Erbendorfer Apotheker Willi Tretter berichtet über seine Reise nach Nepal
Höhenmeter, Menschen und Emotionen

Willi Tretter (Zweiter von rechts) hatte nach seinem Vortrag um Spenden für Hilfsprojekte in Nepal gebeten. Der Outdoorclub mit Jochen Kuhlemann (rechts), Peter Homberg (links) und Dr. Matthias Krämer überraschte mit einem 1000-Euro-Scheck. Bild: mic

Wer eine Reise nach Nepal plant, darf nicht zimperlich sein. Das Publikum schüttelt sich, als Willi Tretter Aufnahmen von verschmutzten Toiletten zeigt. "Ich war immer froh, wenn wir im Zelt und nicht in einem Gästehaus übernachtet haben", erzählt der 57-jährige Apotheker.

Trotz der manchmal haarsträubenden hygienischen Verhältnisse zieht es Tretter immer wieder in den Himalaya. Land, Leute und atemberaubende Ausblicke machen so manche Unannehmlichkeit wieder wett. 2007 umrundete der Erbendorfer mit dem Mountainbike den heiligen Berg Kailash. 2014 radelte er zum Basislager des Mount Everest. Der Outdoor-Club hatte zum Vortrag mit dem Weltenbummler ins Injoy Weiden eingeladen. Fasziniert von den vielen Bildern und dem Reisebericht merkt das Publikum kaum, wie die Zeit vergeht. Tretter hatte das Leben auf den Straßen in Kathmandu eingefangen. Wanderasketen mit bemalten Gesichtern, Menschen, die sich am Flussufer zur rituellen Waschung treffen, wechseln sich mit Aufnahmen von Gebetsmühlen und Klöstern ab. Ein Raunen geht durch die Reihen, als Tretter das Foto eines klapprigen Flugzeugs zeigt, das die Gruppe in den Nordwesten von Nepal, nach Simikot, bringen soll. "Hier sind wir auf unsere Begleiter gestoßen."

Das Gepäck übernehmen Pferde und Yaks. Erst nach einer knappen Woche zu Fuß steigt die Gruppe auf die Räder um, die der Reiseveranstalter nach Taklakot, an der Grenze zu China, transportiert. Die Wege ähneln häufig "einer Wellblechpiste". Ein plötzlicher Wintereinbruch über Nacht zwingt die Biker zu einer dreitägigen Pause. "Das hieß, schlafen in voller Montur, mit Mütze und Handschuhen", erinnert sich der Erbendorfer. "In der Früh dürfte es im Zelt null Grad gehabt haben. Meine Wasserflasche war gefroren."

Überall sind Yakherden zu sehen, die mit dem bisschen Gras, das in dieser Höhe noch wächst, zufrieden sind. Tretter schwärmt von der "eigenartigen, fast feierlichen Stimmung auf 5600 Metern, als wir den Passübergang erreicht haben".

Pilger am heiligen Berg


Immer wieder trifft die Gruppe auf Pilger, die den Kailash (6638 Meter), den heiligen Berg der Buddhisten und Hinduisten, umrunden wollen. Auch reiche Inder sind darunter, die mit dem Hubschrauber anreisen. "Normalerweise braucht man für die 52 Kilometer drei Tage zu Fuß." Doch er habe Gläubige getroffen, die sich nach zwei, drei Schritten immer wieder auf den Boden geworfen haben. "Dann dauert eine Umrundung drei bis vier Wochen."

Ähnlich emotional empfand der Oberpfälzer die Tour zum Basislager des Mount Everest (5200 Meter), die er 2014 unternommen hat. Der Weg führt durch die Kornkammer Tibets. Unvergessen wird ihm der Stopp in Baktabur, einer der Königsstädte, bleiben. "Vieles, was ich noch gesehen habe, steht inzwischen nicht mehr", bedauert er. Das schwere Erdbeben 2015 hat der Region stark zugesetzt. In Lhasa, Hauptstadt des Autonomen Gebiets Tibet der Volksrepublik China, darf die Gruppe den Potala-Palast, der zum Weltkulturerbe zählt, besichtigen. "Eine Stunde durften wir rein, dann hat unser Führer ängstlich auf die Uhr geschaut."

Die Mountainbiker nähern sich dem höchsten Berg der Welt von der tibetischen Seite. "Der erste Blick auf den großen Meister bei strahlend blauem Himmel hat uns für alle Strapazen entschädigt." Abschließend bittet Tretter um Spenden für die Nepalhilfe. Dieser Bitte kommen nicht nur die Zuhörer nach, sondern auch der Vorstand des Outdoor-Clubs, der einen 1000-Euro-Scheck vorbereitet hatte.

Reiseinfos rund um den HimalayaWill Tretter war nicht der einzige Oberpfälzer, der sich in den Himalaya aufmachte. Begleitet hat ihn bei beiden Touren Robert Wächter aus Grafenwöhr.

2007 ging es von Kathmandu nach Simikot in den Nordwesten Nepals, vom Karnali, dem größten Fluss Nepals, weiter an die chinesische Grenze nach Purang/Taklakot. Nach der Umrundung des Kailash führte die Route über das tibetische Hochland zurück nach Kathmandu. 2014 wollten Tretter und Wächter eigentlich vom Kailash zum Evert radeln. Doch zu dieser Zeit war es verboten, sich dem heiligen Berg zu nähern, da die chinesische Regierung vermehrt religiöse Selbstentzündungen befürchtete. Alternativ begann die Reise in Lhasa, über das Kloster Ganden und Samiy zum Basecamp des Mount Everest. Beste Reisezeit ist September/Oktober. (mic)
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