Ruhig sitzen bleiben

"Ach du Schreck." Wenn der Blick ins Zeugnis für einen Schüler nichts Gutes verheißt, ist bei Eltern richtiges Verhalten gefragt. Bild: dpa

Am Freitag ist Zeugnis-Tag. Wenn der gewünschte schulische Erfolg ausbleibt, leiden Schüler oft. Wie handeln Eltern am besten, ohne überzogen zu kritisieren, aber auch ohne zu verharmlosen?

Das Schuljahr 2014/15 endet am Freitag, 31. Juli, mit der Zeugnis-Ausgabe. Nicht alle Schüler werden ihr Klassenziel erreichen. Das hat bei Eltern und Kindern Ängste und Sorgen zur Folge, wie es mit der schulischen Karriere des Nachwuchses weitergehen soll. "Normalerweise ist bekannt, wie das Zeugnis ausfällt. Da sollte nichts überraschen und deshalb empfehle ich Eltern, nichts zu überstürzen", rät Studiendirektor Hanns Rammrath, Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle Oberpfalz.

Sofern zwischen Eltern und Kindern ein halbwegs normaler Kontakt vorherrsche, wüssten beide Seiten, was im Zeugnis steht. "Sitzen zu bleiben ist kein Beinbruch. Das weitere Vorgehen sollte aber gemeinsam besprochen werden." Macht eine Nachprüfung Sinn? Ist der aktuelle Bildungsweg noch der geeignete? Lohnt die Wiederholung einer Jahrgangsstufe? "Manchmal ist ein Rückschritt ein Fortschritt. Ein Schüler, der am Gymnasium hängen bleibt, kann an der Realschule wieder Motivation und Selbstvertrauen finden. Auf einem Umweg hat er noch die Möglichkeit auf das Abitur", sagt Rammrath. Vorrangiges Ziel sollte immer ein Abschluss sein. Und das Bayerische Schulsystem sei so konzipiert, dass jeder einen Abschluss schafft. "Die Wege dorthin sind jedoch vielfältig." Wenn es auf Anhieb nicht funktioniert oder der Lern-Elan zum Erliegen kommt, sollten Eltern ihre Reaktion stets hinterfragen. "Draufhauen ist genauso schlecht wie Gleichgültigkeit."

Kontakt intensivieren

Oft bringe die Frage nach dem "Warum" schon den ersten Schritt nach vorne. "Ich empfehle Eltern, cool zu bleiben. Eine überzogene Reaktion, egal in welche Richtung, belastet den familiären Kontakt." Rammrath rät, in schwierigen Phasen den Kontakt zum Kind zu intensivieren. Fordern und Fördern hingen zusammen, doch bei allem elterlichen Ehrgeiz, gelte der Grundsatz: "Zuerst kommt der Mensch." Welcher Weg während der Ferien einzuschlagen ist, dafür hat er kein Patentrezept. "Meist entwickeln Eltern ein eigenes Konzept. Zuerst erholen und gegen Ende der Ferien wieder mit Schulsachen beschäftigen."

Die Vorgehensweisen unterschieden sich nach Schulabschluss. Jemandem mit gutem Zeugnis falle es leichter, zu entspannen. Wer sich für eine Nachprüfung entscheide, sollte sich vor Augen führen: "Da sind die Ferien richtig in den Sand gesetzt."
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