Angemerkt: Mein Auto und ich
Wir müssen reden. Jetzt!

Resignierter Redakteur: Mein Auto macht Probleme. Bild: Schönberger
Hallo Großer. Ciao Flitzer. Oder manchmal auch: Servus Otto; jedenfalls wenn es ein Benziner ist. Es gibt Menschen, vermutlich sind es sogar viele, die mit ihrem Auto reden. Ich nicht. Mein Auto ist nicht groß. Es erreicht höchstens halbflitzige Geschwindigkeit. Und überhaupt führen wir eine Zweckbeziehung. Seit Jahren. Da darf man auch schweigen. Blöd nur, dass mein Auto mit mir spricht.

Los ging's vor ein paar Monaten mit einem Klaps aufs Köpfchen. Die Halterung für den Kofferraumdeckel ist kaputt, wollte es mir sagen. Für meinen Geschmack eine Spur zu nachdrücklich. Ich hätte es nämlich auch ohne Blutkruste zwischen den Haaren verstanden. Aber Klappe halten geht in so einem Fall wohl nicht.

Als es mir dann ein paar Wochen später die Sache mit dem geplatzten Kühler unter die Nase rieb, drehte es völlig durch. Man kann das ja wirklich mal klären. Aber bitte zu zweit. Und das heißt: Nicht so laut röhren, dass es halb Lerchenfeld mitbekommt. Was sollen die Leute denken? Geschämt habe aber offenbar nur ich mich. Seitdem geht es jedenfalls Schlag auf Schlag. Wo ich es früher im Handumdrehen zum Schnurren brachte, quittiert es meine Anmachversuche nun oft mit einem lustlosen Knurren. Der Funke springt nicht mehr über.

Dabei habe ich mich ja bemüht. Herrje! Wie oft waren wir gemeinsam bei einem Profi, Hilfe suchen? Aber zu spät: Es sieht schlecht aus, richtete mir der Werkstattmeister jetzt aus. Das war's wohl. Noch dazu ist da nichts Bleibendes, das uns verbindet. Vielleicht hätte es ja doch einen Unfall geben sollen. Aber ich war da immer sehr vorsichtig.

Und so zittere ich täglich vor dem Moment, da sich mein Auto verabschieden wird. Sich abschleppen lässt. Von einem mit so einem schickem gelben Transporter womöglich. Ohne einen Ton von sich zu geben. Ich werde sagen: Ciao Kleiner.

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