Schlaffi wächst über sich hinaus
Stephan Thesing stellt Programm für Eltern und Kinder auf die Beine

Schauspieler Christof Lappler ist unheimlich wandelbar und wechselt zwischen quirligen Fantasiewesen, besorgten Eltern und genervten Schülern. Bild: otj

Christof Lappler sitzt am viel zu hohen Tisch, auf einem Barhocker. Seine Beine reichen nicht einmal zum Boden. So müssen sich wohl Kinder in der Erwachsenenwelt fühlen. Und obwohl da ein Erwachsener liest, der Schauspieler schafft es mit seiner wandelbaren Stimme und Mimik, in alle Rollen zu schlüpfen - mal quatschig, mal trotzig, mal traurig, mal tiefsinnig.

Wie zum Beispiel in die des 13-jährige Davids aus dem Roman "35 Kilo Hoffnung" von Anna Gavalda. Der Junge hasst die Schule. Ihm wird schlecht, wenn er nur daran denkt, wieder hingehen zu müssen. Die Abneigung geht so weit, dass der offensichtlich intelligente Junge zweimal kleben geblieben ist und so weder die Erwartungen seiner Eltern noch der Lehrer erfüllen kann.

Der einzige Verbündete des Helden ist sein über alles geliebter Opa, der die praktische Begabung des Jungen erkennt und ihn fördert, anstatt immer nur zu fordern. Er ist es auch, der die Idee hat, David auf ein Internat zu schicken, das seine technischen Fähigkeiten anerkennt.

Als der Großvater ins Koma fällt, bricht für den Empfindsamen eine Welt zusammen. Trotzdem fährt er zum Test, um in der neuen Schule aufgenommen zu werden. Als er an den Aufgaben zu scheitern droht, hilft ihm die Stimme des Großvaters, die richtigen Lösungen zu finden.

Und deswegen geht David, obwohl er "ein Schlaffi" ist, über seine Grenzen. Er verspricht, dass er im Sportunterricht zum ersten Mal das Seil bis ganz nach oben klettern wird, wenn der Opa wieder aus dem Koma erwacht. Er hält Wort. Und Opa auch.

Drei Stücke in zwei Tagen - mit dem kleinen Theaterfestival hat der Organisator Stephan Thesing ein tolles Programm für Eltern und Kinder auf die Beine gestellt. Schauspieler Christof Lappler vom Nürnberger Theater Pfütze füllte die szenischen Lesungen in der Regionalbibliothek mit viel Leben, Herz und Humor.

Weißnichs Geschichte


Bereits am Nachmittag präsentierte das Theater Pfütze die gespielte Lesung aus dem Buch "Weißnich" von Joke van Leeuwen - ebenfalls mit Christof Lappler. Der Titelheld, ein kleines, ulkiges Wesen fällt auf das Bett eines Mädchens. Weißnich weiß weder, woher es kommt noch wie es heißt. Also machen sich die beiden auf die Suche nach Weißnichs Geschichte. Dabei stoßen sie auf ein riesiges Krokodil, auf einen einsamen Helden, erleben eine stürmische Geschichte und eine Comic-Story. Bis sie zum Schluss die Geschichte von Weißnich finden.

Den würdigen Abschluss eines rundum gelungenen Kleinen Theaterfestivals bildete die quirlig inszenierte Lesung des Buches "Das große Giggler-Geheimnis" von Roddy Doyle. Aber was ist ein Giggler? Das sind kleine haarige Wesen, die Erwachsene bestrafen, wenn sie unfair zu Kindern sind. Im Fall von Mr. Mack handelt es sich aber um ein Fehlurteil.

Nicht nur die Schüler der Clausnitzerschule und deren Eltern hatten ihren Spaß an der turbulenten Story. Auch Kinder aus der Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl waren von den Deutschen eingeladen worden mitzulachen und mitzumachen.

Kinder ernstnehmen


Ob "35 Kilo Hoffnung", "Weißnich" oder "Das große Gigglergeheimnis" - alle drei Geschichten sind ausgesprochen lustig, haben aber eine Botschaft: Nehmt Kinder und ihr Seelenleben ernst.
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