Ohne Moos nix los

Auf einer Fläche von rund 70 Hektar soll sich das neue Weidener Gewerbegebiet ausbreiten. Die Fläche liegt an der Bundesstraße 470 gegenüber der Gewerbegebiete West I bis III (Brandweiher).

Weiden soll ein neues Gewerbegebiet bekommen - 70 Hektar groß. So viel Wald müsste weichen. Am Sonntag entscheiden die Bürger darüber. Eine Frage wird bleiben: Kann sich die Stadt die Erschließung überhaupt leisten?

Vorne auf dem Podium sitzen zwei Vertreter der Stadt Weiden und drei Gast-Experten, und natürlich sind alle für das Gewerbegebiet Weiden-West IV. Denn, wie Bürgermeister Jens Meyer betont: "Es geht um die Zukunftsfähigkeit Weidens." Kämmerin Cornelia Taubmann schildert West IV als letzte Möglichkeit eines finanzklammen Oberzentrums, ansiedlungswilligen Unternehmen größere Flächen zur Verfügung zu stellen. 70 Hektar insgesamt.

Überzeugungsarbeit wenige Tage, bevor's ernst wird. Am Sonntag, 9. November, sind die Weidener zum Bürgerentscheid über West IV aufgerufen. Der Bürgermeister erhofft sich "ein deutliches Signal". Am Montagabend bleibt es noch aus. Nur knapp 100 Bürger interessieren sich für die Infoveranstaltung der Stadt. Im Schlör-Saal der Max-Reger-Halle bleibt die Hälfte der Stühle frei.

Ganz ökologisch

70 Hektar. So viel Wald müsste gegenüber der bestehenden Gewerbegebiete West I-III fallen. Die Gutachter auf dem Podium halten die Folgen für die Natur für vertretbar. "Positive Impulse für den Natur- und Artenschutz" verspricht sich gar Dr. Heiko Sawitzky (Planungsgruppe für Natur und Landschaft). Ziel sei ein "ökologisches Gewerbegebiet". Mit Waldparkplätzen, begrünten Dächern, Regenwassereinspeisung. Reinhard Brodrecht (Gesellschaft beratender Ingenieure) fordert die Weidener auf, sich nicht die Frage "Gewerbe oder Natur" zu stellen, sondern beides in Einklang zu sehen. "Dann wird etwas Tolles entstehen."

Nicht wenige im Publikum haben da ihre Zweifel. Mitglieder von Bund Naturschutz (BN) und Grünen, die erklärten Gegner des Projekts. In überregionalen Medien prangerten die Landtags-Grünen zuletzt die "Weidener Praxis" an: Die Stadt übernimmt die 70 Hektar Staatswald und stellt dafür Ausgleichsflächen im fränkischen Steigerwald zur Verfügung, die Weiden gekauft hat. Was, fragen die Kritiker, ist mit der Schutzfunktion des Waldes vor Ort? Forstwirt Walter Nussel, CSU-Landtagsabgeordneter und Mitglied des Wirtschaftsausschusses, erkennt hier kein Problem. Den Staatsforsten sei es nur wichtig, dass ihre Flächenbilanz unterm Strich ausgeglichen ist. Persönlich plädiert Nussel ohnehin für "dezentrale Gewerbegebiete": "Wir müssen die Arbeitsplätze zu den Bürgern bringen, nicht umgekehrt."

Noch Fragen? Jede Menge. Doch die sind nach der Podiumsdiskussion gar nicht vorgesehen. Als Moderatorin Dr. Christa Kraemer also den Abend beschließen will, steht Sonja Schuhmacher auf. Die Vorsitzende der BN-Ortsgruppe protestiert: Auf dem Podium seien die West-IV-Gegner nicht vertreten - "wir hätten gerne eine offene Diskussion!" Nach einigem Hin und Her dürfen die Kritiker dann doch noch ihre Argumente nennen. Naturvernichtung, Flächenversiegelung, Verkehrsprobleme.

Wie Jürgen Holl (BN) und Karl Bärnklau (Grüne) einwenden, könnte Weiden auch das Geld fehlen, um das Gewerbegebiet überhaupt erschließen zu können. Kämmerin Taubmann räumt das unumwunden ein. Die Stadt bräuchte wohl einen potenten privaten Partner. "Es kann noch viele Stolpersteine geben", sagt sie. Und sie appelliert an die Bürger, am Sonntag doch zumindest mal den ersten beiseite zu rollen.
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