Aufführung des Landestheater Oberpfalz in der Regionalbibliothek Weiden
Wenn das Jesuskind das Futter blockiert

Mit ihrer Leistung als "Ox und Esel" könnten Johannes Aichinger und Doris Hofmann wohl in jedem Stall überzeugen. Die Premierengäste waren begeistert von der besonderen Weihnachtsgeschichte. Bild: Stiegler

Das Landestheater Oberpfalz hat am Samstag wieder einen großen Wurf gelandet. In der Regionalbibliothek Weiden feierte es eine gelungene Premiere von "Ox und Esel". Die Zuschauer erlebten die Weihnachtsgeschichte in einer ungewöhnlichen Version.

Es ist aber auch eine Unverschämtheit: Da kommt man als schwer arbeitender Ox am Abend heim in den Stall und freut sich auf sein frisches Heu. Und dann liegt da so ein kleines Menschlein in der Krippe, benutzt das Futter als Unterlage, fängt zum Schreien an, und niemand weiß, wo das Kind eigentlich herkommt.

Auch der Esel, der kurze Zeit später kommt, kann nichts zur Aufklärung beitragen. Mit dem weihnachtlichen Märchen "Ox und Esel" von Norbert Ebel und in der Inszenierung von Michelle Völkl begeisterte das Landestheater Oberpfalz bei der Premiere am Samstagnachmittag in der Regionalbibliothek große und kleine Zuschauer gleichermaßen.

Verliebt in den Schreihals

Groß ist der Respekt von Ox und Esel vor dem, was da in der Krippe liegt. Sollte es gar das Jesuskind sein, das hier abgegeben wurde, in diesem Stall in Bethlehem? Dem Esel dämmert es allmählich, welches außerordentliche Kind sich in der kargen Unterkunft aus Holz befinden könnte. Und relativ schnell schließt er, der gar nicht so dumm ist, wie man landläufig immer meint, den kleinen spuckenden und stinkenden Schreihals ins Herz.

"Den behalten wir, bis die Eltern wiederkommen", sagt der Esel - und stößt damit bei Ox zwar auf vieles, aber nicht auf Gegenliebe. Der Lärm, der Gestank - und vor allem das Blockieren der Krippe, wo doch das gute Futter zum Verzehr wartet: Das geht für Ox gar nicht. "Das Kind muss weg!", fordert er.

Eine schöne Bescherung, denn das Dilemma scheint unüberbrückbar zu sein: Ox und Esel liefern sich verbale und fast körperliche Gefechte, um jeweils ihren Standpunkt durchzusetzen. Mit komischen und witzigen Dialogen, die sich aber auch ins Nachdenklich-Tiefsinnige wenden, gehen Ox und Esel daran, die richtige Lösung zu finden. Jene Lösung, die ihre Freundschaft nicht weiter auf die Probe stellt, die aber auch das Wohl des Kindes im Blick hat.

Denn draußen in der bitterkalten Nacht streunen die Soldaten von Herrn Rodes umher, darüber hinaus auch noch drei komische Männer, die dem Stern folgen und den "Matthias" - oder war es doch der Messias? - suchen. Wie richtig gute Eltern kümmern sie sich um den Kleinen und verteidigen ihn tapfer gegen alle Bedrohungen der Außenwelt. Und schließlich ist es doch so weit, dass Ox und Esel entscheiden, vorläufig die Elternschaft für das Kind zu übernehmen - ganz egal, ob es nun das Jesuskind ist, dessen Eltern es auch wieder abholen, oder ein anderes.

Ein Zwei-Personen-Stück steht und fällt immer mit der Qualität der Schauspieler: In diesem Fall ruht es auf beeindruckenden und extrem festen Beinen. Johannes Aichinger als Ox und Doris Hofmann als Esel gelingt ein perfektes Zusammenspiel, und beide gehen in ihren Rollen auf. Mimik und Gestik überzeugen das ganze Stück hindurch, mit so einem gut bestellten Stall lässt sich Staat machen.

Viel Fingerspitzengefühl

Michelle Völkl hat bei der Inszenierung mit viel Fingerspitzengefühl auf bloßen Klamauk verzichtet und der Weihnachtsgeschichte einen adäquaten, persiflierenden Unterton verliehen. Komplimente haben sich auch Evi Schwab für die Kostüme sowie Stefanie Gallitzendörfer für Bühne, Maske, Requisite und Technik verdient.

Weitere Aufführungen sind am 6., 7., 13., 14., 26. und 28. Dezember.
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