Umfrage in Reisebüros zeigt: Terror dämpft in Region die Lust auf Reisen in islamische Länder
Dicht, dichter, Mallorca

Rappelvoll wird es auch in dieser Saison an den Stränden Mallorcas. Schon jetzt sind kaum mehr Flüge von München oder Nürnberg auf die Balearen-Insel zu ergattern. Dabei kostet ein Urlaub dort aktuell richtig viel Geld. Dafür ist er sicher, hoffen die Menschen aus der Region - und buchen. Bild: dpa
 
Spanien ist das Ausweichziel Nummer eins. Das lässt sich das Land aber auch in barer Münze bezahlen.

In vielen Reisebüros der Stadt geht es für diese Jahreszeit viel zu ruhig zu. Trotzdem müssen die Kunden feststellen: Wenn sie mit ihren Urlaubswünschen aufschlagen, ist längst nicht mehr alles möglich. Mallorca etwa ist so gut wie dicht. Und das, obwohl Ferien auf den Balearen aktuell alles andere als ein Schnäppchen sind.

Der Kunde, der gerade im Thomas-Cook-Reisebüro an der Wörthstraße 8 Platz genommen hat, will im Juli verreisen. Wohin darf's denn gehen, fragt Büroleiterin Lena Prem. Hauptsache Sonne, Strand und Meer, lautet - wie so oft - die Antwort. Ganz so einfach ist es in dieser Saison aber oft nicht.

"Es geht viel zu ruhig zu für diese Jahreszeit", sagt die Reiseverkehrskauffrau von Thomas Cook. Die unklare Sicherheitslage in vielen Ländern bremse die Reiselust der Oberpfälzer. Diejenigen, die sich trauen, würden angesichts der hohen Preise erschrecken. Aber die Kunden kommen so langsam, ist sich Gerlinde Bauer vom Reisebüro Mädl sicher: "Das verzögert sich nur etwas." Prem dagegen tippt auf eine längere Durststrecke bei den Reisebüros. "Ich denke, das wird ein Last-Minute-Jahr." Ganz anders stellt sich die Lage im Nix-wie-weg-Reisebüro dar. "Wir könnten noch zwei Leute dort reinsetzen", sagt Marion Stoll, so groß sei der Andrang. Doch zurück zur Kundschaft im Thomas-Cook-Reisebüro.

Prem unterbreitet dem Mann Reisevorschläge: Wie wär's mit einem Badeurlaub in Ägypten? Lieber nicht, winkt der Kunde ab. Die Türkei biete hübsche Alternativen, meint Prem. Doch der Mann wird blass. Er scheint sich an den Anschlag in Ankara zu erinnern. Und wie steht's mit Tunesien, will die Reiseverkehrskauffrau wissen - und erntet ein vehementes Kopfschütteln. Also weiß Prem, der Kunde will das, was derzeit fast alle wollen: "Bloß in kein islamisches Land." Doch dann wird's teuer.

Kanaren? "Schweineteuer!"


"Spanien ist der Renner diese Saison, aber sehr preisintensiv", weiß Prem. Kollegin Marion Stoll, Büroleiterin des Parksteiner Reiseanbieters Nix-wie-weg.de, pflichtet bei: "Spanien ist das Ausweichziel Nummer eins. Das lässt sich das Land aber auch in barer Münze bezahlen." Billig seien die Balearen ja noch nie gewesen. So koste etwa eine Woche auf Mallorca für eine vierköpfige Familie in den Sommerferien mit Flug ab Nürnberg oder München, All inclusive, im Familienzimmer eines Mittelklassehotels, mit ansprechender Weiterempfehlungsrate stolze 4500 Euro.

Das schreckt viele. Doch wie sieht die Alternative aus? Baden auf den Kanaren? "Oh nein", sagt Stoll, "die Kanaren sind schweineteuer." "Dafür geht in Italien viel. In Kroatien auch. Beides mit Selbstanreise", nennt Prem Alternativen. Aber auch hier hätten im Vergleich zum Vorjahr die Preise angezogen. Marion Stoll von Nix-wie-weg.de vergleicht: "Für das gleiche Angebot auf Mallorca zahlen Familien in der Türkei zwischen 2200 und 2500 Euro." 2000 Euro billiger also. Sticht das Preisargument bei den Kunden? "Bei uns jedenfalls ist die Nachfrage nach Urlaub in der Türkei, in Ägypten und Tunesien nicht so stark eingebrochen wie nach den Anschlägen befürchtet."

Lena Prem von Thomas Cook hat da andere Erfahrungen gemacht: "Tunesien ist mittlerweile tot", sagt die Reiseverkehrskauffrau. Ägypten und die Türkei würden wegen der instabilen Sicherheitslage zunehmend unbeliebt. Als Ziele für mutige Schnäppchenjäger taugen diese Reiseziele dennoch nicht: "Recht viel billiger ist's nicht geworden", weiß Prem. Gertraud Bauer vom Reisebüro Mädl im Stadtmühlweg aber merkt an, einige Veranstalter würden durchaus mit Sonderpreisen locken. Da könne man durchaus zuschlagen: "Denn sobald es eine Reisewarnung gibt, kann ja kostenlos umgebucht werden." Oder es geht gleich auf eine griechische Insel: "Die sind wieder mehr gefragt", sagt Bauer. Von wegen, meint Stoll.

Verlierer Griechenland


Als eigentlichen Verlierer dieser Saison hat die Teamleiterin von Nix-wie-weg.de nämlich Griechenland ausgemacht: "Das Land trifft es viel härter als die anderen." Einige markige Kommentare in Sachen Flüchtlinge seien ihr bei Buchungsvorgängen untergekommen. "Da sagt ein Kunde schon mal, er habe keine Lust, dass neben seiner Liege einer angespült wird."

Unsicher, unangenehm oder teuer: Bleibt da nur ein Urlaub auf Balkonien? Stoll widerspricht: Kuba sei als Fernreiseziel der Renner, Karibik-Routen mit dem Schiff seien sehr beliebt. Sie persönlich schwört auf Erholung in Portugal. Der Trend ginge aber hin zu Kurztrips. "Es ist für viele leichter 500 Euro für eine Reise nach Barcelona, Rom, Malta oder Budapest zur Seite zu legen als 2500 Euro für einen Sommerurlaub."
Spanien ist das Ausweichziel Nummer eins. Das lässt sich das Land aber auch in barer Münze bezahlen.Marion Stoll, Teamleiterin bei Nix-wie-weg.de - in Palma
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