Varroa und der milde Winter

Gewusel vor dem Bienenstand: Rund 60 000 Tiere umfasst ein Bienenvolk. Trotzdem weiß jede einzelne Biene, was sie zu erledigen hat, um das Volk und seine Königin am Leben zu erhalten. Nistet sich aber die Varroamilbe im Stand ein, droht ganzen Völkern der Tod. Wie derzeit. Nach ersten Schätzung hat ein etwa ein Drittel den Winter nicht überlebt. Archivbild: Huber

Bienen haben es immer schwerer: Moderne Agrarwirtschaft, weniger Blühflächen, zudem Milben und Parasiten. Nun auch noch der milde Winter: In einigen Gegenden der Oberpfalz starben bis zu 30 Prozent der Bienenvölker.

In Mecklenburg-Vorpommern kam es sehr schlimm. 40 Prozent der Völker überlebten dort den Winter nicht. In Bayern wären das bei geschätzten 250 000 Völkern 90 000. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber Tendenzen. Der für die Oberpfalz zuständige Fachberater Werner Zwillich vom Landwirtschaftsamt Amberg spricht von "erhöhten Verlusten". Wobei die Situation regional unterschiedlich ist.

"Einige hat's ganz böse erwischt." Bis zu 30 Prozent der Völker seien etwa in den Bereichen Sulzbach-Rosenberg und Cham gestorben. Normal seien etwa 10 Prozent. Hauptursache: die Varroa-Milbe. Dazu kommt: Wegen des milden Winters 2013/14 hätten viele Völker durchgebrütet. "Viele sind deswegen schon vor dem Winter kaputt gegangen", sagt Zwillich. Ein Völkersterben, das absehbar war. Der Deutsche Imkerbund hatte unter Bezug auf eine bundesweite Erhebung des Fachzentrums für Bienen und Imkerei Mayen bereits im Herbst mit Verlusten gerechnet. Eine Umfrage unter 6000 Imkern hatte ergeben, dass im Spätsommer und bis in den November hinein bundesweit bereits 6,8 Prozent der Völker eingegangen waren. Bayern war besonders stark betroffen. Die Prognosen gingen von Verlusten von 25 bis 30 Prozent aus. In Einzelfällen kam es noch schlimmer: "Es sind viele dabei, die alles verloren haben", erklärt Zwillich. Diese Imker müssen wieder von vorne anfangen, sich neue Völker kaufen.

Kein leichtes Unterfangen, wenn die Nachbar-Imker selbst kaum noch Bienen haben. Zwillich: "Wenn ein Drittel weg ist, wo sollen die Völker dann herkommen?" Vor dem Erwerb von Bienen unbekannter Herkunft raten Fachleute ab, auch weil das die Gefahr berge, weitere Krankheiten einzuschleppen. Beispiel Italien: Weil dort der kleine Beutenkäfer grassiert, ist die Einfuhr von Kunstschwärmen aus diesem Land untersagt. Der Parasit aus Gefilden südlich der Sahara wurde nach Südeuropa eingeschleppt.

Bis zu 50 Prozent Verlust

Hans Strehl, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Edelsfeld und zweiter Vorsitzender der Bayerischen Imkervereinigung, schätzt die Verluste auf bis zu 50 Prozent in der Region. Er und seine Vereinskollegen hätten bislang nahezu keine Ausfälle zu verzeichnen. Im Gegenteil: Sie hätten deshalb sogar schon rund 70 Völker an andere Imker verkaufen können. "Tendenz steigend." Als Hauptursache für das Bienensterben hat auch Strehl die Varroamilbe ausgemacht. Was im Umkehrschluss bedeute: "Wenn Du die Milbe im Griff hast, hast Du auch Bienen." Es gebe zwar Mittel zur Varroabekämpfung, zum Beispiel Ameisensäure. "Die ist aber für manche Imker schwierig anzuwenden", räumt Petra Friedrich, Sprecherin des Deutschen Imkerbundes, ein. Und der Einsatz von Chemie komme nicht in Frage, weil sich sonst Gift-Rückstände in Wachs und Honig bilden können.

Wenig Nahrung, viel Gift

Bienen hatten in den vergangenen Jahren kein leichtes Leben. Im Frühjahr, wenn viele Pflanzen blühen, gibt es noch ein hohes Pollen- und Nektarangebot. Weil es aber immer seltener Kräuter und Büsche gibt, fehlt später im Jahr Nahrung. Auch für den nächsten Winter erwartet Zwillich nichts Gutes. Der Winter 2014/15 war ebenfalls mild. "Dementsprechend wird auch dieses Jahr ein Problem."
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