Auftakt zum Reger-Jahr 2016
Klavierduo Tal und Groethuysen begeistert als perfekt eingespieltes Team

Das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen ist ein würdiger und gelungener Auftakt für das Max-Reger-Jahr 2016. Bild: Kunz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
25.01.2016
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Weiden läutet das Max-Reger-Jahr 2016 ein. Das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen macht den Anfang und bezaubert das Weidener Publikum. Es ist ein fulminanter Abend mit einem Doppelpack aus Worten und Tönen.

Nach dem Empfang von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß im Schlör-Saal geht es eine Oktave tiefer in den Lang-Saal, das zahlreiche Publikum und die zwei D-Flügel sind bestens gestimmt, Auftritt des Klavierduos Yaara Tal und Andreas Groethuysen. Die beiden musizieren seit 1985 zusammen, sie sind mit allen Wassern des Klavierduo-Spiels gewaschen. "Ehrt die Meister, ehrt die Ahnen!" scheint als Motto über ihrem Programm zu schweben. Urahne im Bunde war der 25-jährige Wolfgang Amadeus Mozart, der zweifellos die jugendliche Weiblichkeit schätzte: Die Sonate KV 448 hat er für sich und seine Schülerin Aurnhammer (oder umgekehrt?) geschrieben. Das Opus blitzt von Geist, es blitzt von Witz.

Perfekt eingespieltes Team


Bei all dem Spass lernte das Fräulein Josephine noch Tonleitern und Arpeggien rauf und runter, mit einer Hand, mit zweien, die rechte mit der rechten vom Wolferl, die rechte mit seiner linken, die linke mit seiner rechten und so weiter. Flinke Finger braucht es da, man hört alles, auch wie perfekt Tal und Groethuysen zusammengespielt sind.

Im ersten Satz bedient sie das Piano Primo, dann tauschen sie die Rollen, wir lauschen und staunen: Klanglich herrscht immer und überall allerbestes Einvernehmen. Der norwegische Komponist Edward Grieg aus der übernächsten Generation hinterließ einen Kommentar in Tönen zu Mozarts Sonate C-Dur KV 545, böse verkannt als die "facile".

Vielleicht hat Grieg das 2. Klavier erst zu einer mozartisierenden Schülerin improvisiert? Hier ein paar Akkorde untergehoben, da eine Prise Chromatismen darüber gestreut, dort ein Packerl Mozart-Motive aufgegabelt und angeröstet. Ein Mozart im Speckmantel, schwankend zwischen seriös, ironisierend und übersäuert grinsend.

Dennoch nicht so entstellend wie das "Ave Maria" von Gounod über Bachs Präludium in C aus dem "Wohltemperierten Clavier I". Bach, Telemann, Mozart und Hiller haben nicht erlebt, wie Reger hochachtungsvolle Traditionspflege betrieb: Durch Aufgreifen von Gedanken, von Motiven, von Themen. Variationen und Fuge über ein Thema von Beethoven op. 86 entstanden im August 1904 (in diesem Sommer konzertierte Reger zum einzigen Male in Amberg!).

Regers Kompositionskunst


Er fackelt nicht lange, hält sich nicht mit naiven Variationstechniken wie Moll statt Dur, schnell statt langsam auf. Stattdessen eine gepfefferte Portion Kompositionskunst, und die ist nur der harmlose Anfang. Dazu chromatische und dynamische Expression quasi im Sixpack. Tal und Groethuysen haben alle Hände voll zu tun, sie behalten den kühlen Kopf und den Durchblick.

Und doch: bei all dem Übermaß Regers kann die Schattierung der Klangfarben, der Crescendi, der Bereiche unterhalb des Piano schier nie genug sein. Aufrauschender Applaus, als Zugabe "Heil dir im Siegerkranz", sei es auf dich gemünzt lieber Max!
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