Kanu Urgestein Rudolf Frieser denkt ans Aufhören
Blödsinn wird Lebenswerk

Rudolf Frieser befuhr Flüsse mit dem Kanu, die keiner vor ihm befahren hat. Er war Wegbereiter beim Verleih von Paddelbooten. Doch auch das Oberpfälzer Kanu-Urgestein ruderte zuerst in einem Benzinkanister. Sein Lebenswerk entstand aus Blödsinn.

Rudolf Frieser will aufhören. Er ist 81 Jahre alt und es fällt ihm schwer, die Kanus auf die Anhänger zu heben. Doch fast täglich klingelt das Telefon. Vereine, Firmen und Privatgruppen möchten sich Boote ausleihen, um auf den Flüssen der nördlichen Oberpfalz herumzupaddeln.

Der Weidener ist ein Urgestein des Kanusports. Schon 1946 hat er bei den Pfadfindern das Leben im Freien genossen. Als zehnjähriger Bub paddelt er auf den Flüssen herum. Zunächst noch in einem Benzinkanister in der Schweinenaab. Später in einem Faltboot. Als er 1951 beginnt, bei der Eisenbahn zu arbeiten, fährt er in der Freizeit mit seinen Kollegen Kanu.

Selbst Boote gebaut


1967 gründet Frieser mit einigen Mitstreitern eine eigene Kanuabteilung in Weiden und übernimmt dort selbst die Leitung. Das bleibt 20 Jahre so. Dann wird er Bezirksvorstand des Oberpfälzer Kanuverbands.

Vor Frieser gab es in Weiden nichts. Keinen Verein, keinen Verleih und keinen Kanuladen. Rudolf Frieser baut und repariert die Boote selbst. "Wir haben das Geschäft eigentlich aus Blödsinn gemacht", erzählte seine Frau Irene, die selbst begeisterte Paddlerin ist. "Man musste immer bis München fahren, wenn man was gebraucht hat."

Seit 40 Jahren lagert Familie Frieser in ihrem Haus Socken, Handschuhe, Beutel, Schwimmwesten, Paddel und Spritzdecken zum Verkauf. Ein Teil der Ware liegt im Heizungskeller. Die größere Menge haben die Friesers in der Garage untergebracht, die sie vor 15 Jahren extra ausgebaut haben. Die Wassersportgeräte stapeln sich dort bis unter die Decke. Wanderboote und Seekajaks liegen über leichten Kanadiern in Anhängern. Dahinter lehnen Wildwasserboote an der Wand.

"Kannst du verleihen?"


Der Kanuverleih hatte sich "mehr aus dem Hobby heraus" ergeben, sagt Irene Frieser. 22 Jahre ist Frieser für den Kanusport in der Oberpfalz verantwortlich und gestaltet dabei auch die Tour auf dem Regen mit. Dabei spricht ihn ein Politiker an: "Der Landrat von Cham, Ernst Girmindl, hat gesagt, wir müssen was für den Fremdenverkehr tun." Er habe ihn gefragt: "Kannst du dir vorstellen, einen Kanuverleih zu machen", erzählt der 81-Jährige. "Ok, dann hab' ich einen Kanuverleih gegründet." Damals war das noch ein geringer Aufwand: "Wir haben mit drei angefangen", sagt Irene Frieser. "Den Kanuverleih habe ich in der Oberpfalz erfunden", erklärt Rudolf Frieser. "Es soll ja jeder den Kanusport kennenlernen. Das geht nur mit einem Kanuverleih."

Irgendwann reicht es


Für die Friesers wird es zunehmend schwieriger, den Verleih aufrecht zu erhalten. Besonders in einem Jahr wie diesem. Wegen des schönen Wetters waren die Kanus viel gefragt. Die Verleiher hatten gleichzeitig verschiedene Abholstellen zu bedienen. "Ohne meinen Sohn hätte ich das in dieser Saison nicht geschafft.", sagt der 81-Jährige. In den 70 Jahren, in denen er den Sport betreibt, hat er 200 verschiedene Flüsse befahren. Einige überhaupt zum ersten Mal mit einem Kanu. Einen würdigen Nachfolger zu finden, wird schwer sein. Der Wassersport ist Friesers Leben. Er war nicht nur Vorsitzender in Weiden und der Oberpfalz, sondern auch von 2003 bis 2007 Vizepräsident des Bayerischen Kanuverbands. "Da reicht's irgendwann mal", sagt Irene Frieser.
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