Lebenshilfe leistet. "Ein unerfüllter Traum, auch wenn ich damals in Weiden mit Stephan Brunner Schauspiel-Experimente gewagt habe." Brunner machte aus der Leidenschaft einen Beruf und war später Mitbegründer des Ensembles "Schauspielweiden". Für Judith Bogner stand die journalistische Arbeit im Vordergrund. Bis zu diesem Tag Anfang 2014, als ein ganz bestimmter Anruf kam.

"Meine Modelagentur hatte in den TV- und Film-Bereich expandiert, und plötzlich bekam ich die Einladung zu einem Filmcasting", sagt sie. Einzige Bedingung: ein österreichischer Akzent. "Den hab ich drauf", dachte sich die Exil-Weidenerin, zog ein rotes Kostüm an ("Rot ist meine Lieblings- und Glücksfarbe") und spielte den Filmleuten eine Szene aus dem Drehbuch vor - nicht ahnend, um welches Projekt es sich handelte. "Das war sehr spannend, aber ich hab' mir nix davon erwartet", erinnert sich Judith Bogner. "Nach einigen Wochen kam dann die Nachricht, dass ich auf der Shortlist sei, also in der Endauswahl. Dann habe ich noch einmal vorgesprochen - und bekam den Part." Erst bei der Vertragsunterzeichnung vor rund einem Jahr habe sie erfahren, dass sie eine Rolle in "Mission: Impossible - Rogue Nation" ergattert hatte, dem fünften Teil der Filmserie mit Weltstar Tom Cruise in der Hauptrolle - eine Multi-Millionen-Dollar-Produktion. Und dann ging's auch gleich ab ins Flugzeug, von London nach Wien. "Nothing is impossible, nichts ist unmöglich", lacht sie.

Rund eine Woche dauerten ihre Dreharbeiten an der Seite von Rupert Wickham, der ihren Ehemann, den österreichischen Bundeskanzler, spielt. "Eine aufwendige Szene war das", erinnert sich die Schauspielerin, "wir werden in der Oper zur Zielscheibe für einen Attentäter." Mehr wird nicht verraten, um denen die Überraschung nicht zu verderben, die "Rogue Nation" noch nicht gesehen haben. Im fertigen Film dauert ihre Szene mehrere Minuten inklusive Dialogen, also keineswegs ein stummer Kurzauftritt, den man beim Blinzeln verpassen kann. Seit kurzem läuft der Agentenstreifen nicht nur in ihrer neuen Heimat England, sondern auch in Deutschland im Kino. "Viele ehemalige Kollegen haben sich gemeldet, die haben mich natürlich sofort erkannt."

Lob für den Superstar

Kollegen und Freunde haben bestimmt auch das gefragt, was man jetzt einfach fragen muss: "Und wie ist er so, der Tom Cruise?" - "Super nett, hochprofessionell. Einer, der seine Arbeit mit Leib und Seele liebt und den Einsatz jedes einzelnen Beteiligten am Filmset sehr zu schätzen weiß." Der Frage, über was sie mit dem 53-jährigen Superstar, der den Film auch mitproduziert hat, in Wien geplaudert hat, weicht Judith Bogner allerdings aus: "Das darf ich nicht sagen." Professionelle Verschwiegenheit. So viel aber dann doch: "Das sind alles ganz normale Menschen, und es war sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten. Ich habe mich als Teil einer großen Familie gefühlt und dachte mir: 'Hier gehöre ich hin.' Es war eine große Ehre."

Und was heißt das für ihre Zukunft als Schauspielerin? "Ich plane nichts wirklich, bin offen für alles, arbeite weiter als Schamanin und entwickle neue Sachen." Über neue Filmprojekte schweigt sie sich aus - vertraglich vereinbarte Stille. "Aber es wird auf jeden Fall weitergehen mit mir im Kino", deutet Judith Bogner immerhin an. Eine neue Mission? Durchaus possible!

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