Am Gipfel der Volksmusik

Nach seinem Ausstieg bei den "Kastelruther Spatzen" gelang Oswald Sattler eine erstaunliche Solo-Karriere. Seine neue Tournee startete er am Samstag in Weiden. Bilder: Kunz (2)

Er besingt seine Berge und bewegt damit Massen. Auch in Weiden wollen Hunderte den Liedern des erfolgreichen Musikers Oswald Sattler lauschen, der in der Max-Reger-Halle eine kleine Premiere feierte.

Bürgerkrieg in Nahost, Elend in Afrika, Flüchtlingsdramen: Die Nachrichten sind voll davon. 24 Stunden am Tag. Vielleicht braucht es da mal dringend etwas ganz anderes. Und tatsächlich: Da kommt einer aus Südtirol daher und bringt den Menschen die heile Welt ins Haus. Zweieinhalb Stunden lang ist Ex-Spatz Oswald Sattler am Samstag für 600 seiner Fans in der Max-Reger-Halle "Die Stimme der Dolomiten".

Den Spatzen entflogen

Der 57-Jährige kommt aus Kastelruth. 18 Jahre lang spielte er als zweiter Sänger und Gitarrist bei den "Kastelruther Spatzen", bis er sich 1993 von der Gruppe trennte. Warum? Weil ihm das viele Reisen störte. "Ich hatte überhaupt nichts mehr von der schönen Natur meiner Heimat, nichts mehr von meiner Familie." "Diese Sehnsucht nach den Bergen" forderte drei Jahre Auszeit. 1996 ist er wieder ins Showgeschäft eingestiegen. Er wurde Sieger beim Volksmusik-Grand-Prix. Er bekam die "Goldene Stimmgabel" und unzählige Goldene Schallplatten. Riesenerfolge feiert er auch jetzt mit seinem jüngsten Album "Die Stimme der Berge", das er schon eine Million Mal verkaufte.

Teilzeit-Musiker

Oswald Sattler ist Landwirt. Deshalb pausiert er musikalisch jedes Jahr vier Monate lang. "Mitte Mai hab ich das Vieh auf die Alm getrieben. Gestern bin ich noch von der Seiser-Alm runter. Das Vieh ist zwar noch oben, aber das Gröbste ist getan." Weiden darf sich als Premierenstadt für Sattlers neue Tournee bezeichnen. Die dauert noch bis Weihnachten.

Die Bühne wirkt spartanisch. Weißer Vorhang, Mikrofone. Sattler begleitet sich auf der Gitarre. Der Rest wird per Band zugespielt. "Mein Tirol, ich vermisse dich", singt der Tiefgebräunte. Er erzählt von "Fremder Erde" und freut sich, "Wenn der Berg dich ruft." Wohl jeder im Publikum sei schon mal in den Dolomiten gewesen. Deshalb nehme er an, dass alle seine Sehnsucht mitempfinden würden, sagt der Musiker. Und tatsächlich: Sattler tut sich leicht, seine Fans auf eine Reise in die Wunderwelt seiner geliebten Berge mitzunehmen. Die Songs drehen sich um Liebe, unerwidert und erwidert, um Treue, Familie, Freundschaft, den Glauben an Gott und an die Schönheit der Natur. Im zweiten Teil greift er tief hinein in die Liederkiste und packt sich einen alten Titel von Vico Torriani, der die Depression eines französischen Legionärs in Nordafrika beschreibt. Für "Gefangen in maurischer Wüste" erhält Sattler Standing Ovations.

Schwungvolle Geschwister

Moderiert wird der Abend von Rainer Ludwig. Riesenbeifall gibt es auch für Manfred, Angelika, Christina und Andrea, die unter dem Namen "Geschwister Niederbacher" firmieren und das Publikum mit ihrer Hausmusik in die zauberhafte Welt des Pustertales - "unsere Hoamat" - entführen. Schwungvoll begeistert das Geschwister-Quartett die Weidener jeweils 15 Minuten pro Halbzeit mit Liedern wie "Wo Musik erklingt", "Pustertal du Heimat" oder "Ich liebe das Gipfelkreuz". Für die Begeisterung im Saal gibt es drei gute Gründe: Heimatgefühl, Kurzweil und echte Stars zum Anfassen.
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