4. Weidener Eiskunst in der Innenstadt
Max Reger on the rocks

Ja, was wird denn das? Gespannt schauen die Genossen - Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Ehefrau Maria, Landtagsabgeordnete Annette Karl, Stadträtin Dr. Sema Tasali-Stoll und Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (vorne, von links) - Bildhauer Peter Lange über die Schulter, der Max Regers Porträt aus dem Eis schält. Bilder: Wilck (4)
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
21.02.2016
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Unter Anleitung von Kunsterzieherin Birgit Zimmermann sägten Alan, Jussuf und Karwan aus dem Irak einen Menschen aus dem Eis: Symbol für einen Flüchtling.

"Der Eisbär ist schön!" Matou (6) ist schon begeistert, da hat Georg Raithel gerade mal die groben Umrisse aus dem Block gehauen. Samstag, 10 Uhr, 1 Grad plus: Auftakt zur Weidener Eiskunst.

Auch Matous Schwester Yuna (4) fühlt sich von dem coolen Tier angezogen. Sie streichelt dem Raubtier, an dem der Steinmetzmeister gerade das Stemmeisen ansetzt, über den - noch - kantigen Rücken. Die Genossen lassen da lieber die Finger weg, auch wenn sie die Veranstalter sind. Sie begnügen sich mit Betrachten. Und zu sehen gibt es einiges an diesem Samstag in der Weidener Fußgängerzone.

Zum Beispiel Max Reger. Bildhauer Peter Lange setzt den berühmten Komponisten quasi on the rocks. Besser gesagt, er meißelt dessen Porträt ins Eis und krönt das Ganze mit Weidenzweigen. Wenn das keine gelungene Verbindung von Max Reger und der Stadt ist, die sich gerne mit dessen Namen schmückt. Trotzdem wird der Komponist, dessen 100. Todestag in diesem Jahr gedacht wird, vor Ort noch zu wenig gewürdigt, meint Axel T Schmidt. Und so treibt der Künstler auf dem Macerata-Platz mit einem großen Bohrer Löcher ins Eis. Gefüllt mit leuchtend orangefarbenem Wachs entsteht so "Max Regers Taktstock", wie er sein Kunstwerk nennt. Es ist zwar eine temporäre Skulptur, sprich vergänglich, wie Schmidt einräumt. Doch die übrigen Kunstwerke werden, da rein aus Eis, noch schneller dahinschmelzen.

Eisiges Frühlingserwachen


Eigentlich schade. Zum Beispiel bei Christine Coscins Fratzen und floralen Elementen, die unter ihren kundigen Händen aus dem Eis wachsen. Ein bisserl Frühlingserwachen, ein bisserl Geister austreiben. Passend zur Jahreszeit. Mit Witz geht Irene Meier - ebenfalls Bildhauerin - die Sache an. Sie fabriziert ein überdimensionales Eis am Stiel. Auch wenn es eindeutig zu kühl ist zum schlecken. Wie bunt Weiden ist, macht Melita Todorovic mit ihrer Skulptur deutlich. Ein Pfeil ins Eis geschlagen, gefüllt mit farbigen Holzstäbchen, zeigt das bunte Miteinander auf.

Bester Beleg dafür: Birgit Zimmermann und ihre Helfer Alan, Jussuf und Karwan, Kurden aus dem Irak. "Sie arbeiten das erste Mal mit einer Motorsäge und machen's super", freut sich die Kunsterzieherin am Augustinus-Gymnasium. Gemeinsam schälen die Vier einen Menschen aus dem Eisblock. Einen Flüchtling, der sich - geschützt von Weidenzweigen - in Weiden geborgen fühlt. "Und hoffentlich hier sesshaft werden kann", formuliert Birgit Zimmermann die Hoffnung ihrer Helfer.

Die Kunstwerke bleiben zwar nicht bestehen. Dafür gibt es aber die "Weidener Eiskunst" alle zwei Jahre, wie SPD-Stadtverbandschef Norbert Freundorfer verspricht. Gemeinsam mit OB Kurt Seggewiß, MdL Annette Karl und MdB Uli Grötsch führt er den Tross der Genossen an, der die sieben Stationen quer durch die Fußgängerzone besichtigt. Natürlich sind auch Passanten unterwegs, obwohl sich deren Zahl ab Mittag in Grenzen hält. Denn da wird's so richtig ungemütlich, weil zur Kälte auch noch Schneeregen einsetzt. Als kleine Aufmunterung gibt's an den SPD-Infoständen Primeln als Geschenk. Die Künstler halten unverdrossen durch bis 15 Uhr. Ihre Kunstwerke sogar noch um einiges länger.
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