Kolumne: OTon
Ich bin eigentlich immer müde, außer wenn ich schlafe – dann geht‘s

Symbolbild
Freizeit
Weiden in der Oberpfalz
28.04.2016
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Ich schaffe das. Da bin ich mir ganz sicher. Ich habe es bisher immer geschafft. Jeden Tag. Irgendwie. Einfach die Augen aufmachen und aufstehen, so schwer kann das doch gar nicht sein. Sollte man meinen.

Und trotzdem: Jeden Morgen stehe – oder besser gesagt liege – ich vor dem gleichen Problem: Wie komme ich bloß aus dem Bett? Es lässt mich nicht los, das Kissen ruft: „Nicht aufstehen, liegen bleiben, ich bin doch so bequem!“ Ich kann das ganz deutlich hören, wirklich! Und meine Decke hält mich so fest umschlungen, ich kann mich einfach nicht befreien – ich will ja eigentlich, aber sie ist zu stark, ich bin zu schwach. Der Spruch „Meine Kissen haben mich als Rudeltier akzeptiert, jetzt kann ich nicht einfach so gehen, sonst verliere ich ihr Vertrauen“ ist da meine Devise. Ich bin schon fast ein wenig stolz auf mich, wenn ich die Füße aus meinem Nachtlager herausbekomme und endlich in der Dusche stehe.

Früher war alles anders


Okay, okay, schon gut – ich gestehe: Ich bin ein Morgenmuffel. So, jetzt ist es raus! Mit allem, was dazugehört: Ich bekomme meine Augen nicht auf, schlafe nach den ersten Weckertönen wieder ein, bin schlecht gelaunt. Die erste halbe Stunde darf mich dann auch niemand ansprechen – sonst droht die Gefahr, dass meine Laune noch schlechter wird und sich über den ganzen Tag verteilt. Es ist auch schon passiert, dass ich beim Aufstehen gegen irgendwelche Sachen renne: Schränke, Stühle oder Türrahmen sind dann vor mir nicht sicher.

Früher sei ich nicht so gewesen, hat mir meine Mutter immer gesagt, als ich noch zu Hause gewohnt habe. Als ich noch klein war, war ich anscheinend schon vor dem Aufstehen wach. Und habe frühmorgens meine Eltern auf Trab gehalten. Vor allem meine Mutter, die selbst „ein wenig länger“ in der Früh braucht, wie sie selber sagt.

Was sie sich immer gedacht und mir auch später in der Pubertät, als das Morgenmuffel-Dasein anscheinend besonders schlimm war, gesagt hat: „Ich wünsche dir mal so ein Kind wie du eins warst.“ Ich hoffe jedoch innigst, dass sich das niemals bewahrheitet.

Ungleiche Schwestern


Meine älteren beiden Schwestern sind das genaue Gegenteil: Die zwei sind sofort hellwach, reden gleich drauf los – und ich saß immer schweigend daneben. Ein kleiner Trost: Wenigstens meine kleine Schwester ist da so wie ich. Wir zwei wissen wenigstens, wie wir frühmorgens miteinander umzugehen haben.

Ich stolpere von der Winterträgheit in die Frühjahrsmüdigkeit weiter in die Sommerhitze-Erschöpfung bis hinein in die Herbstermüdung weiter in die Winterträgheit … Kurz gesagt: Ich bin eigentlich immer müde. Ich kann auch nicht verstehen, wieso sich kleine Kinder immer weigern, abends ins Bett zu gehen. Ich freue mich immer riesig, wenn ich mich in meine Decke kuscheln, die Augen schließen und ins Reich der Träume abtauchen kann. Zum Einschlafen brauche ich weder Schäfchen zählen noch irgendwelche Wundermittelchen – Augen zu und schon bin ich weg.

Meinen absoluten Respekt verdienen die vielen Schichtarbeiter, Zeitungsausträger, Bäcker, Krankenschwestern, Polizisten, Pfleger, Postboten, Metzger, Putzfrauen, Marktbudenbetreiber, Gärtner, Feuerwehrmänner, Ärzte, Maurer, Lehrer, Bauern, Hausmeister, Kaminkehrer, Pfarrer, Arzthelferinnen, … Die Liste könnte ewig so weitergehen – aber, huch, schon so spät!? Ich gehe mal lieber ins Bett, damit ich morgen auch ja wirklich wach und ausgeschlafen bin. Gute Nacht!

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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