"A Seated Craft" eröffnet "Klein und Kunst"-Saison
Alexia im Wunderland

Hinter "A Seated Craft" steckt die Musikerin Alexia Peniguel. Die gebürtige Australierin und Wahlberlinerin eröffnet die die "Klein & Kunst"-Saison ganz zauberhaft. Bild: Otto

Gott verteilt die Talente nicht immer gerecht. Im Falle von "A Seated Craft" war er mehr als großzügig. Eine tolle Songwriterin, Gitarristin und Sängerin ist Alexia Peniguel, die sich hinter dem Pseudonym versteckt. Dazu noch hinreißend witzig und charmant. Ein schöner erster Akkord der "Klein & Kunst"-Saison.

Man kann durchaus sagen: Die gebürtige Australierin und Wahlberlinerin hat einen Vogel. Aber nicht nur im überaus kreativen Oberstübchen, sondern auch in ihren Songs und sogar in einem Albumtitel. "Of Birds" heißt ihr zweiter Tonträger, von dem die Großzahl der Lieder stammen, die sie den viel zu wenigen Zuhörern auf dem Silbertablett serviert.

Kraftvoll weich


"A Seated Craft" ist keine Band, auch wenn der Name durchaus darauf hindeuten könnte. Und tatsächlich lässt sich die Künstlerin auf einigen Gigs von anderen Instrumentalisten begleiten. In Weiden allerdings ist sie Solo auf der Kellerbühne der Max-Reger-Halle.

Wobei: So alleine auch wieder nicht. Da ist ein Klavier, zwei Gitarren und ein Mikro, das ihre Stimme doppelt und so für eine Art mehrstimmigen Gesang sorgt. Und am Donnerstagabend holt sie sich das Publikum mit ins Boot, das sie pfeifend durch ein Stück begleitet. Sie selbst variiert in der Intonation zwischen leise gehaucht und kraftvoll weich. Zwischen melancholisch und euphorisch.

"Wo bleibe ich?"


In ihren Texten offenbart Alexia lyrische Begabung. Sie nimmt einen an der Hand zu einer Reise um den Globus, wo man allerlei gefiederten Freunden begegnet. Wortwörtlich käme man nicht an den Kern der kleinen Geschichten aus Alexias buntem Wunderland. Gut also, dass sie in ihren Ansagen dem Publikum interpretatorisch unter die Arme greift. Da sind zum Beispiel die Laubenvögel. Die Männchen verzieren ihre kunstvoll konstruierten Nester mit bunten Plastikteilen, die sie aufklauben. Sie tun dies alles, um ein Weibchen für sich einzunehmen. In "A Tiding Of Magpies" lässt Alexia die Männer fragen: "Wo bleibe ich dabei?" Einen Song auf Deutsch hat "A Seated Craft" auch nach Weiden mitgebracht, den sie nicht selber geschrieben hat. Bei der Cover-Version von "Ein Elefant für dich" von "Wir sind Helden" muss sich Alexia keinesfalls vor Judith Holofernes verstecken.

Wenn man denn unbedingt etwas finden möchte: Eine Schwäche hat Alexia allerdings: Ihr Klavierspiel ist im Vergleich zur Gitarre, die sie virtuos bedient nicht wirklich eine ihrer Kernkompetenz - obwohl sie daran arbeitet. Aber auch das ist schnell verziehen. Der Schmelz ihrer Vocals legt sich geschmeidig um die kleinen Verspieler. Also was soll's. Schön war's.
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