E-Bike-Boom: Gesund und vital unterwegs auf dem Drahtesel 2.0
Steigung? Welche Steigung?

(Foto: Norbert Eimer)
(Norbert Eimer)

Faszinierend … es ist, als hätte man die Siebenmeilenstiefel an – oder besser gesagt, die Siebenmeilenreifen. Nur ein sanfter Tritt, aber der schiebt einen ungewohnt kraftvoll nach vorne. Die Tochter ist schon außer Sichtweite, obwohl sie mit dem Pedelec und ich mit dem E-Bike unterwegs bin. Macht aber nichts, soll ja schließlich kein Rennen sein, sondern unsere erste gemeinsame Abenteuerfahrt mit einem Elektrorad. Unglaublich, wie schön bergauf sein kann! Mit einem Grinsen im Gesicht, frischem Fahrtwind um die Nase und völlig entspannt fragen wir uns immer wieder: Steigung? Welche Steigung?

Normalerweise radeln wir höchstens in die Stadt rein. Eis essen, dann wieder heim. Aber jetzt sind wir schon fast zehn Kilometer unterwegs – zeigt unsere Kilometeranzeige. Und das ohne Schwitzen, ohne abgekämpft und außer Puste zu sein. Wie sagte der Experte, der uns die Räder ausgeliehen hat: „Mit einem Elektrorad fährt man doppelt so lang und doppelt so oft.“ Da scheinen wir uns also in bester durchschnittlicher Gesellschaft zu befinden.

Die Fahrräder mit Motorunterstützung sind in den letzten Jahren in Mode gekommen, keine Spur mehr vom biederen Image. Sehen ja auch schnitt aus – von wegen motorisierte Gehhilfe für ältere Menschen. Wer es nicht weiß, würde bei unseren Fahrrädern kein E-Bike beziehungsweise Pedelec vermuten. Und das macht ehrlich gesagt auch ein bisschen den Reiz aus. „Willst du nicht mal wieder treten, Papa?“ Die Tochter hat natürlich recht, die Leute gucken ja schon. Ich trete alibimäßig ein paar Mal, dann wieder den Finger am Knopf und weiter fährt es sich entspannt.

Natürlich: Nur sich vom Motor antreiben zu lassen, das soll es nicht sein. Immerhin wollen wir ja Fahrrad fahren. Es ist diese tolle Mischung aus eigener körperlicher Aktivität und individuell zuschaltbarer Unterstützung. Mal mehr, mal weniger. Die gesundheitlichen Vorzüge des entspannten Radelns liegen auf der Hand. „Ohne allzu große Kraftanstrengung werden die Muskeln aufgebaut und Kondition gestärkt“, sagt der Experte.

Und auch die Mediziner kennen eine ganze Reihe von Vorteilen: gelenkschonende Betätigung und moderates Training fürs Herz-Kreislauf-System zum Beispiel. Na dann, wir treten und gleiten Richtung Bocklradweg. Da gibt es auch eine Akku-Wechselstation. Auf geht’s, Töchterchen!

Pedelec

Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis maximal 250 Watt, während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen, die bei einem durchschnittlichen Radfahrer etwa 100 Watt beträgt. Der Unterstützungsgrad kann in mehreren Stufen eingestellt werden und ist abhängig von der Pedalkraft oder der Trittfrequenz des Fahrers. Das Pedelec ist dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Fahrer benötigen also weder ein Versicherungskennzeichen noch eine Zulassung oder einen Führerschein. Für sie besteht zudem keine Helmpflicht oder Altersbeschränkung.

E-Bikes

E-Bikes sind mit einem Elektromofa zu vergleichen und lassen sich mit Hilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, auch ohne dabei in die Pedale zu treten. Wird die Motorleistung von 500 Watt und eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h nicht überschritten, gelten diese Fahrzeuge als Kleinkraftrad. Auch hier ist ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung zum Fahren notwendig. Man ist auf die eigene Leistungsfähigkeit angewiesen, wenn man schneller als 20 km/h fahren möchte. Eine Helmpflicht besteht bei den E-Bikes nicht.