100. Todestag Max Reger
„Der letzte Riese in der Musik“

In Bernhard Buttmann hat man einen idealen Interpreten gefunden, der die Werke Regers wie kaum ein anderer kennt und spielt. Bild: hfz
 

Am 11. Mai 1916 starb er in einem Leipziger Hotelzimmer einen traurigen Erschöpfungstod. 43 Jahre alt war Max Reger geworden. Über Jahrzehnte hinweg hatte der Komponist, der aus der Oberpfalz stammt, unzählige Konzerte gegeben, in 25 Jahren ein Werkverzeichnis von 146 Stücken verfasst und intensiv unterrichtet.

Paul Hindemith meinte einmal über ihn: "Max Reger war der letzte Riese in der Musik. Ich bin ohne ihn gar nicht zu denken." Pünktlich zum 100. Todestag gibt es nun vier Boxen mit insgesamt 16 CDs (OehmsClassics in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk), die der Nürnberger Organist Bernhard Buttmann eingespielt hat. Er ist seit 2002 Hauptkantor an St. Sebald und ein Kenner von Regers Orgelwerken.

Das Gesamtwerk hat er an unterschiedlichen Orgeln in ganz Deutschland interpretiert, unter anderem in der Weidener Kirche St. Michael. In einem Interview mit der Kulturredaktion anlässlich der ersten CD-Box sagt Buttmann: "An so ein Gesamtprojekt kann man nur herangehen mit einem disziplinierten Übungsplan."

"Und Gott sah, dass es gut war", so heißt es in der Bibel im Blick auf die Schöpfung. Wie lautet Ihr Urteil nach drei Jahren Reger-Orgelwerk-Gesamteinspielung?

Bernhard Buttmann: Die Aufnahmen zogen sich über fast vier Jahre hin - von Januar 2012 bis Oktober 2015). Ich bin froh und dankbar, dass das ambitionierte Projekt in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum zu einem guten Abschluss gelangte. Eine Beurteilung der künstlerischen Seite bleibt dem geneigten Hörer überlassen.

16 CDs haben Sie an unterschiedlichen Orten und Orgeln eingespielt - haben Sie dabei Ihr "Lieblings-Instrument" entdeckt, also eine Orgel, die wie geschaffen für Reger-Werke ist?

Ich habe die Auswahl der Instrumente sehr bewusst getroffen, weshalb es da eine ganze Reihe an "Lieblingsorgeln" gab. Die Orgeln der Firma Sauer haben schon ein gewisses Suchtpotenzial.

In Weiden gibt es seit 2007 eine neue Reger-Gedächtnis-Orgel, erbaut von der Firma Weimbs. Sie haben darauf gespielt. Hätte sich Reger so eine Orgel erträumt? Er saß ja von 1886 bis 1889 in der Michaelskirche noch an einer mechanischen 14-registrigen Orgel.

Das ist eine Suggestivfrage und jede Antwort wäre Spekulation. Fest steht, dass Reger auch in Fragen des Orgelbauses von einem zeittypischen Fortschrittsglauben beseelt war und von den Orgeln seiner Zeit begeistert war. Er hatte nachweislich keine Sehnsucht nach der Barockorgel, doch war er auch kein Hellseher in Sachen Orgelbau. Bemerkenswert ist, dass die damalige, sehr bescheidene Orgel von St. Michael ihn nicht in seinen kompositorischen Höhenflügen eingeschränkt hat.

Am 11. Mai jährt sich Regers 100. Todestag. Wie würden Sie sein musikalisches Erbe in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen (nicht nur im Blick auf seine Orgelwerke)?

Das musikalische Erbe Regers ist eine gewaltige kompositorische Hinterlassenschaft auf nahezu allen Gebieten der Musik. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieses Erbe umfassend gepflegt würde und Regers Musik ein selbstverständliches Heimatrecht in unserem Konzertleben bekäme. Selbst im Bereich der Orgelmusik ist Reger nur mit wenigen Werken im Repertoire vertreten. Doch auch die weniger oder nahezu unbekannt gebliebenen Werke gehören zu diesem Erbe.

Der Oberpfälzer Komponist betrieb bekanntlich extremen gesundheitlichen Raubbau (unzählige Konzerte und Konzertreisen, er verfasste ein Werkverzeichnis von 146 Stücken in 25 Jahren, alkoholische Exzesse) - liegt in diesem Raubbau der Grund seines Erfolges (zumindest nach seinem Tod)?

Regers exzessives Konzertieren war von dem Wunsch bestimmt, eine Aufführungstradition seiner Werke zu schaffen. Das mag ihm in gewisser Weise gelungen sein, vor allem waren seine öffentlichen Auftritte als Pianist und Dirigent der Verbreitung seiner Musik förderlich. Die Reger-Rezeption nach 1916 war wohl eher rückläufig, bedingt durch das Zeitgeschehen, aber auch durch die gänzlich anderen Idealen folgenden musikalischen Impulse der 20er Jahre.

Der Besuch der Bayreuther Festspiele als 15-Jähriger weckte den Wunsch in Max Reger: Ich möchte Musiker werden (gegen den Willen des Vaters). Denken Sie, dass von Festspielen wie in Bayreuth auch heute noch derartige Inspirationen ausgehen können?

Wenn ein genialer junger Mensch von der schöpferischen Potenz eines Max Regers im Publikum sitzt - warum nicht? Dass es derartige Schlüsselerlebnisse geben kann, ist durchaus vorstellbar.

Was kommt nach Reger? Haben Sie bereits Pläne, ein Gesamtwerk eines anderen großen Orgelvirtuosen einzuspielen? Was ist Ihr persönlicher musikalischer Lebenstraum, den Sie sich noch erfüllen wollen?

Es fehlt mir ja nicht an lohnenden künstlerischen Aufgaben, aber an ein Projekt dieser Größenordnung denke ich nicht.
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