Verbindlich ohne Binder

Den Spaß muss Albert Füracker am Unsinnigen Donnerstag über sich ergehen lassen. Bild: Steinbacher

Am Unsinnigen Donnerstag ist Albert Füracker beim Medienhaus "Der neue Tag" zu Gast. Er musste damit rechnen: Die Krawatte des Staatssekretärs ist ab. Ein Vorgeschmack auf das Redaktionsgespräch?

"Bei so was muss man Spaß verstehen", sagt der Lupburger (Landkreis Neumarkt) halb amüsiert, halb gequält - wie halt auch in der Politik. "Das ist meine neueste Krawatte", klagt er leise, "ein Geschenk meiner Frau ..." Ernst gemeint? "Zum Hochzeitstag ...", lacht er und löst den Spaß auf. Im Grunde hat der Staatssekretär in Markus Söders Finanz- und Heimatministerium gut lachen. Selbst wenn seinem Chef nach dessen Auftritt in der bayerischen Soap "Dahoam is dahoam" in der Heute-Show die fränkische Lederhose ausgezogen wurde.

Füracker zuckt die Achseln. Maßlos überzogen findet er die Kritik, Söder habe im Stil des nordkoreanischen Diktators das Bayerische "Staatsfernsehen" für CSU-Propaganda missbraucht. Achtung, Satire, aber trotzdem: "Die Menschen, die ich getroffen habe, sagten: ,Da war der Söder dabei, das war lustig.' Überhaupt, der Bayerische Rundfunk: Auch die Serie "Die schöne Oberpfalz" stieß manchem sauer auf, und der gelernte Landwirt ließ sich das Konzept erklären: Der BR habe das so begründet, vielleicht den falschen Titel gewählt zu haben, aber man habe eben keinen Werbefilm über die Oberpfalz drehen wollen, sondern verschiedene Facetten und Szenen zeigen. "Wir dürfen schon so selbstbewusst sein, darauf hinzuweisen, dass es bei uns nicht nur alte Hütten gibt", grantelt der 47-Jährige.

Lob für Emilia Müller

Mehr als sein halbes Leben - von der Jungen Union bis ins Staatsamt - hat er in der Politik verbracht. Und sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Will der Staatssekretär noch mehr? "Wer verkrampft nach Ämtern strebt, geht am Schluss leer aus", sagt er ausweichend. Jedenfalls zollt er der amtierenden Bezirksvorsitzenden Anerkennung für ihren komplizierten Job. "Erst hat sie Lob bekommen für ihren neuen Stil bei der Asylpolitik", beschreibt Füracker Emilia Müllers Dilemma, "und jetzt - bei einer neuen, unvorhersehbaren Ausgangssituation - wird sie für diesen zuvor gelobten Stil heftig kritisiert." Wie also geht wirklich gute Politik? Rat suchte sich der Senkrechtstarter, der seit 2008 im Landtag sitzt, beim politischen Urgestein Ludwig Rupp, 87: "Ich bin in jedes Dorf gefahren, habe gefragt, wollt's a Wasserleitung, a Teerstraße? Dann gründen wir einen CSU-Ortsverband", habe der geantwortet. Nach den Förderbescheiden haben man ihm gesagt: "Du bist ein guter Politiker." Kein Rezept für die Gegenwart: "Es ist schon alles gebaut."

Nicht ganz. Mit dem "größten Infrastrukturprojekt des Freistaats", der Breitband-Initiative, hat Füracker die Fäden für ein gewaltiges Investitionsprogramm mit in den Händen. Auch wenn davon noch nicht überall was zu spüren ist: "Wir haben nicht ohne Grund diese Initiative bis 2018 angesetzt." Zuvor habe es eine Breitband-Versorgung von 15 Prozent im ländlichen Raum gegeben. "Jetzt sind es 25 Prozent." Noch wichtiger sei: "1635 Gemeinden, das sind 80 Prozent, befinden sich bereits im Verfahren."

Der Macher ist sich sicher: "Die Datenautobahnen sollten überall gleich schnell sein." Am Schluss werde das Projekt die Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land angleichen, Heimarbeitsplätze und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Ob Heimstudium oder Behördengang, das Internet gehöre zu den K.o.-Kriterien bei Baulandinteressenten.

Alles im Fluss sei auch bei der geplanten Behördenverlagerung: "Es wird all das eingehalten, was wir angekündigt haben. 1500 Dienstposten werden aus München abgezogen, im März folgt die Bekanntgabe, und auch die Zusage steht, dass die nördliche Oberpfalz maßgeblich berücksichtigt wird." Aber auch da gilt: München wurde nicht in einem Tag erbaut und da man niemanden gegen seinen Willen versetzen möchte, werde der Prozess fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Bevor Kabinett und Fraktion den erarbeiteten Vorschlägen zugestimmt und die Personalräte informiert seien, wolle man keine Orte nennen. "Schließlich geht es nicht darum, wo gerade eine Immobilie leersteht." Wenn sich allerdings ein Landkreis auf einen Standort einige, sei das ein "wuchtiges Argument": "Die Tirschenreuther sagen, ,nehmt's Waldsassen', die Wunsiedler ,nehmt's Marktredwitz'. Das macht's leichter."

Betonköpfe oder Umfaller

Leichter macht Füracker das politische Geschäft sicher auch die Nähe zum früher oft belächelten, heute immer öfter angelächelten Markus Söder. "Ich kenne ihn seit 25 Jahren, schon als stellvertretender Vorsitzender der JU unter ihm." Der neue starke Mann der CSU punktet mit hohen Zustimmungswerten. "Söder sagt dazu, das ist ein Anreiz, es noch besser zu machen." Ob die beiden nach Seehofer Größeres im Sinn haben? Die Koalition mit den Bürgern möchte jedenfalls auch Füracker fortsetzen: "Wenn wir auf unserem Standpunkt beharren, heißt's, ,typisch CSU-Betonköpfe'. Gehen wir auf Bedenken ein, heißt's, ,jetzt sind sie wieder umgefallen'."

Seine Erfahrung im heimatlichen Modell-Landkreis Umwelt und Energie: "Wir müssen das Verbindende suchen." Nur so habe man mit Abstand den höchsten Anteil regenerativer Energie und die zweitmeisten Windräder Bayerns erreicht - obwohl die auch dort manchem ein Dorn im Auge seien. Die Frage laute: "Wie mache ich es am besten falsch?"
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