Auf dem Trautonium zum Mond

Peter Pichler hat sich dem Trautonium verschrieben - das Instrument erzeugt durch seine elektronische Bauweise Töne, die auf anderen Synthesizern nicht ohne weiteres zu erzeugen wären. Repro: Otto

Peter Pichler aus München ist einer der letzten Trautonisten dieser Tage und präsentiert am Samstag, 26. September seine Kunst bei den Dokumentarfilmtagen "Zwickl" in Schwandorf, wenn er "A Voyage to the Moon" live auf dem Mixturtrautonium begleitet.

Nervenzerreißendes Kreischen, wildes Flattern, zerberstende Glasscheiben - die Terror-Sounds in Hitchcocks Klassiker "Die Vögel" wurden allesamt künstlich erzeugt, auf dem Trautonium. Ein archaischer Vorläufer der modernen Synthesizer. Den spielt heute kaum noch jemand. Hitchcock war ein echter Fan und auch für den leidenschaftlichen Peter Pichler ist das Sujet Film ist ein wichtiges.

Allerdings nutzt er das Röhrengerät im Heimorgelformat nicht nur zur Vertonung oder als Effektgerät, sondern auch als klassisches Instrument. Paul Hindemith, Harald Genzmer oder Carl Orff haben Kompositionen ausschließlich für das Elektrogerät verfasst, ein Musiktheaterstück über die Pioniere des Elektronikinstruments hat er außerdem geschrieben: "Wiedersehen in Trautonien".

Erfunden wurde das Gerät in den 30er Jahren von Friedrich Trautwein. Mit der Zielsetzung, es den Menschen zu Hause zu ermöglichen, mit relativ wenig Aufwand Musik zu machen." Der Erfolg in dieser Richtung war überschaubar. Trautweins Zeitgenosse Oskar Sala entwickelte das Gerät allerdings zum Mixturtrautonium weiter, das noch mehr Möglichkeiten der Tonerzeugung eröffnete. Sala wurde zu einem gefragten Mann, nicht nur im Bereich der Musik, sondern eben auch im Filmgeschäft. Neben dem Ausflug ins Hitchcock-Universum vertonte er zahlreiche Dokumentarfilme und auch Werbe-Clips für renommierte Unternehmen.

Kein Wunder findet Peter Pichler: "Es gibt Klänge auf dem Trautonium, die man nicht ohne weiteres auf einem anderen Instrument erzeugen kann". Aber warum wurde dann nichts aus einer Weltkarriere des Trautoniums? "Das größte Problem ist der Preis. So um die 15000 Euro kostet das schon." Außerdem sind viele der Bauteile extrem empfindlich, Reparaturen teuer. Überhaupt stellt nur noch ein Unternehmen die Geräte her.

Vom Punk zum Virtuosen

Sein Exotenstatus versteht Peter Pichler aber nicht als Manko, sondern als Alleinstellungsmerkmal im modernen Musik Betrieb. "Das Internet hat durch seine Beliebigkeit die Subkulturen kaputt gemacht." Und die Nischenkunst passt durchaus zu seine vortrautonistischen Sozialisation. Als junger Musiker hatte es ihm der Punk angetan. Mit der Combo "Condom" war er bereits Anfang der 80er Jahre Münchener Avantgarde. Aktuell ist er Mitglied beim Bayaman' Sissdem - die Band des berühmt-berüchtigten Hans Söllner.

Auf der anderen Seite hat Peter Pichler unter anderem am Leopold Mozart Konservatorium klassische Gitarre und Renaissancelaute studiert und absolvierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe ein Studium der Modernen klassischen Musik (von J. Cage bis H.W. Henze).

Potenzial für Pop-Musik

Das Trautonium entdeckte der Musiker erst mit Mitte 20 bei einem Freund, reiner Zufall also. "Ich musste wissen, was das ist und habe mich dann mit dem Thema intensiv beschäftigt." Auch die Bekanntschaft Oskar Salas machte Pichler, als er ihn persönlich besuchte. "Der hat mich allerdings überhaupt nicht ernst genommen." Das hat Peter Pichler nicht gebremst und so arbeitet er bis heute den Kanon der klassischen Trautonium-Kompositionen ab.

"Ich sehe da aber noch jede Menge Potenzial was Pop-Musik angeht. Nur ein Trautonium und ein Sänger, mehr brauchst du eigentlich nicht." Bis dahin kann man sich auf Konzerte mit Werken von Hindemith oder Harald Genzmer freuen. Auch die Vertonung von Dokumentarfilmen bleibt ein wichtiges Thema - zu sehen am Samstag, 26. September (19.30 Uhr) im Alten Metropolkino in Schwandorf.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.2wickl.de
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.