Soziale Ader der Oberpfalz

Mit einem kleinen Einstich alle acht Wochen rettet er Leben. Er und Hunderte Oberpfälzer werden heute für ihren Einsatz geehrt. Mit 175 Spenden ist er Spitzenreiter. Bild: Petra Hartl

Mit 18 Jahren ging er zum ersten Mal. 40 Jahre später geht er immer noch. 175 Mal spendete Reinhard Gräml sein Blut. Er will sich pieksen lassen, solange das möglich ist.

So oft wie möglich, also mittlerweile sechs Mal im Jahr, unterzieht sich der Amberger dem Aderlass. Dafür ehrt der Blutspendedienst des Roten Kreuzes ihn und 451 fleißige Spender aus der Oberpfalz heute in Weiden.

Schon mit 14 Jahren begleitete Reinhard Gräml seinen Vater zur Blutabgabe. Als Gräml 1975 volljährig wurde, begann seine eigene Spenderkarriere. Seine Mutter hatte damals während einer Krankheit fast 100 Blutkonserven erhalten. Das habe ihm als kleinen Jungen zu denken gegeben. "Ich wollte etwas zurückgeben", erinnert sich der 58-Jährige. Das hat er getan. Vielen Menschen konnte er das Leben retten. Vor allem Chemotherapiepatienten, die schwer körpereigenes Blut bilden können, brauchen die Blutkonserven bei Operationen.

Blutspenden hält gesund

Alle acht Wochen geht Gräml zum Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes. Wenn er zu den Öffnungszeiten in Amberg mal keine Zeit hat, fährt er ins Umland. Dass er etwas Gutes damit tun kann, ist ihm Dank genug. Ein positiver Nebeneffekt sei für ihn jedoch die Gesundheitsvorsorge. Am Tag der Spende muss er viel trinken und Fettreiches meiden. Außerdem gibt's einen Gesundheits-Checkup vor der Blutspende. Danach wird das Blut auch noch auf Erreger untersucht. "Manche Krankheiten werden so erst entdeckt. Und ich weiß, dass mein Blut seit 40 Jahren gesund ist", gibt der Amberger zu bedenken. Früher habe er eine einfache Wurstsemmel bekommen, heute wartet nach der Blutspende ein Büfett auf ihn. Auch kleine Geschenke gibt es manchmal, die nimmt er für seine Enkel mit. "Die Säu' füttern" könne er mit den zahlreichen Blutspendeehrennadeln, die regelmäßige Spender erhalten. "Wegen der Geschenke mache ich das nicht!", beteuert er nachdrücklich. Er wolle einfach helfen. "Jeder kann in so eine Situation kommen."

Rotes Kreuz bedankt sich

Heute Abend versammeln sich Hunderte treue Spender aus der Oberpfalz in der Weidener Max-Reger-Halle. 75, 100, 125, 150 und 175 Mal haben sie ihr Blut für andere Menschen gegeben. 41 675 Blutspenden haben die eingeladenen Oberpfälzer gemeinsam zusammen gebracht.

In einer großen Gala ehrt der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes die "Lebensretter in der Oberpfalz". Zu Gast sind der bayerische Kabarettist Chris Boettcher sowie der 25-jährige Extremsportler Felix Brunner, der nach einem schweren Kletterunfall rund 800 Blutkonserven erhielt. Obwohl er nun im Rollstuhl sitzt, hat er den Sport und seine Lebensfreude nicht aufgegeben. Aktuell bereitet er sich auf die Winter-Paralympics 2018 vor. In Weiden möchte er sich bei den Spendern für ihren Einsatz bedanken.

Piekser rettet Leben

Reinhard Gräml ist natürlich auch dabei. Dafür lässt er auch seinen Betriebsausflug mit der Amberger Verkehrsbehörde sausen. Mit der Veranstaltung will das Rote Kreuz natürlich Spender werben. Auch der Amberger ruft die Oberpfälzer dazu auf, sich die Nadel setzen zu lassen. "Den Piekser hält jeder aus". Ein kleiner Piekser, der Leben retten kann.
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