Stromtrassen-Gegner: "Taschenspielertrick" - Seehofer sieht "Teilerfolg"
Die Zweifel bleiben

Die Verlegung der Trasse zeigt, dass die von den Bürgern und der Politik geäußerte Kritik angekommen ist.
(we/fle/dpa) Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht die beiden geplanten Höchstspannungstrassen nach Bayern nach wie vor extrem kritisch - wertet die überarbeiteten Pläne aber immerhin als einen gewissen Erfolg. "Das ist schon ein beachtlicher Teilerfolg, dass der Transport von Kohlestrom, der die Bevölkerung ja vor allem geärgert hat, verhindert worden ist", sagte der CSU-Chef am Mittwoch in München.

Hintergrund ist, dass die Netzbetreiber die sogenannte Ost-Süd-Trasse nun um 110 Kilometer Richtung Norden verlängern und bei Magdeburg beginnen lassen wollen, um mehr Windstrom nach Bayern transportieren zu können. Seehofer stellte aber klar, dass aus seiner Sicht nach wie vor weder die Notwendigkeit der beiden umstrittenen Trassen noch die Trassenführung geklärt ist.

Meier: Kritik angekommen

Der Tirschenreuther Bundestagsabgeordnete Reiner Meier (CSU) meinte am Mittwoch: "Die Verlegung der Trasse zeigt, dass die von den Bürgern und der Politik geäußerte Kritik angekommen ist. Güstrow im Windenergieland Mecklenburg-Vorpommern hat für mich deutlich mehr mit der Energiewende zu tun, als ein Braunkohlerevier in Sachsen-Anhalt." Der Politiker zeigte sich auch erfreut über erste Signale der Übertragungsnetzbetreiber, die Trasse stellenweise über Erdkabel zu realisieren. Auch solle eine Trassierung entlang bestehender Infrastruktur wie Autobahnen stärker forciert werden: "Ich habe immer darauf hingewiesen, dass die kürzeste Verbindung gewählt werden muss. Ein Ostschwenk durch die nördliche Oberpfalz ist für mich ein äußerst fragwürdiger Umweg."

Windenergie ausbauen

Kritik kommt weiterhin vom Bund Naturschutz in Bayern. Vorsitzender Hubert Weiger fordert "eine faire und demokratische Alternativenprüfung". Die Grundlagen der Netzplanung müssten auf den Prüfstand, so Weiger: "Bayern muss von der Blockade der dezentralen Energiewende abrücken. Nur ein dynamischer und dezentraler Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bayern kann ein Gegengewicht gegen die überdimensionierten zentralen Netzausbaupläne liefern." Der Freistaat brauche den Ausbau der Windenergie als Alternative gegen zentrale Stromtrassen.

Skeptisch bleiben auch die Trassengegner in der Oberpfalz. Für Martin Wittmann von der BI "Steinwald sagt nein. . ." ist die Verschiebung der Gleichstromtrasse im neuen Netzentwicklungsplan "nichts weiter als ein übler Taschenspielertrick". Die Region könne sich nicht sicher sein, dass der Trassenverlauf durch die Gegend doch noch festgelegt werde. "Die Passage ist nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich." 26 000 Einwände besorgter Bürger seien einfach übergangen worden. "Da sieht man, wie mit unseren Meinungen umgegangen wird." Die Veröffentlichung des neuen Netzentwicklungsplanes exakt zum Auftakt des Energiedialogs der Bayerischen Staatsregierung bezeichnet Wittmann als "medialen Schachzug". "Wir geben nicht auf und setzen uns weiter für eine gesellschaftlich breiter aufgestellte Diskussion sowie eine unabhängige Netzplanung ein."
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