Abschlusskonzert des Meisterkurses für Klavier bei den Weidener Max-Reger-Tagen
Höchst anerkennenswertes Engagement

Großes Engagement zeigten die Teilnehmer des Meisterkurses für Klavier bei den Max-Reger-Tagen. Bild: Tietz
Ganz voll ist der Saal im Alten Rathaus nicht, aber diejenigen, welche sich die Musik zur Nachmittagszeit gönnen können, sind gegenüber denen, die das Ereignis versäumen, klar im Vorteil. Beim Abschlusskonzert des Meisterkurses für Klavier, den Markus Becker, Professor an der Musikhochschule Hannover, als Dozent leitete, treten nämlich Musiker mit Engagement auf und gestalten die vorgetragenen Werke voll überzeugend.

Das Programm beginnt mit der Klaviersonate F-Dur KV 280 von Wolfgang Amadeus Mozart. Soshi Kogama bewältigt die schnellen Passagen des "Allegro assai" tadellos, gibt dem eindringlich klagenden "Adagio" die nötige Sensibilität, bevor seine Finger im finalen "Presto" in unglaublicher Geschwindigkeit über die Tasten huschen. Der Originaltitel der drei Werke für Violine und Klavier von Johannes Brahms lautet "Sonaten für Klavier und Violine", worin schon die Gleichwertigkeit beider Interpreten formuliert ist. Und gerade der 1. Satz "Allegro" der 3. Sonate d-moll op 108 ist ein phänomenales Beispiel dafür, dass nicht die Violine Vorrang beansprucht, sondern das Klavier genauso mit Themen und Melodien bedacht ist.

Auf klangvolle Weise

In dieser klangvoll aufeinander abgestimmten Weise spielen Xing Li (Violine) und Siyuan Wang (Klavier) den Satz. Eine weitere Klaviersonate von Mozart, die in a-moll KV 310, schließt sich an. Mana Oguchi bietet viel Dramatik in der einen der beiden Moll- Sonaten von Mozart auf. Das gilt für das stolze Anfangsthema genauso wie für den dissonanten Mittelteil des "Andante cantabile" und das unruhig huschende "Presto". Ihr zuzuhören, ist ein besonderes Erlebnis.

In eine andere Klangwelt entführt die 2. Klaviersonate von Paul Hindemith, die Marie-Rosa Günter sowohl in getragenem feierlichen Ton als auch rasend schnell jeweils angemessen gestaltet. In einer solchen Darbietung überzeugt die durchsichtige Polyphonie des Werks. Nach der Pause erklingen zunächst vier Klavierstücke aus op 118 von Johannes Brahms in der nachdenklichen Manier, wie sie dieser Musik zukommt. Masahiro Masumi spielt die Stücke aus dem Spätwerk so verdichtet, wie der Komponist sie sich dachte.

Ins Programm eingeschoben - begründet mit der Ansage, dass bei "Max-Reger-Tagen auch etwas von diesem Komponisten erklingen sollte" - wird aus den "Walzer-Capricen" op 9 dieses Tonschöpfers die Nummer 3 "Andante von Passione" für Klavier vierhändig. Mana Oguchi und Masahiro Masumi tragen feinsinnig vor. Als letzter Klavierspieler tritt Johannes Nies auf und spielt drei der einsätzigen Sonaten (K.159, 380, 55) von Domenico Scarlatti. Gerade, weil sie kurz sind, verdichtet sich ihre Aussage. Den jeweiligen Charakter darzustellen, ist dem Vortragenden erkenntlich ein Anliegen.

"Andante von Passione"

Zum Abschluss ertönt die 4. Klaviersonate Fis-Dur op 30 von Alexander Scriabin, deren zwei Sätze in absolutem Kontrast zueinander stehen. Während das "Andante" melodiös dahinfließt, verlangt das "Prestissimo volando" stellenweise vom Interpreten fließende Tonkaskaden, die technisch unglaublich schwer sind, weil sie in höchstmöglicher Geschwindigkeit ablaufen müssen, um die Rastlosigkeit der Tonfolge zu gewährleisten. Es ist ein Genuss, Johannes Nies, dabei zuzuhören. Als Zugabe erklingt die Nummer 1 "Allegro" aus op 9 von Max Reger. Diesmal spielen Maria- Rosa Günter und Johannes Nies. Es zeigt sich an diesem Nachmittag: Nicht nur berühmte Namen, auch engagierte gute Nachwuchskünstler können Hörgenüsse vermitteln.
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