Schnitzkurs mit Irene Meier
Viele Schnitte bis zum Kunstwerk

Nach zehn Stunden Arbeit ist die Überraschung perfekt: Vier Könige, eine Sonne und vieles mehr präsentierten die Schnitzanfänger auf der Werkbank. Der Kurs im neuen Freizeitangebot von Oberpfalz-Medien entpuppte sich als Volltreffer: Die Teilnehmer erlebten ein Aktiv-Wochenende und freuten sich zum Abschluss über ihre selbst geschaffenen Kunstwerke aus Lindenholz. Bilder: Portner (9)
 
Die Konturen der Vorlage werden am Kantholz angezeichnet.
 
Ein echter Charakterkopf: Bernhard hat sich für markante Augenbrauen entschieden. Hier "schält" er aber erst vorsichtig die Nasenpartie ab.

"Was wollt ihr schnitzen?", fragt Kursleiterin Irene Meier. Sie sieht die Fragezeichen in den Gesichtern und gibt ein paar Tipps, was die Bretter und Holzklötze hergeben. Ihr Versprechen: Am nächsten Tag hat jeder ein Kunstwerk fertig. Doch ganz so einfach ist es nicht, bis sich die Holzspäne in kleinen Locken auf der Werkbank kringeln.

Sie lieben den Werkstoff Holz und möchten ihn bearbeiten? - Diese Anzeige fiel auf, denn der Untertitel machte neugierig: "Im Schnitzkurs für Anfänger können Sie ohne jegliche Vorkenntnisse das einfache Schnitzen kennenlernen." Seit Frühjahr 2016 organisiert Oberpfalz-Medien vielfältige Angebote zur Freizeitgestaltung. Ob kreativ, informativ oder kulinarisch - Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Gefühl fürs Messer


Im Herbst war Schnitzen angesagt: Drei Wochenendkurse bei einer Holzbildhauerin mit Rabatt für Abonnenten. Auch der letzte Kurs ist mit fünf Personen ausgebucht. "Mehr Teilnehmer das geht nicht gut", sagt die Leiterin zu Beginn. Eineinhalb Tage später wissen alle warum. "Ich bin die Irene. Wir duzen uns, ist das in Ordnung?" Die Anwesenden - ein Ehepaar, zwei Schwestern, ein Hobbybastler und eine Redakteurin - nicken. Auf der Fensterbank im Werkraum der Hans-Scholl-Realschule stehen die Anschauungsobjekte. Die Gruppe ist mutig: Vier Könige, ein Engel und eine Schale zum Einstieg. Die Tatsache, dass das Holzschnitzen eine uralte Handwerkskunst ist, die dem Künstler sehr viel Fingerspitzengefühl und Geschicklichkeit abverlangt, holt die Hobbybastler dann auch immer wieder ein.

Die Fachfrau hat mit der Säge zu Hause vorgearbeitet: Jeder Kursteilnehmer kann sich ein Stück Lindenholz aussuchen, welches bereits die eckigen Konturen des künftigen Kunstwerkes aufweist. Der erste Schritt: Das richtige Ansetzen des Messers, fest mit beiden Händen umfasst. Das Holzstück wird auf der Werkbank eingespannt, gearbeitet wird mit Körperkontakt zum Objekt. "Ihr sollt zunächst ein Gefühl für Messer und Holz kriegen", sagt Irene Meier. Also keine Details, sondern volle Konzentration auf die grobe Form.

Zum Einstieg erhält jeder vier verschiedene Schnitzmesser. "Vorsicht, die sind scharf", sagt Irene und gibt auch gleich einen Tipp: "Kein billiges Werkzeug kaufen." Die Kursleiterin ist in Tittling bei Passau geboren und schnitzte schon als Kind in der Werkstatt des Vaters kleine Reliefs und Figuren. Nach der Ausbildung zur Holzbildhauerin arbeitete sie im elterlichen Betrieb mit und war einige Jahre als Lohnschnitzerin tätig. Die Liebe zu einem Oberpfälzer führte sie schließlich 1988 nach Weiden. Die drei Söhne wuchsen heran und zehn Jahre später war wieder Zeit, sich der Schnitzerei zu widmen.

Mit dem Bleistift wird vorgezeichnet was weg muss. "Entgegen der Faser schnitzen, dann reißt das Holz nicht so leicht aus." Dieser Rat ist hilfreich. Doch bei den Rundungen der dreidimensionalen Skulptur ändert sich der Faserverlauf ständig - und schon sitzt die Klinge wieder falsch. Die Erkenntnis: Der richtige Schnitt ist gar nicht so einfach! "Die erste Zahl zeigt an, wie gebogen das Messer ist, die zweite beschreibt die Breite", sagt Irene. Geschickte und weniger geschickte Hände lernen in die Tiefe zu arbeiten (Hohleisen 11/10). Sie schnitzen flächig weg (Flacheisen 7/14) oder glätten (3/20) - jedes Messer hat seine bestimmte Funktion. Die Holzspäne schälen sich in kleinen Locken ab und kringeln sich auf der Werkbank. "Nicht zu tief", mahnt die Expertin, "weg ist weg". Also lieber doch wieder vorzeichnen.

Schmollmund


Marianne hat sich für eine Schale entschieden und arbeitet dabei nur in eine Tiefe. Sie hebt den Schwierigkeitsgrad und legt ein Gingko-Blatt auf, welches sie fein herausarbeitet. Auch bei den Holzköpfen, den Königen, geht es voran. Langsam entstehen in den eckigen Klötzen runde Konturen. Monika möchte eine Königin. Kein Problem: Nach der Gesichtschirurgie mit der Stichsäge ist der Ansatz für die Himmelfahrtsnase da. Elisabeth schnitzt eine tolle Schmollmund-Schnute und Thomas hat sich für langes Haupthaar entschieden. Bernhard überlegt noch, ob er den strengen Gesichtsausdruck lässt, oder das Messer erneut ansetzt. "Vorlage ja, aber frei nach eigenen Wünschen" - Mit diesem Motto sind alle glücklich. Am ersten Abend ist nach drei Stunden Schluss und klar: Kein Kunstwerk wird dem anderen gleichen.

Schnitzen und nicht graben oder schaufeln und dabei immer die Maserung beachten!Holzbildhauerin Irene Meier

Die gute Kante


Am Samstag stehen die Hobbykünstler wieder pünktlich an der Werkbank. Motiviert und voller Vorfreude auf das eigene Werkstück geht's an die Arbeit. "Zuerst die Grundform hinbekommen und sich dann der Figur nähern." Kursleiterin Irene Meier bremst zu viel Tatendrang und gibt wertvolle Tipps, wie man zum gewünschten Ergebnis kommt: "Schnitzen und nicht graben oder schaufeln und dabei immer die Maserung beachten!" Wer möchte darf an die Schleifmaschine. Denn auch das ist ein Grundproblem für Anfänger: Viele wollen unbedingt schnitzen, jedoch kein Werkzeug schärfen. Doch mit jedem Schnitt wird die Schneide stumpfer, man benötigt mehr Kraft und die Holzoberfläche wird unsauberer.

Irene Meier hält nach ihrer Familienpause wieder verstärkt Schnitzkurse, um mit anderen Menschen die Freude "mit und am Holz" zu teilen. Gelegentlich nimmt sie an Kunstausstellungen teil. "Die Augenbraue mit 7/14 schneiden, das gibt eine gute Kante", hilft sie weiter und drängt sich dabei nicht auf. Die Fachfrau ist aber immer zur Stelle, wenn jemand länger überlegt oder einfach unsicher ist, wie tief er in das Holz hineinarbeiten soll. "Die Figur hinstellen und immer wieder aus der Ferne anschauen", so der Rat. Mit dem Kerbmesser wird der Augapfel rund ausgearbeitet, der "Geißfuß" kommt beim Ziehen der Konturen zum Einsatz. Kleine Feinheiten geben den Ausschlag, damit das Gesicht den Schwung erhält. Dafür gibt sie heute den Lehrlingen das "Zaubermesser" an die Hand. Diese nutzen die Zeit bis zur letzten Minute aus und auch die gemeinsame Mittags- und Kaffeepause - Irene hat Kuchen mitgebracht - dreht sich um das neuentdeckte Hobby.

"Toll, wie ihr da so locker rangeht!" Die gelernte Holzbildhauerin ist sehr zufrieden mit den Teilnehmern. Am späten Samstagnachmittag hat jeder tatsächlich zwei Kunstwerke geschaffen. Auch die Hobbyschnitzer loben das Aktiv-Wochenende in angenehmer Atmosphäre. "Ohne den Neuen Tag hätten wir das alles nicht erlebt", sagt Monika und packt stolz ihre "Königin" ins Auto. Für viele wird es nicht beim ersten Kontakt mit dem Schnitzmesser bleiben.

Kurse 2017Ein neues Angebot: Ob kreativ, informativ oder kulinarisch - seit Frühjahr organisieren die Oberpfalz-Medien vielfältige Angebote zur Freizeitgestaltung. Die Kurse sind so abwechslungsreich, dass für jeden etwas dabei ist.

Auf der Themenseite "Kursangebot" wird im ONetz über Veranstaltungen, die bereits stattgefunden haben, berichtet. Und natürlich sind dort auch die neuen Termine zu finden. Ein kleiner Ausblick auf die Kurse 2017:

Frühjahr:

Selbstverteidigungskurs für Frauen; Kochkurse im "Haus des Wohnens"; Schafkopfkurs, Lifebalance oder Mentaltraining

Sommer:

Tanzkurs, Grillkurs, Cocktails Shaken

Herbst/Winter:

Schutz vor Einbruch, Schnitzkurs, Hypnose/Achtsamkeit

Weitere Informationen im Internet unter www.onetz.de/kursangebot
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