3700 Pfeifen für knapp eine Million Euro in St. Michael: Kirchenmusikdirektor bittet zur ...
Orgel mit Servolenkung

Obwohl sie relativ wenig erklang, hörten alle gebannt hin, was Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser (vor dem Instrument) über die Weimbs-Orgel in St. Michael zu erzählen wusste. Bild: Kunz

Bei der Orgelführung in St. Michael zog Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser alle Register. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die 2007 eingeweihte Weimbs-Orgel, deren klangliches Konzept nach intensiver Beschäftigung mit dem gesamten Orgelwerk Max Regers entstand.

"Jauchzet dem Herrn alle Welt", steht in goldenen Lettern über dem Spieltisch. Außen könne man nicht erkennen, wie die Orgel in ihrem Inneren aufgebaut sei. Deshalb zeigte der Referent das Innenleben des Instruments anhand von Skizzen und Bildern, die auf eine Leinwand gebeamt wurden.

Die Orgel beinhalte 3700 Orgelpfeifen in einer Größenordnung von einem Zentimeter bis zehn Meter, aufgeteilt in drei Manualwerke und ein Pedalwerk, wobei die Orgelpfeifen des Pedalwerks links und rechts eingebaut seien. In der Mitte über dem Spieltisch befänden sich Haupt- und Stellwerk. Oben im Rundkasten das Positiv.

Natürlich zeichneten die kleinen Pfeifen für die hellen und die großen für die tiefen Töne verantwortlich. Gebaut sei die Orgel nach dem System der Schleiflade, wie sie seit Jahrhunderten verwendet werde. Das zentrale Element sei die Windlade, wo alle Fäden zusammenliefen. Spieltraktur wie Registertraktur. Gesteuert werde die Anlage über kleine Ventile.

Wie Kaiser erklärte, ist in die Orgel von St. Michael eine Art Servolenkung eingebaut. "Ohne die wäre sie ungemein schwer zu spielen. Man müsste sie schlagen." Dazu bemühte Kaiser den alten Spruch von Wilhelm Busch über den Lehrer, der "Orgel, Weib und Kinder schlug". Kaiser: "Die Orgel will genauso wenig geschlagen werden."

Versorgt würden die Orgelpfeifen mit Wind, der über zwei Motoren, dem Schleudergebläse, entstehe. Die Verbindung vom Spieltisch zu den Orgelpfeifen in den einzelnen Stockwerken funktioniere über mechanische Wege. Knapp eine Million Euro habe die Max-Reger-Orgel gekostet.

Wer Lust hatte, konnte sich selber mal an den Spieltisch setzen. Anschließend gab Kaiser Klangbeispiele aus Max Regers zwölf Stücken für Orgel, op. 59. Veranstaltet wurde die Führung von der Kirchengemeinde St. Michael. Mit großer Resonanz.
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