Schutz für sich und andere

Eigentlich reicht eine kleine Spritze, doch viele Deutsche vernachlässigen den Impfschutz oder lehnen ihn ab. Krankheiten wie Masern und Röteln sind noch lange nicht ausgerottet. Sie treten in Deutschland wegen der hohen Impfquote nur nicht mehr so häufig auf. Bild: dpa

In Berlin ist ein Junge an den Masern gestorben. Dort grassiert seit Herbst eine Krankheitswelle. Die Oberpfalz ist davon bislang verschont geblieben. Gesundheitsexperten warnen aber davor, sich in Sicherheit zu wiegen.

(räd/esc/do) "Man kann hier mit den Masern in Berlin keinen Präzedenzfall schaffen", sagt Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamts Neustadt/WN. Nach jüngsten Zahlen ist in der Oberpfalz niemand an Masern, Mumps oder Röteln erkrankt. Lediglich drei Fälle von Keuchhusten registrierte das Bayerische Landesamt für Gesundheit. Bayernweit wurden jedoch seit Anfang des Jahres 51 Mal Masern diagnostiziert. "Bei uns sind es Gott sei Dank nur Einzelfälle", erklärt Dr. Roland Brey, Chef des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach. Er berichtet von einem jungen Mann in seinem Amtsbezirk, der nach einem Aufenthalt in Berlin erkrankte. Jung, reiselustig, großstädtisch: Das sind derzeit die Hauptrisikofaktoren.

Vernunft und Aufklärung

Trotzdem hält Brey nichts von einer Impfpflicht. Er setzt auf die Vernunft. Auch nach Meinung von Holtmeier muss die Aufklärung im Vordergrund stehen. Es geht dabei nicht nur um den Eigenschutz, sondern auch um den Schutz der Mitmenschen. Wer selbst nicht erkrankt, kann auch niemanden anstecken. Sorgen bereitet den Medizinern die Nachlässigkeit der Erwachsenen. "Wir wissen, dass Lücken bei jungen Erwachsenen da sind." Viele der nach 1970 Geborenen seien entweder nur einmal oder überhaupt noch nie geimpft worden. Ganz im Gegensatz zu Kindern.

Nach der Erfahrung von Dr. Georg Bayerl, Arzt in Eschenbach (Kreis Neustadt/WN) gebe es nur ganz wenige Eltern, die sich gegen eine Immunisierung ihrer Kinder entscheiden. Die Mehrheit der Geimpften biete dann auch den "Impfgegnern ausreichend Schutz vor den gefährlichen Viren", so Bayerl. Erwachsene sollten sich auch deshalb impfen lassen, weil bei einer Erkrankung mit zunehmendem Alter auch die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen steige, so Brey. Wer den Erstschutz bekommen hat, solle kontrollieren, ob eine Auffrischung erforderlich ist. "Hier gibt es ein Defizit", berichtet Bayerl.

Um sich anzustecken, muss man nicht nach Afrika reisen, wo für die großflächige Prävention meist das Geld fehlt. Eigentlich wollte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Masern schon bis 2011 weltweit ausrotten. Mindestens 95 Prozent der Bevölkerung müsste dafür immunisiert sein. "Davon sind wir noch sehr weit entfernt." Auch in Deutschland bricht die Krankheit deshalb immer wieder aus, zum Beispiel in Südbayern. Oder eben in Großstädten wie Berlin. Weil dort laut Brey die Impfquoten schlechter sind. "Wir sind dankbar, dass Ärzte bei uns Impfungen aufgeschlossen gegenüber stehen", so Brey.

Faktor 1000

Warum aber lassen sich Menschen nicht impfen? Nebenwirkungen könnten zwar vereinzelt auftreten, als generelles Gegenargument lässt Brey sie aber nicht gelten. Die Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Komplikationen liegt bei einer Masern-Erkrankung um den Faktor 1000 höher als bei einer Impfung, betont Brey. "Leider kann man oft nicht mit diesen Fakten überzeugen." Vor allem gebildete Schichten bezweifelten nach den Erfahrungen Breys oft den Sinn. Aber auch wenn Masern, Mumps oder Röteln nicht mehr präsent sind, so existieren sie dennoch. Sie treten nur nicht mehr auf.

Oft verhinderten ganz banale Gründe den Gang zum Arzt. "Zum Beispiel die Vielzahl der erforderlichen Termine." Oder das gelbe Impfbuch ist nicht auffindbar. "Es ist schon viel damit getan, es zu suchen", sagt Brey. Wer es in Händen hält, sollte sich dann aber auch wirklich die Spritze setzen lassen: Zumindest gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie, Keuchhusten sowie Masern, Mumps und Röteln.

Erkranken Kinder an Masern, sei es wichtig, rechtzeitig das Gesundheitsamt zu informieren. Nicht weniger bedeutend sei eine Nachricht an Kindergarten oder Schule, damit gesunde Kinder vor einer Übertragung geschützt werden könnten.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/masern
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