Pressekonferenz zu Ermittlungen nach brutalem Raubüberfall in der Hammerwegsiedlung
"Wir sind noch nicht am Ende"

Die Polizei klärte am Montag bei einer Pressemitteilung über den Ermittlungsstand zum brutalen Raubüberfall in der Hammerwegsiedlung in Weiden auf. (Bild: Hartl)
"Bei unserer Spezialeinheit gibt es nicht viele Möglichkeiten zur Gegenwehr." Oberst Ludek Fiala von der Kriminalpolizei Pilsen schildert trocken die Festnahme von zwei Tatverdächtigen des Raubüberfalls am Hammerweg. Am frühen Morgen um 4.30 bzw. 7.14 Uhr wurden die Männer (33 und 43 Jahre alt) festgenommen, als sie ihre Wohnungen in Nyrany bzw. Pilsen verließen. An der Aktion waren 48 tschechische Polizeibeamte beteiligt.

Aus Weiden waren fünf Kriminalbeamte der Ermittlungsgruppe "Siedlung" mit Leiter Thomas Gallei vor Ort, ebenso der Weidener Staatsanwalt Christian Härtl, der die europäischen Haftbefehle in der Tasche hatte. Die Männer wurden dem Haftrichter vorgeführt und befinden sich jetzt in Tschechien in Untersuchungshaft. Sie wurden befragt, informierte Kripochef Thomas Bauer, haben aber bislang keine Geständnisse abgelegt. Auf Basis von deutschen Rechtshilfeersuchen wurden zudem ihre Wohnungen und Fahrzeuge durchsucht. Bei Nyrany handelt es sich um eine 7000-Einwohner-Stadt nahe Pilsen.

Überstellung in wenigen Wochen?

Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer rechnet mit einer Überstellung der Tatverdächtigen in bayerische Gefängnisse in "wenigen Wochen". Er geht davon aus, dass die drei Tschechen in Weiden vor Gericht gestellt werden. Die Vorwürfe lauten auf schweren Raub und schwerer Körperverletzung, wofür das Strafmaß bei fünf bis 15 Jahre liege: "Dieses Verbrechen bewegt sich für mich eher in Richtung 15 Jahre."

Für die Ermittler war die Festnahme der beiden Tatverdächtigen ein großer Schritt. Seit September waren sie an den jetzt Inhaftierten dicht dran, jetzt schnappte die Falle zu - zumindest für zwei der drei Männer. Alle Beteiligten kündigten am Montag an, nicht eher ruhen zu wollen, bis auch der Dritte im Bunde ermittelt und gestellt werden kann.

"Wir sind noch nicht am Ende", sagte Schäfer: "Wir werden auch ihn finden." Das brachte dem Leitenden Oberstaatsanwalt die Zustimmung der letzten Reihe ein, die der Pressekonferenz beiwohnte: Hier saßen fast vollzählig die Ermittler der EG Siedlung.

Hinweise von Anwohnern

Schon wenige Tage nach der Tat am 17. September hatten die Weidener Kriminaler die Spur nach Tschechien aufgenommen. Anwohnern war am Tag vor der Tat ein dunkler BMW, mit drei Personen besetzt, in der Hammerwegsiedlung aufgefallen. Dieser Pkw und sein Halter konnten noch in der gleichen Woche ermittelt werden.

Nur reichte das nicht: "Mit einem Kennzeichen allein können Sie niemanden festnehmen", sagt der Pilsener Oberst Fiala bei der Pressekonferenz. Geschweige denn, die Mittäter ermitteln. Die Kripo zog in der Folge in Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen das gesamte verfügbare "Maßnahmenspektrum" durch.

Kripochef Thomas Bauer schildert am Montag die Arbeit der Weidener Kripo ab dem Überfall. Alle verfügbaren Kräfte der Kripo waren eingesetzt, dazu gab es Unterstützung durch die Inspektion. "Zu Spitzenzeiten waren über 40 Mitarbeiter in diesen Fall eingebunden." Sieben Tage wurden jeden Tag mindestens sechs Stunden nur Spuren gesichert, am Ende waren es an die 600 Spuren.

Rekonstruktion "enorme Belastung"

Man erhofft sich über die DNA Beweise gegen die Festgenommenen sowie Hinweise auf den Dritten. Der Pilsener Oberst Fiala übergab am Montag Speichelproben der Inhaftierten. Mit Spezialisten des Landeskriminalamtes und mit Hilfe eines 3-D-Scanners wurde der Tatort dreidimensional und digital konserviert. Mit Diensthunden und Metalldetektoren suchten Beamte mögliche Fluchtwege nach verlorenen Gegenständen und Spuren ab.

39 Zeugen wurden befragt. In den Wochen seit der Tat gingen rund 30 Hinweise ein. Eines der Opfer erklärte sich bereit, an einer Rekonstruktion des Überfalls mitzuwirken. Diese Rekonstruktion, die per Videotechnik aufgezeichnet wurde, nahm fast sechs Stunden in Anspruch und war eine "enorme Belastung" für das Opfer.

"Ich bin nun seit sieben Jahren Leiter der Kripo. Aber so eine brutale und rücksichtslose Raubtat haben weder ich noch meine Kollegen bis dato erlebt", sagt Kripochef Bauer. Die drei Senioren (ein Ehepaar, 71 und 68 Jahre, und die 89-jährige Oma) wurden über vier Stunden in ihrem eigenen Haus festgehalten, gefesselt, körperlich misshandelt. Details werden mit Hinweis auf "Täterwissen" nicht preisgegeben. Sie erlitten laut Bauer unter anderem Hämatome und Knochenbrüche. Die Täter durchsuchten das ganze Haus und erbeuteten Bargeld und Wertsachen im Wert von mehreren tausend Euro.

Geschädigte nehmen es tapfer

Wie geht es den Opfern heute? Bauer dazu: "Die drei Opfer waren lange im Krankenhaus, sind aber inzwischen wieder zuhause. Ihnen geht es den Umständen entsprechend körperlich gut, die seelische Verfassung ist schwer festzumachen. Sie nehmen es augenscheinlich tapfer."

Auch für Polizeisprecher Albert Brück ist die "Besonderheit, dass drei betagte Herrschaften eine derartige Gewalt erfahren müssen": "Das ist unvorstellbar." Die beiden Tatverdächtigen sind in ihrem Heimatland wegen diverser Gewalt- und Drogendelikte vorbestraft. Über eine mögliche Verbindung der Tatverdächtigen zu einem der Opfer, das seit Jahrzehnten eine Autowerkstatt und einen Autoteilehandel im
Landkreis betreibt, wollte sich Leitender Oberstaatsanwalt Schäfer nicht äußern.

Immer wieder wurde am Montag auf die unbürokratische und schnelle Zusammenarbeit mit den Tschechen hingewiesen. Kripochef Bauer sprach von einer "engen Ermittlungspartnerschaft" mit der Kripo in Pilsen. Staatsanwalt Schäfer von einem "hervorragendem Beispiel dafür, wie innerhalb der Europäischen Union eine wirksame Strafverfolgung funktionieren kann".

Vom Gemeinsamen Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei in Schwandorf berichtete Koordinator Josef Eckl über die Dienstleistungen, die seine Stelle eingebracht hat: von der Übersetzung der Dokumente (Haftbefehle, Durchsuchungsbeschlüsse etc.) bis zur Organisation von Besprechungen.
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