Resumee des Festsonntags in Weiden
Bürgerfest: Weniger ist mehr

Superlative beschwört das Bürgerfest angesichts der Besucherzahlen nicht herauf. Dafür gibt es Gründe. Doch die Geschichten abseits der harten Zahlen bringen den Charme auf die Partymeile.

25 000 Besucher wie zu Hochzeiten hat das Bürgerfest nicht erreicht. Etwa 18 000 waren es dieses Jahr, schätzt Organisatorin Gertrud Wittmann. Den Grund für das niedrigere Besucheraufkommen sieht sie im Fußballspiel. Das habe viele Gäste weggezogen. Die Idee der Stadt, nur 50-Zoll-Bildschirme aufzustellen, wertete sie als "Fehler". Beim nächsten Mal, wenn Deutschland spielt, werde sie beim Oberbürgermeister wieder eine Großbildleinwand beantragen. Auch Kurt Seggewiß schaute das Spiel daheim, kam nach Abpfiff aber gleich wieder aufs Fest. Und feierte bis 1 Uhr morgens.

Nach dem Spiel wieder voll


So wie Seggewiß handelten viele. "Nach dem Spiel sind die Leute wieder in die Stadt geströmt", beobachtete Wittmann. Die Wirte und Gastronomen merkten das am Umsatz. Dazu kam, dass die Feier am Samstag wegen des Unwetters frühzeitig abbrach. Die Gambrinus-Brauerei schenkte immerhin 16 Hektoliter aus. Auch das Weingut Ochs aus der österreichischen Partnerstadt Weiden am See ist zufrieden.

BRK und Polizei hatten friedliche Schichten. Die Pfadfinder kamen mit der Produktion ihrer Kartoffelspiralen nicht hinterher. Bei Greenpeace konnte man sein Handy mit Solarstrom aufladen. Am Vesten Haus informierte die Initiative "Rettet St. Sebastian". Pfarrer Egid Mühlbauer sammelte mit seinen Mitstreitern Geld für die aufwendige Kirchensanierung. Obwohl noch sehr viel fehlt, ist der Geistliche optimistisch, dass der Umbau kommendes Jahr beginnen kann: "Die Bürger der ganzen Stadt stehen hinter dem Projekt."

Der Schiffsmodellbauclub Weiden baute zum 20. Mal sein Wasserbecken auf, in dem Kinder funkferngesteuerte Modellboote fahren lassen konnten. "Die Technik hat sich seit 1996 gewaltig gewandelt. Früher hielt der Akku eine Stunde, heute schon vier bis fünf", erzählt Vorsitzender Jürgen Behrendt. Im Laufe der 20 Jahre hat er einiges beobachtet: "Mädchen sind ihren gleichaltrigen männlichen Altersgenossen um einiges überlegen. Sie verstehen viel schneller die Bedienung der Geräte und können das Wissen besser umsetzen." Die Kinder seien meist hellauf begeistert von Barkassen und Frachtern. "Einmal hat sich ein Kind vor Aufregung in die Hosen gemacht", erzählt er lächelnd. Dauerhaft sei es jedoch schwer, die Jugendlichen für das Hobby zu begeistern. "Alles, was länger als das Herunterladen einer App braucht, dauert ihnen zu lang." Die Eltern verlören das Interesse, wenn sie erfahren, dass das Bauen der Boote viel Geduld braucht. Auch der Modellbauclub bemerkte die sinkende Besucherzahl. Hätten in manchen Jahren bis zu 450 Kinder Kapitän gespielt, waren es heuer 200.

Nicht alles verkauft


Der Flohmarkt der Diakonie brachte nicht alle Stücke los. Dafür hatten die Verkäufer, die aus Arbeits- und Integrationsmaßnahmen kommen, eine richtig gute Zeit. "Sie haben vorher schon besonders skurrile und antiquarische Stücke gesammelt für unser Stammpublikum", erzählt Markus Friedrich von der Arbeitsförderung der Diakonie. Doch die Mitarbeiter bemerkten, dass wenige Amerikaner kamen, die besonders auf die klassischen bayerischen Souvenirs aus sind. "Dieses Jahr mussten wir einige Maßkrüge wieder mit nach Hause nehmen." (Hintergrund, Angemerkt)
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