Wie Vater Norbert und Tochter Lea das Begleitete Fahren erleben
17 ist das neue 18

Wer bekommt den Autoschlüssel? Als Tochter Lea mit 17 Jahren den Führerschein in der Tasche hatte, nahm Papa Norbert auf dem Beifahrersitz Platz. (Foto: noe)
(noe)

Endlich 17! Endlich Autofahren! Zumindest mit Begleitung: Junge Menschen haben seit fünf Jahren die Möglichkeit, ihren Führerschein bereits ein Jahr vor ihrer Volljährigkeit in den Händen zu halten. Was das wohl bedeutet? Papa Norbert und seine Tochter Lea haben das schon hinter sich. Hier beschreiben sie ihre Erfahrungen mit dem „Begleiteten Fahren ab 17“ (BF17):

„Tochter, ich begleite dich“

Ein Lernprozess für Papa Norbert

Ach ja, das waren noch Zeiten – als man ganz selbstverständlich hinter dem Steuer Platz genommen und als Herr über Geschwindigkeit und Streckenverlauf die gesamte Familie herumkutschiert hat. Bis, ja bis es vor fünf Jahren möglich gemacht worden ist – das Begleitete Fahren. Spätestens dann stellt man fest: Das kleine Kind ist gar nicht mehr so klein. Sondern 17 Jahre alt und hat gerade seinen Führerschein bestanden. Glückwunsch! Ab jetzt gilt das Begleitete Fahren für die Tochter und das begleitete Beifahren für den Vater. Ein Lernprozess. Für beide.

Lassen Sie uns über Egoismus sprechen. Als leidenschaftlicher Autofahrer fällt es einem natürlich schwer, am Beifahrersitz Platz zu nehmen. Ende. Das war’s schon mit dem Egoismus. Denn immerhin geht es hier um nicht weniger als die ersten Erfahrungen der Tochter mit dem Autofahren. Ganz ohne Fahrlehrer. Ganz in alleiniger Verantwortung. Das macht stolz. Und man darf hautnah dabei sein. Ja, darf. So kann man es nämlich auch sehen.

Jaja. Sie haben ja Recht. Es gab und gibt Fahrten, die sind so klischeehaft wie wahr: „Du fährst zu weit rechts.“ – „Gar nicht.“ – „Doch.“ – „Ich bin noch ewig weit weg.“ – „Gleich quietscht der Reifen am Bordstein entlang.“ – „Ruhe, jetzt! Ich fahr!“ Ein Lernprozess. Wie gesagt. Für beide.

Nehmen wir die Nächte. Jetzt, da das begleitete Fahren nahtlos in einen regulären Führerschein übergegangen ist, liegt man nachts nicht voller Angst wach, wenn die Tochter mit dem Auto noch nicht zu Hause ist. Man weiß, sie fährt vorsichtig, umsichtig, man war ja selbst dabei und konnte es beobachten. Und ganz ehrlich: Eigentlich ist sie auch nie wirklich zu nahe an den Bordstein herangekommen.

„Papa, fährst du mit?“

Beifahrer gibt Tochter Lea Sicherheit

Mit 17 hat man noch Träume.“ Wer hat das eigentlich gesungen? Egal. Mit 17 hat man bestimmt noch Träume. Den Traum vom Führerschein allerdings nicht, denn den hatte ich mit 17 Jahren in der Tasche. Das bedeutet zwar Autofahren auf Probe mit einem Begleiter – aber hey, Hauptsache: Autofahren!

Wenn man so mit seinem Fahrlehrer unterwegs ist, hat man irgendwie ein grenzenloses Vertrauen und Sicherheitsgefühl. Nach dem Motto: „Der ist Fahrlehrer, der hat das gelernt, der weiß, was er tut – wenn er sagt, ich soll auf die Autobahn fahren und Gas geben, dann mach ich das.“

Das anfängliche Autofahren ist einfach etwas Aufregendes. Vor allem, wenn man sich noch unsicher ist, kreist im Kopf immer dieser Gedanke: „Ich fahre wirklich dieses Auto, unglaublich!“ Sogar nach dem Tag X, wenn der Prüfer sagt: „Sie haben bestanden. Herzlichen Glückwunsch!“, bleibt von diesem Gedanken noch etwas übrig.

Und dann ist es gut, wenn für eine gewisse Zeit noch jemand daneben sitzt, jemand, dem man ebenfalls vertrauen kann. Es ist gut, wenn man nach bestandener Fahrprüfung nicht von jetzt auf gleich ganz alleine im Auto sitzt. Gut zu wissen, jemanden im wahrsten Sinne des Wortes an seiner Seite zu haben.
Mutter, Vater oder Oma – sie geben Sicherheit und Selbstvertrauen. Ein Selbstvertrauen, das sich auch dann noch zeigt, wenn das begleitete Fahren zu Ende geht und man dann alleine mit dem Auto unterwegs ist.

Mit 17 zu jung fürs Autofahren? Definitiv nicht. Es gibt genügend Autofahrer, die jenseits der 17 und trotzdem alles andere als geistig reif sind, um ein Auto zu fahren.

Mehr Sicherheit durch mehr Erfahrung

Begleitetes Fahren lohnt sich: Entspannter und sicherer Start in die Fahrpraxis

Wer sich als Jugendlicher für das Begleitete Fahren ab 17 (BF17) entscheidet, ist früher dran als andere und sammelt wichtige Erfahrung, bevor es alleinverantwortlich auf die Straße geht. „Für Fahranfänger ist das Autofahren mit den Eltern oder anderen eingetragenen Begleitpersonen ein entspannter und sicherer Start in die Fahrpraxis“, sagt Hendrik Pistor, Experte für junge Fahrer beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Verkehrszeichen und Ampeln beachten, Abstand halten, anderen Verkehrsteilnehmern rücksichtsvoll begegnen, auf die Fahrbahn konzentrieren – das sind ziemlich viele Herausforderungen auf einmal. Umso besser, wenn noch eine erfahrene Begleitung im Auto sitzt und mit der eigenen Routine unterstützt.

Denn Statistiken zeigen: Fahranfänger haben das höchste Unfallrisiko. Etwa jeder fünfte Unfall mit Personenschaden, bei dem eine Pkw-Fahrerin oder ein Pkw-Fahrer hauptverantwortlich war, wird von einer Person zwischen 18 und 24 Jahren verursacht. Mehr Erfahrung am Steuer bedeutet mehr Sicherheit: Jugendliche, die beim BF17 mitgemacht haben, verursachen später rund 20 Prozent weniger Unfälle als diejenigen, die darauf verzichtet haben.

Alles Wissenswerte zum Thema sowie Tipps für die Nachwuchsfahrer, für Eltern und andere Begleitpersonen gibt es auf der informativen Webseite www.bf17.de. Sie ist ein gemeinsames Angebot des DVR und der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.
Nicht nur beim Sport bringt Training viel, sondern auch gutes Autofahren will geübt sein. Wer beim BF17 mitmacht, sammelt bereits einen großen Erfahrungsschatz bevor es mit 18 Jahren alleine auf die Straße geht. Die Jugendlichen verbessern ihr Können in vielen verschiedenen Situationen – von der Fahrt im Schnee bis zum Starkregen auf der Autobahn.

Um die Begleitzeit möglichst lange ausschöpfen zu können, sollte man sich rechtzeitig in der Fahrschule anmelden. Idealerweise beginnen Interessierte so früh wie möglich, mit sechzehneinhalb Jahren. So hat man neben Schule oder Ausbildung genug Zeit für die Fahrstunden und die Prüfungsvorbereitung.

Wer die theoretische und die praktische Prüfung bis zum 17. Geburtstag ablegt, kann ein ganzes Jahr begleitet fahren – so oft es geht. Für alle Nachwuchsfahrer gilt im Übrigen: kein Alkohol vor oder während der Fahrt. Erst mit 21 Jahren und nach der zweijährigen Probezeit gilt die ansonsten übliche 0,5-Promille-Grenze.

Weitere Informationen:
www.bf17.de
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