Am Fallschirm durch die Welt der Träume

Fallschirmspringer, die sich auf Rollen über den Boden der Max-Reger-Halle bewegten, vermittelten den Besuchern über eine Vertikalkamera den Eindruck, als würden sie in Formation aus einem Flugzeug fallen. Bilder: Kunz (2)

Das Regensburger Tanztheater "Traumfabrik" verzaubert Jahr für Jahr sein Weidener Publikum, entführt es in eine Welt aus Licht, Bewegung und Poesie. Viele Elemente sind bekannt, aber auch neue Auftritte sind zu sehen. Heuer ging die Reise erstmals zum Mond.

Gewiss wird der Discounter von Gegenüber am Montagvormittag seine Einkaufswagen akribisch durchzählen. Ein halbes Dutzend ähnlicher mobiler Einkaufshilfen wurde am Wochenende kreuz und quer über die Bühne der Max-Reger-Halle geschoben. Obendrauf: Fallschirmspringer. Natürlich gehörten die Wägelchen allesamt zum Fundus der Regensburger "Traumfabrik".

Erfolg hat einen Grund

Dreimal hintereinander war die Halle ausverkauft. Ein echtes Phänomen. Impresario Rainer Pawelke brachte den Grund für den 35 Jahre andauernden Erfolg auf den Punkt: "Ich glaube, dass in jedem Menschen der Wunsch nach Ruhe, nach Träumen, nach Entspannung und nach Poesie ruht. Und nicht immer noch nach etwas Größerem und Gigantischerem."

Letzteres habe sich inzwischen überlebt. "Die Leute sehnen sich nach einem Zurück zu den Wurzeln, nach einem entspannenden Nachmittag oder Abend." Das Tanztheater "Traumfabrik" enthalte viele Genres, bei denen man schmunzeln, lachen oder poetisch mitträumen könne.

Natürlich - und das ist bei der "Traumfabrik" Programm, gab es auch am Wochenende wieder viele Déjà-vu-Erlebnisse wie den Auftakt mitten im Verkehr, den Nonnengesang oder die Metamorphose von der Plastikwelle zum Plaste-Strauß. Das wollen die "Traumfabrik"-Fans. Bleibt ein Beitrag aus, dann gibt's sogar Anfragen bei der Theaterleitung.

Bei der aktuellen Inszenierung fehlte erstmals die alte Dame mit den Wäscheklupperln und dem anschließenden "Wunder"-Lied der roten Lippen. "Den Leuten ging das schon etwas ab", sagte Pawelke. Aber der Ausgleich entschädigte natürlich alle. Anstelle von Zarah Leanders Gesangseinlage spielten zwei US-Astronauten auf dem Mond Zeitlupen-Fußball samt Fallrückzieher mit unserer guten Mutter Erde. Anschließend tanzten grüne Marsmännlein.

Die Artisten und Künstler kamen aus Kanada, Georgien, Rumänien und Ghana. Den Großteil steuerte das 16-köpfige "Traumfabrik"-Ensemble bei. Hugo Noël kreiselte im Single Wheel. Valentin Urse gab das Spiralenmännchen, und Pantomime Georg Sosani kämpfte gegen fortlaufendes Verpackungsmaterial oder dirigierte das Publikum in die Pause.

Zum zweiten Teil riefen die afrikanischen Trommeln von Nii Ashitey Nsotse und seinen Freunden auf. Dann sprangen und liefen die Kanadier Marine Crest, Hugo Noël und Michael Purdy die Wand hoch. Wie schon im letzten Jahr waren auch diesmal wieder die LED-Hip-Hopper "Electric Vibes" echte Hingucker. Die Show lebte von visuellen Effekten, schwarzem Theater, Akrobatik und Magie.

Akrobatische Höchstleistung

Im Zentrum der Gala standen eigene Kreationen. Innovative Filmexperimente wie etwa ein Akrobatik-Duo, das, auf dem Boden liegend, über den Zuschauern über die Leinwand zugespielt den Eindruck vermittelte, es würde sportliche Höchstleistungen präsentieren. In ähnlicher Weise zeichnete sich ein Fallschirm-Formationssprung ab. Am Ende plätscherte natürlich wieder die Moldau und ließ das Publikum nach zweieinhalb Stunden aus einem Traum erwachen.
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