So viele B-Klassisten wie noch nie im Kreis Amberg/Weiden
„Rattenschwanz“ wehrt sich

"Wir sind der Rattenschwanz des demografischen Wandels. Aber es geht wieder nach oben. Das ist der Trend." Zitat: Kreisspielleiter Albert Kellner

Demografischer Wandel, Internet, zu wenig Zeit. Vor allem in den untersten Fußballklassen gibt es immer weniger Kicker. Spielgemeinschaften sollen helfen. Wie sieht es im Kreis Amberg/Weiden aus? Kreisspielleiter Albert Kellner ist durchaus optimistisch.

Freitagabend, das Wochenende beginnt. Für die meisten Menschen sind das Tage der Erholung, des Stressabbaus. Für Fußballtrainer kann diese Zeit aber mitunter ermüdend und besonders stressig werden. Bis kurz vor Anpfiff schreiben die Trainer Nachrichten, telefonieren ihre Spielerliste ab. Sie suchen elf Mann für das Spiel. Vor allem in den untersten Ligen ist das keine Seltenheit. Spielermangel spukt wie ein Gespenst über die Plätze der Fußballvereine. Vor allem Reservemannschaften sind betroffen. Kriegen die Trainer keine Elf zusammen, heißt das: Spiel absagen. Damit das nicht zu oft passiert und Vereine weiter Mannschaften stellen können, schließen sie sich zu Spielgemeinschaften zusammen.

Die Kicker des TSV Waidhaus und des SV Pfrentsch haben das jetzt gemacht. Das Gemeindederby gibt es damit nicht mehr. Dafür können sowohl die Fußballer des TSV Waidhaus als auch die des SV Pfrentsch weiter im Ort spielen. "Beide Vereine gehören zu einer Gemeinde. Da wird es immer das Problem geben, 70 Spieler für 4 Mannschaften zu finden", sagt Albert Kellner, Kreisspielleiter im Kreis Amberg/Weiden. Der Abstieg des SV Pfrentsch hat die Zusammenarbeit beschleunigt, mutmaßt Kellner: "Jetzt begegnet man sich auf Augenhöhe. Beide haben eingesehen, dass eine Spielgemeinschaft sinnvoll ist."

Insgesamt sind für die nächste Saison zwölf Spielgemeinschaften für den Spielbetrieb gemeldet, teilt Kellner mit. Davon stellen Waidhaus/Pfrentsch und Illschwang/Schwend vier, jeweils "Erste" und "Zweite". Kreisklassist Illschwang/Schwend ist eine Ausnahme, so Albert Kellner. "Die haben alle ihren Pass in Illschwang. Man will aber den Vereinsnamen Schwend erhalten." Neben der SG Waidhaus/Pfrentsch sind in der A-Klasse zwei weitere Spielgemeinschaften vertreten: Die SG Ehenfeld/Hirschau II und die SG Etzenricht II/Luhe-Wildenau II.

TSV Neudorf wieder allein


Für die Reserven der Etzenrichter und Luhe-Wildenauer ist ein Zusammenschluss mit anderen Mannschaften nichts Neues. In der letzten Saison spielten beide mit anderen Partnern. Der SC Luhe-Wildenau II kickte mit dem TSV Neudorf. Die Neudorfer werden laut Kreisspielleiter in der kommenden Spielzeit wieder allein am Spielbetrieb teilnehmen. Der SV Etzenricht II spielte vergangene Saison zusammen mit der TSG Weiherhammer II. Die TSG werde nächste Saison keine zweite Mannschaft stellen, berichtet Albert Kellner.

Auch in der B-Klasse gibt es Veränderungen. Zum einen laufen auch die Zweitvertretungen aus Waidhaus und Pfrentsch zusammen auf. Zum anderen hat sich laut Kellner die DJK Letzau mit der DJK Leuchtenberg zusammengetan. Die Leuchtenberger spielten letztes Jahr gemeinsam mit dem FC Roggenstein. Der FC möchte es kommende Saison alleine versuchen. "Aber das ist noch nicht offiziell. Das entscheidet sich erst in der nächsten Ausschusssitzung", weiß Kellner.

Eine Tendenz zu mehr Zusammenschlüssen sieht der Kreisspielleiter nicht, obwohl man sich am "Rattenschwanz des demografischen Wandels" befindet. "In den unteren Klassen ist das gang und gäbe. Das war früher auch schon so." Laut dem Kreisspielleiter werden es wieder mehr Spieler: "Von unten kommen wieder mehr Kinder." Die SpVgg Pirk und der TSV Krummennaab hätten für die neue Runde sogar wieder eine zweite Mannschaft gemeldet. Die SpVgg Vohenstrauß sei zwar mit drei Mannschaften immer noch die große Ausnahme im Kreis, aber laut Kellner dachte auch die DJK Neustadt über eine dritte Mannschaft nach. Man werde die weitere Tendenz beobachten.

Die größten Probleme haben gemäß Kellner die kleineren Vereine wie Letzau oder Leuchtenberg: "Da gibt es einfach zu wenig Nachwuchs." Die größeren Vereine könnten sich dagegen nicht beklagen, weil wieder mehr Kinder Fußball spielten. Albert Kellner bleibt ruhig: "Das, was wir jetzt haben, wird Bestand haben." Der Vilsecker blickt positiv in die Zukunft: "Es geht wieder nach oben. Das ist der Trend." Sollte der FC Roggenstein mitmachen, wären 55 Mannschaften in der B-Klasse gemeldet. So viele wie noch nie.

Kein "Norweger-Modell"


In Oberfranken versuchen derweil drei Kreisspielleiter den Spielabsagen wegen Personalmangel mit einer kleinen Fußball-Revolution entgegenzuwirken, dem "Norweger-Modell". Dabei kicken dann 7 gegen 7 auf Kleinfeld statt 11 gegen 11 auf Großfeld. Das kommt immer darauf an, mit wie vielen Spielern eine Mannschaft antritt - hat sie nur sieben, muss auch das gegnerische Team mit sieben Mann auflaufen. Im Kreis Amberg/Weiden ist das kein Thema. "Nein", sagt Albert Kellner. Auf einer Spielgruppentagung sei es mal angerissen worden, aber die Vereine schmetterten die Idee sofort ab. "Ich bin der Letzte, der den Vereinen etwas aufzwingen will."

Wir sind der Rattenschwanz des demografischen Wandels. Aber es geht wieder nach oben. Das ist der Trend.Kreisspielleiter Albert Kellner
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