Orkan Niklas in der Oberpfalz
Sturm legt Oberpfalz still

Menschen werden zum Spielball der Windböen. Sie kommen nicht oder nur mit Mühe gegen die Kräfte der Natur an. Sturmtief "Niklas" war am Dienstag in München so stark, dass es Passanten umwarf. Auch in der Oberpfalz hatten die Menschen mit dem Orkan zu kämpfen. Bild: dpa

Bäume über Straßen und über Schienen. Umgekippte Lastwagen. Gekappte Strom- und Telefonleitungen. Abgedeckte Dächer. Orkan "Niklas" fegte am Dienstag mit Macht über die Oberpfalz hinweg. Und hielt Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste auf Trab.

(räd) Die Zahl der Notrufe, die in der Einzsatzzentrale der Polizei in Regensburg und den Integrierten Leitstellen eingingen, gehen wohl in die Tausende. Etwa 230 Notrufe allein zwischen 9 und 16 Uhr registrierte die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz mit Sitz in Weiden war teilweise mit bis zu 16 Mann besetzt. Sie registrierten nach eigenen Angaben bis 16 Uhr 606 Mitteilungen beziehungsweise Notrufe über Unwetterschäden. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk mussten dort zu 307 Einsätzen ausrücken. Größtenteils handelte es um entwurzelte Bäume, die Straßen blockiert hatten. Aber auch Bahnstrecken waren betroffen. Im Weidener Westen stürzte eine Kiefer auf die Strecke nach Bayreuth. In der Oberpfalz waren ferner die Linien Cham - Bad Kötzting und Schwandorf - Regensburg betroffen. Am Nachmittag stellten die Deutsche Bahn, Agilis sowie die Vogtlandbahn den Zugverkehr komplett ein. Die Fahrgäste mussten auf Ersatzbusse umsteigen.

Lkw kippt um

Zu großen Behinderungen kam es auch auf den Straßen. Auf der A 3 zwischen Velburg und Neumarkt-Ost drückte eine Windböe ein Lkw-Gespann auf die Gegenfahrbahn und warf es um. Der Fahrer wurde mittelschwer verletzt. Ähnliches geschah einem Lastwagenfahrer auf der A 93 zwischen Nabburg und Pfreimd. Die Kreisstraße zwischen Böhmischbruck und Kleinschwand im Landkreis Neustadt/WN bleibt aus Sicherheitsgründen voraussichtlich bis Mittwochvormittag gesperrt.

Ein Streifenwagen und ein Fahrschulfahrzeug musste nach Angaben der Polizei in der mittleren Oberpfalz von Feuerwehrleuten "befreit" werden. Umgestürzte Bäume vor und hinter den Autos hatten eine Weiterfahrt verhindert. Meist blieb es bei Sachschäden. Aus den Verankerungen gerissene Verkehrszeichen und -einrichtungen, zerfetzte Plastikplanen, herabfallende Dachziegel, angehobene Wellblechdächer und zerlegte Gartenhäuschen und von umgestürzten Bäumen beschädigte Autos, meldeten Polizei und Feuerwehren. In Amberg fiel eine drei mal vier Meter große Schaufensterscheibe auf ein Auto.

Im Sturm ist ein Autofahrer in der Nähe von Kelheim in ein Waldstück gefahren, weil er dringend pinkeln musste. Kaum hatte er den Wagen verlassen, riss der Sturm einen Baum um, und der fiel prompt auf das Auto. Der Mann blieb unverletzt, wie das Polizeipräsidium in Straubing berichtete. "Das war knapp", meinte ein Polizeisprecher.

Dächer fliegen davon

Abgedeckte Dächer wurden unter anderem aus Neudorf, Kondrau und Waldthurn gemeldet. In Sulzbach-Rosenberg mussten Feuerwehrleute das Dach eines Einkaufszentrums sichern, da sich Teile zu lösen drohten. Der Sturm behinderte auch Löscharbeiten bei einem Großbrand in Münchsreuth (Kreis Neustadt/WN). Dort war auf einem Bauernhof aus bislang ungeklärter Ursache Feuer ausgebrochen. Insgesamt 297 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei waren nach Angaben der ILS Nordoberpfalz dort im Einsatz. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf eine Million Euro.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/niklas
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