Bayerische Landesgartenschau
"Kleines Kunstwerk für sich" in Bayreuth

Landesgartenschau Bayreuth. Bild: Götz
Freizeit
Weiden in der Oberpfalz
06.04.2016
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Landesgartenschau Bayreuth. Bild: Götz
  Bayreuth: Landesgartenschau 2016 |

Hochgelobte Festspiele, eine barocke Eremitage und das Opernhaus zeichnen Bayreuth als oberfränkische Kulturmetropole aus. Vom 22. April bis 9. Oktober wird sie um eine Attraktion reicher: die bayerische Landesgartenschau. Auch fünf Oberpfälzer Gärtnereien ergatterten sich einen Ausstellungsplatz.

Bayreuth. Dichter Nebel liegt über den grünen Wiesen, die mit Wildkräutern gespickt sind. Handwerker montieren die letzten Holzbretter an die Ausstellungspavillons, in denen in den kommenden Monaten Vorträge und Workshops abgehalten werden. Prüfend blicken Gärtner auf den Konzeptplan, der ihnen von den Landschaftsarchitekten vorgegeben wurde, bevor sie Gänseblümchen, Stiefmütterchen und Rheingold in die aufgelockerte Erde pflanzen. Einer von ihnen ist Christoph Rossbacher von der gleichnamigen Gärtnerei in Auerbach im Landkreis Amberg-Sulzbach. Bis die Landesgartenschau ihre Tore öffnet, ist für ihn und sein fünfköpfiges Team noch einiges zu tun.

„Als das Konzept vorgestellt wurde, war uns klar, dass wir mitmachen werden.“ Bei der Flächenverteilung im Juni 2015 ergatterte sich die Gärtnerei „eine besonders Schöne nahe dem Haupteingang, etwa 586 Quadratmeter“. Das Farbkonzept, das Arrangement und die Blumenauswahl wurde dem Team vorgegeben, die Beete mit den Namen "Brunhildes Erwachen" und "Liebesstadt" im Vorfeld abgesteckt. "Mir haben die Farben sofort gefallen - Zartgelb, Weiß, Rose und Rot." Bereits in der ersten Novemberwoche pflanzte das Team 6000 Tulpenzwiebel. Für die restlichen 9000 Pflanzen rechnen die Gärtner mit zwei Tagen Arbeit. "Es ist schön, hier mitwirken zu können, eine schöne Abwechslung zum Alltagstrott. Aber der Aufwand ist nicht unerheblich. Vor allem der Platz zu Hause macht uns Schwierigkeiten, 15 000 Pflanzen unterzubringen ist eine logistische Herausforderung", resümiert Rossbacher.

4.500 Pflanzen auf 250 Quadratmetern


Die Gärtnerei Schinner als Fuchsmühl im Landkreis Tirschenreuth setzt auf Rosenarrangements. "Wenn in der Region so etwas geboten ist, machen wir mit", erklärt Inhaber Hans-Joachim Schinner seine Teilnahme. Auf rund 250 Quadratmeter verpflanzt er 4500 Blumen. "Im Oktober habe ich mit den Planungen begonnen. Flexibilität war dabei das wichtigste. Wir sind vier Leute in der Gärtnerei - das ist schwierig, wenn immer jemand fehlt." "Werbetechnisch" sei die Schau sehr rentabel. "Ich habe in Bayreuth beim Rosen- und Gartenfestival mitgemacht. Dadurch habe ich Kunden vor Ort gewonnen, die heute noch Blumen bei mir kaufen." Diesen Effekt erhofft er sich auch jetzt.

Die Gärtnerei Helgert aus Tirschenreuth zählt mittlerweile zu den "alten Hasen" der Landesgartenschau. Schon in Tirschenreuth gestalteten sie Beete - dieses Mal ganz besondere. Mit der Gärtnerei Förth aus Neusorg und Gramsch aus Marktredwitz gestalten sie den Eingangsbereich im Gebiet "Overtüre". "Die Herausforderung liegt darin, alle Pflanzen rechtzeitig zu kultivieren, das Anpflanzen schaffen wir in einem Tag", betont Bernhard Helgert.

"Vor zwei Wochen sah hier noch alles komplett anders aus. Vieles war noch nicht fertig, keine einzige Blume gepflanzt. Jetzt nimmt alles Gestalt an", freut sich Pressesprecher Mirko Streich. 2009 erhielt die Stadt Bayreuth den Zuschlag als Ausrichter der 18. Landesgartenschau. "Kurze Zeit später haben wir mit den Planungen und den Ausschreibungen begonnen. Diese Phase zog sich über fünf Jahre", erklärt Pressesprecher Mirko Streich. 2013 folgte der Spatenstich. "Damit war das schwierigste geschafft", lächelt Streich.

Der Standort mit Haupteingang an der Äußeren Badstraße, durch den bis Ende der Landesgartenschau etwa 750 000 Besucher strömen sollen – ähnlich wie bei der letzten in Deggendorf – wurde bewusst ausgewählt.

Verbindender Grünbogen
„Es war die größte zusammenhängende Fläche in Bayreuth. Zudem liegt sie zwischen der historischen Innenstadt und der Eremitage. Es sollte ein verbindender Grünbogen entstehen.“ Weit über 100 Beschäftigte arbeiteten an der Gestaltung der Parkanlage „Wilhelminenaue“ – benannt nach der Markgräfin Wilhelmine (1709-1758). Dabei sollte sich das Motto „Musik für die Augen“ in jedem Themenbereich widerspiegeln. „Uns war wichtig, moderne Architektur und Einflüsse zu Zeiten der Markgräfin einfließen zu lassen.“

Einer der Mittelpunkte der Ausstellung soll der neu angelegte See mit großer Seebühne sein, auf dem in Sommer regelmäßig Konzerte von bayerischen Bands stattfinden sollen. "Wir haben 10 000 Lkw-Ladungen Erde und den Lehm abgetragen. Diese haben wir auf dem Gelände aufgeschüttet. So ist eine schöne Geländestruktur entstanden und die Umwelt wurde geschont." Die größte Herausforderung sei die Renaturierung des Roten Mains gewesen. In den 1930er Jahren sei der Fluss von Nationalsozialisten begradigt worden, um dort ein Aufmarschgebiet zu errichten.

Dazu sei es nie gekommen, doch auch der Rote Main wurde nicht zurückverlegt. "Wir haben ihn in die ursprüngliche Form gebracht. Eine schwere Aufgabe, da der Boden sehr sandig und lehmig war." Ein dreiviertel Jahr habe das Projekt gedauert, das Ergebnis sei mehr als zufriedenstellend, betont Streich. "Insgesamt war es eine planerische Meisterleistung, das gegebene Areal in Form zu bringen."



Ein Ziel behielten die Landschaftsarchitekten dabei immer vor Augen: Neue Lebensräume für die Natur- und Tierwelt schaffen. "Noch während die Motorsägen der Arbeiter dröhnten und Baumaschinen durch das Gelände fuhren, siedelte sich der Eisvogel an. Das war faszinierend", betont Streich. Auch der Flussregenpfeifer habe sich in dem Gebiet niedergelassen. Auch für Besucher und die Bayreuther Bürger soll das Gelände eine "Oase der Ruhe" werden und somit die Lebensqualität steigern. "Es ist ein kleines Kunstwerk für sich."

Auf 45 Hektar erwarten die Gäste neben Themengärten fünf „kulinarische Standorte“, an denen sie den Blick auf den Roten Main genießen können. „Wir wollten auch den jüngeren etwas bieten. Darum haben wir Beachvolleyballplätze, eine Kletteranlage und eine Dirt-Bike-Anlage gebaut.“ Auch künstlerische Einflüsse lassen sich in vielen Ecken der Landesgartenschau finden. Unter dem Titel "Lebenssteine" wurde aus Steinplatten ein "Gegenpol zu Grabsteinen" geschaffen.

Ein Ausstellungsschwerpunkt ist der Bereich „Grünes Quartett“. „Dort steht der Pavillon der Stadt Bayreuth, der im Stil eines traditionellen oberfränkischen Bauernhofs gestaltet ist. Im Wechsel präsentieren sich dort Stadt und Region.“ Der Weg „Melodie des Lebens“ ist eine „noch nie dagewesene Attraktion“, die Bayreuther Religionsgemeinschaften – Muslime, Juden und Christen – verwirklichten. „Dort gibt es einen Taufstein, wo sich Gläubige taufen lassen können,“ so Streich.



Die Landesgartenschau in BayreuthDie 18. Landesgartenschau erstreckt sich auf einer Fläche von 45 Hektar. „Sie ist die größte, die es in Bayern bisher gab“, erklärt Pressesprecher Mirko Streich, der bereits bei der Kleineren Landesgartenschau 2013 in Tirschenreuth die Pressearbeit übernahm. 10,5 Millionen Euro investierte die Stadt für die Gestaltung des Geländes, das zuvor aus Ackerland bestand. Ein hoher Anteil sei durch staatliche Förderungen finanziert worden. 250 000 Blumen und 10 000 Bäume und Hecken wurden verpflanzt.

Ein 2,5 Kilometer langer Rundweg führt an elf Themenbereichen vorbei, in denen sich junge und alte Besucher „informieren, kulinarisch verwöhnen und austoben können“. „Der Weg ist barrierefrei. An den Seiten haben wir einen Orientierungsstreifen für blinde Besucher angebracht.“ Über 130 Aussteller und Ausstellungsbereiche mit abwechslungsreichem Programm – von Konzerten, Workshops, bis hin zu Vorträgen, werden zu bestaunen sein, betont Streich.
Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 16 Euro, inbegriffen sind alle Veranstaltungen an dem jeweiligen Tag. Jugendliche bis 17 Jahren besuchen die Landesgartenschau in Begleitung ihrer Eltern kostenlos. Unbegleitete zahlen drei Euro. Eine Dauerkarte kostet 90 Euro. (juh)
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