Umsatzeinbrüche von bis zu 30 Prozent befürchtet - Einkaufserlebnis in Innenstädten hervorheben
Online-Shops bedrohen Zentren

Der Einkauf als ein Erlebnis - wer in Innenstädten (hier der Obere Markt in Weiden) zum Shoppen geht, kann Leute treffen. Darin sieht zum Beispiel die IHK den Unterschied zu Internet-Läden. Archivbild: Gerhard Götz

"Der klassische Einzelhandel hat keine Zukunft mehr." Kurz und bündig fällt die Antwort von Andreas Raab auf die Frage aus, wie er die Entwicklung der Innenstädte sieht. Raab ist Vorsitzender der Park- und Werbegemeinschaft Amberg. Nach jüngsten Erkenntnissen des Einzelhandelsverbandes Deutschland (HDE) klagen über 60 Prozent der Händler über sinkende Kundenzahlen.

Größter Konkurrent für Geschäfte in den Innenstädten sind schon längst nicht mehr alleine die großen Märkte vor den Städten. "Die Online-Händler werden dem klassischen Einzelhandel in den nächsten Jahren immer mehr und immer schneller Umsätze wegnehmen", prognostiziert Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Vor allem in Klein- und Mittelzentren mit 30 000 bis 60 000 Einwohnern werde es gewaltige Verwerfungen geben. Hier würden die Umsätze der Geschäfte bis 2023 durch den Boom des Online-Handels voraussichtlich um rund 30 Prozent schrumpfen. Für viele Geschäfte könnte das die Schließung bedeuten. "Wenn ein Händler mehr als 20 Prozent seines Umsatzes verliert, kommt er in die Verlustzone", erklärt Raab. "Wer nicht schnell reagieren kann, ist weg vom Fenster." Die Insolvenz droht.

Das eigene Verhalten

Einen Überblick, wie die Auswirkungen konkret in der nördlichen Oberpfalz sind, hat Wolfgang Eck, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Weiden, nicht. Aber: "Man merkt das ja auch am eigenen Verhalten." Eine Gefahr für kleine Läden gebe es mit Sicherheit.
Ein verändertes Kundenverhalten hat der HDE bereits in der Vergangenheit festgestellt. Er berichtet von einer "starken Fokussierung auf die Top-Lagen der Innenstädte und die Einkaufszentren" während des Weihnachtsgeschäftes. Betreiber von Geschäften, insbesondere Filialisten mit Läden in den Einkaufsstraßen der Großstädte, müssen sich also keine Gedanken machen. Heinemann sieht zudem keine Gefahr für die "Super-1a-Lagen" in Metropolen wie München, Hamburg, Frankfurt, Köln oder Düsseldorf. Sie würden sogar noch an Bedeutung gewinnen.

Und auch Eck erklärt: "Die Veränderungen bemerken wir jetzt schon." Inhabergeführte Geschäfte werde es immer weniger geben, stattdessen mehr Filialisten. Eck glaubt aber, dass Menschen auch weiter Einkaufsbummel unternehmen werden. "Wenn Sie sich die Innenstadt von Weiden anschauen, dann ist der Einkauf dort auch ein Erlebnis." Dort gebe es Cafés, man könne Leute treffen. "Vor dieser Entwicklung habe ich schon vor Jahren gewarnt", kommentiert Raab die Aussage, dass der stationäre Handel wegen der Internetshops mit Einbußen rechnen müsse. Vor allem junge Leute unter 35 Jahren fehlten den Geschäften als Kunden. Also genau die internetaffine Zielgruppe. "Das wird noch deutlicher spürbar werden", glaubt Raab.

Sogwirkung nimmt ab

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Innenstädte. "Toplagen bleiben Top. Mittellagen geraten verstärkt unter Druck. Im ländlichen Raum besteht Handlungsbedarf", beschreibt der HDE die Lage in den Innenstädten. In den Randlagen gebe es dann Leerstände, befürchtet Raab. Gleichzeitig würden aber auch in den Fußgängerzonen die Mieten sinken. Die Folge: "Die Sogwirkung für die Landbevölkerung nimmt ab", sagt Raab. Die Leute würden dann gleich nach Nürnberg oder Regensburg zum Einkaufen fahren.
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