Mehr Bewegung durch Fitnessarmbänder
Virtueller Tritt in den Hintern

Heute schon genug bewegt? Das Band am Handgelenk zählt mit und gibt das Kommando "Step", wenn das Pensum noch nicht erfüllt ist. Bild: Schönberger

Das Band am Handgelenk zählt mit, Schritt für Schritt. Den Weg vom Auto ins Büro, den Spaziergang in der Mittagspause und das Gehetze durch den Supermarkt. Immer mehr Menschen kontrollieren ihren Tagesablauf mit einem Aktivtracker.

Je nach Ausstattung kosten die Bänder zwischen 60 und 200 Euro. Namhafte Hersteller wie Garmin, Polar, Tomtom, Jawbone oder Fitbit buhlen um die Gunst der Kunden. Auch optisch ist fast alles möglich. Manchen Firmen werben mit dezenter Optik in Schwarz oder Silber, andere bieten Knallfarben wie Pink, Blau oder Mintgrün an.

"Das ist ein hippes Thema", bestätigt Wolfgang Völkl vom Injoy Weiden. In seinem Bekanntenkreis hätten sich viele ein Band zugelegt. Der Minicomputer zählt nicht nur Schritte, sondern errechnet den Kalorienverbrauch und erstellt ein Schlafprotokoll. "Vor allem die Technikbegeisterten haben sich das gekauft", erzählt der Fitnesstrainer. "Ich selbst habe es auch ausprobiert, aber nach acht Wochen wieder weggelegt", gibt er zu. "Dann kennt man seine Werte und weiß, wieviel man sich bewegt oder nicht."

Runter von der Couch


Völkl kann sich aber durchaus vorstellen, dass der Aktivtracker weniger sportliche Menschen von der Couch bringt und zu mehr Bewegung motiviert. Schade findet er, dass nur die Schritte gezählt werden. "Vielleicht wäre es besser, wenn das Band auffordern könnte, schneller zu gehen", schmunzelt er. Ambitionierteren empfiehlt er, sich gleich ein modernes Herzfrequenzmessgerät mit Pulsmessung zu kaufen. "Auch das gibt es mittlerweile zu akzeptablen Preisen."

Dieser Meinung schließt sich Matthias Spickenreuther von der AOK Weiden an. "Wir erleben derzeit einen Riesenhype um die Digitalisierung. Natürlich ist es unser Anliegen, die Leute zu mehr Bewegung zu animieren. Und wenn sie dies mit Hilfe eines Fitnesstrackers schaffen, warum nicht." Nicht jeder muss zum Marathonläufer werden, um sich fit zu halten. "Doch es geht darum, immer ein Ziel vor Augen zu haben", weiß der Sportwissenschaftler. Viele hätten verlernt, auf ihren Körper zu hören. Deshalb sei es auch beim Sport wichtig, sich selbst einschätzen zu können. "Ich trainiere auch gelegentlich mit einer Pulsuhr", erzählt der begeisterte Läufer.

Martin Wagner, Verkäufer bei Sport Fehr, macht als Hauptzielgruppe Menschen zwischen 20 und 40 Jahren aus. "Es kaufen auch Ältere diese Bänder, aber ein bisschen Computerverständnis muss man schon haben, wenn man diese Technik nutzen möchte." Der PC zu Hause, der nötig ist, um die Daten zu überspielen, sollte mit neueren Betriebssystemen ausgestattet sein. "TomTom empfiehlt mindestens Windows XP, Vista und alles, was danach kommt", erklärt er. Wagner sieht die Bänder als gute Motivationstrainer. "Am besten geeignet für Menschen, die sich zum Sport zwingen müssen."

Schritte beim Sightseeing


Dies trifft auf Gabi Lang aus Weiden zwar nicht zu, denn Sport gehört für sie zum Alltag, dennoch findet sie die Bänder gut. "Man schaut schon drauf und freut sich, wenn das Display ,Goal' anzeigt", sagt sie. Am Crosstrainer würde der Aktivtracker funktionieren, beim Spinning dagegen nicht. "Ich trage das Band nicht ständig." Interessant sei es im Urlaub bei einer USA-Rundreise gewesen. "Es ist schon erstaunlich, wie viel man in New York oder in einem Freizeitpark herumläuft."

"Natürlich ist man am Anfang sehr motiviert", sagt Tobias Weiß aus Schirmitz. Der Mediziner bekam das Band zu Weihnachten geschenkt. Für ihn macht die Aufzeichnung aber nur mit einem Herzfrequenzmesser Sinn. "Schritte alleine haben zu wenig Aussagekraft", ist er sich sicher. Viele Jogger würden zu schnell laufen. "Das lässt sich nur über den Puls kontrollieren." Generell empfiehlt er, in den Alltag mehr Bewegung einzubauen. "Das Auto weiter weg parken oder zu Fuß zum Bäcker gehen."

Das ist ein hippes Thema.Fitnesstrainer Wolfgang Völkl


Angemerkt von Michaela Lowak: Ohne Sport geht's nicht


Wieviele Schritte am Tag muss ein Mensch machen, um nicht als Sesselpupser abgestempelt zu werden? Ärzte und Krankenkassen gaben vor ein paar Jahren 10.000 Schritte als Richtwert vor. Ist das im Büroalltag ohne Sport zu schaffen?

Ich teste dies mit einer App, die ebenfalls verspricht, Schritte zu zählen. Nach Eingabe von Alter, Gewicht und Größe gibt mir das Programm 7500 Schritte vor. Die erste Bilanz nach einem etwas faulen Sonntag ist ernüchternd. Trotz Spaziergang nach dem Essen erreiche ich das Pensum nicht. Nur knapp 5000 Schritte – zu wenig! Wenigstens registriert die App meine mehrmaligen Sprints zur Waschmaschine in den Keller.

Der Montag versöhnt mich ein bisschen. Meine Arbeitszeit verbringe ich zwar größtenteils sitzend am Schreibtisch, doch ein 50-minütiger Stadtbummel im Anschluss bringt mir fast 5000 Schritte. Kein Wunder, dass die Kandidatinnen bei „Shopping Queen“ nach vier Stunden oft erledigt sind. Die restlichen 1000 Schritte, die ich an diesem Tag noch mache, läppern sich zusammen. Laut App habe ich heute 3,3 Kilometer zurückgelegt. Dennoch: Ziel wieder verfehlt.
Tag 3: Endlich Zeit für Sport! Eine Stunde Nordic Walking stellt auch mein Handy zufrieden. 6000 Schritte bringen mich meiner Bilanz schon sehr nahe.

Als ich die App am Abend deaktiviere, bin ich froh, das Tagesziel von 7500 Schritten etwas überschritten zu haben. Mein Fazit: Postboten oder Kellnerinnen beim Oktoberfest brauchen sich keine Gedanken über Bewegungsmangel zu machen. Alle anderen sollten sich einen großen Hund anschaffen oder täglich Sport treiben.
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