Serie "Schöne Oberpfalz" beschäftigt den Rundfunkrat
BR verzockt sich mit Vierteiler

Schlechte Karten hat der Bayerische Rundfunk derzeit in der Region. Sein Vierteiler "Schöne Oberpfalz" hat für große Diskussionen gesorgt. Hier zeigt der Film Grasoberln - ein Kartenspiel, das es nur noch ganz selten in Bayern gibt, so wie hier in Hetzenbach im Landkreis Cham. Bild: BR/Michael Zehetmair

Für ganz schön viel Ärger hat der Bayerische Rundfunk mit seinem Vierteiler "Schöne Oberpfalz" gesorgt. Die Reaktionen auf die Sendung sind verheerend. Das Thema wird nächste Woche auch den Rundfunkrat beschäftigen. Der Macher der Sendung gibt sich unterdessen kleinlaut.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Tobias Reiß ist Mitglied des BR-Rundfunkrates. Der 46-Jährige aus Brand (Kreis Tirschenreuth) fand schon mal den Titel "Schöne Oberpfalz" irreführend: "Es wurde nur eine triste, graue Stimmung verbreitet." Es sei eine Gelegenheit verpasst worden, Tradition und Fortschritt im Bezirk zu dokumentieren. Reiß hat in den vergangenen Tagen ein "durchweg negatives Echo" über die Sendereihe gehört. Zwischen 1. und 6. Januar 2015 beschäftigte sie sich mit der Oberpfalz, aufgeteilt in den Norden, die Mitte, den Süden sowie Regensburg und das Regensburger Land.

Tobias Reiß will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Bei der nächsten Sitzung des Fernsehausschusses des Rundfunkrates werde er das Thema ansprechen: "Da gibt es einen Unterpunkt 'Programmbeobachtung'. Der passt." Immerhin nehme auch BR-Fernsehdirektorin Bettina Reitz an der Sitzung teil.

Überrascht und auch etwas irritiert zeigt sich Filmemacher Dr. Michael Zehetmair über die teils heftige Kritik an der von ihm verantworteten BR-Sendereihe. Er sei an das Projekt mit "positivem Herzen" herangegangen, habe vor allem auch die junge Seite des Bezirks herausstellen wollen, erklärt Zehetmair am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine "Münchner Sicht" könne er nicht ausschließen, da er nun mal aus der Landeshauptstadt komme. Er habe sich für den Vierteiler aber intensiv mit der Oberpfalz auseinandergesetzt. Zu den 32 Drehtagen im Frühjahr 2014 kamen rund 20 Tage Vorbereitungszeit an den Drehorten, an denen er sich viel angeschaut und mit den Einheimischen gesprochen habe. Ähnliche Sendereihen seien in den vergangenen Jahren über den Bayerischen Wald, Bayerisch-Schwaben und Mittelfranken ausgestrahlt worden, berichtete Zehetmair.

Bei jeder Reihe gebe es sowohl positive als auch negative Reaktionen, heftige Kritik sei bislang aber ausgeblieben. Er habe die Oberpfalz keinesfalls als einsame, hinterwäldlerische Gegend zeichnen wollen, betont Zehetmair. "Ich entschuldige mich bei allen, die sich von der Serie auf den Schlips getreten fühlen." Seine Intention sei eine ganz andere gewesen. Die einsamen Landschaftsaufnahmen der nördlichen Oberpfalz etwa habe er aus einem romantischen Aspekt der Ruhe heraus gezeigt. "Ich habe mir selbst überlegt, mit meiner Familie im Raum Tirschenreuth Urlaub zu machen."

Der Filmemacher nimmt sich die Kritik zu Herzen, verweist aber auch auf die "gigantischen" Einschaltquoten zwischen 13,2 und 16,4 Prozent in Bayern. Die Oberpfalz-Serie sei bei den Zuschauern offenbar nicht durchgehend schlecht angekommen. Die ausgewählten Themen seien freilich immer nur ein subjektiver Ausschnitt, räumte Zehetmair ein. Möglicherweise könnte man in Zukunft kleinräumigere Serien schaffen, die noch genauer auf lokale Besonderheiten eingehen.
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