Aris Quartett: Nachholkonzert in der Sparkasse hat sich gelohnt
Geht doch: Spaß mit Reger

Das "Aris Quartett" gab beim Nachholkonzert in der Sparkasse nicht nur Max Reger zum Besten. Auch Stücke von Bartok und Mendelssohn standen auf dem Programm. Bild: Göttinger

Das "Aris Quartett" setzt mit einem Nachholkonzert in der Sparkasse noch einmal einen Glanzpunkt der Reger-Tage: Im September musste die Aufführung abgesagt werden. Doch das Warten hat sich gelohnt.

Nach zwei höchst anspruchsvollen Werken, nach Bartok und Reger, als Zugabe nun also etwas zum Entspannen - Schönberg nämlich. Nein, Lukas Sieber, der Cellist des "Aris Quartetts", beliebte am Dienstag in der "Sparkasse Oberpfalz Nord" zu scherzen; Schönberg wollten die vier jungen Damen und Herren dem Publikum nicht auch noch antun. Stattdessen gab's Mendelssohn, das berühmte Andante aus seinem e-moll-Quartett, um genau zu sein, Musik zum Träumen und sich verlieren eben.

Die wäre freilich gar nicht nötig gewesen. Was offenbar als eine Art "Versöhnungsgeste" für die vorausgegangenen Zumutungen gedacht war, entpuppte sich zwar als überaus schön, aber auch als reichlich überflüssig - und zwar ganz einfach deshalb, weil die vermeintlichen Zumutungen gar keine waren. Das Publikum machte jedenfalls nicht den Eindruck, als hätte es danach musikalische Streicheleinheiten nötig. Im Gegenteil, es schien eher so, als habe den Zuhörern gerade Regers "Streichquartett in A-Dur opus 54/2" verdammt viel Spaß gemacht.

Erst wild, dann entspannt

Nun ist das bei diesem Werk, dem letzten, das Reger in Weiden geschrieben hat, auch kein Wunder. Kurz zuvor hatte er sein, sagen wir einfach mal: vogelwildes, auf jeden Fall aber hochkomplexes Klavierquintett opus 64 vollendet. Reger schien nun etwas Entspannung dringend nötig gehabt zu haben. Das A-Dur-Quartett kommt denn auch bei aller kompositorischen Raffinesse schon sehr entspannt, ja locker daher, atmet mitunter eine geradezu Haydn'sche Leichtigkeit und sprüht vor Witz.

In der "Aris"-Interpretation geriet der Kopfsatz folglich zum verschmitzten Vergnügen. Keine Spur jedoch von aufgesetzten Clownereien, kein sich verheddern in den unzähligen bizarren Wendungen und Einfällen - der Satz ist nicht umsonst mit "Allegro assai e bizarro" überschrieben -, nein: Zu hören war da eine ebenso lebendige wie stilvolle Deutung, ein geradezu organisches Ineinandergreifen des überbordenden Materials. Dass die "Aris"-Leute in der Lage sind, das große Ganze zu sehen ohne Details zu vernachlässigen, dass sie es verstehen, die Fülle souverän zu bändigen ohne sie zu erdrücken, hatte vor der Pause schon Bartoks zweites Streichquartett deutlich gemacht. Bei Reger konnte das junge Ensemble sein außerordentliches Können nun aber vollkommen ausspielen.

Wunderbar klangschön und differenziert etwa das Andante, dieser seltsame, manchmal an einen Choral gemahnende Variationssatz, in dem harmonische und melodische Eckwerte so oft diametral entgegen laufen und in dem sich nicht zuletzt deswegen Regers ganzes kompositorisches Können zeigt. Am beeindruckendsten aber sicherlich der Schlusssatz, ausgelassen, hackenschlagend, in der Coda jedoch auch düster verbrämt. Wie es dem "Aris Quartett" da gelang, zwischen all den Verästelungen und Piccicati-Einwürfen die Spannung zu halten und zielgenau zum Finale zu gelangen, hatte schlichtweg große Klasse.

Gelungener Abschluss

Am Ende konnte man sich über diesen Nachschlag zu den Reger-Tagen - das Konzert war ursprünglich schon für den September geplant, musste damals aber abgesagt werden - tatsächlich nur noch freuen. Ein bisserl Schönberg hätte dem allerdings auch keinen Abbruch getan.
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