Ausdrucksvoll und ohne Hektik

Das Konzert von Sharon Kam (Mitte) samt ihrer Begleiter bildete den würdigen Saisonabschluss der Weidener Meisterkonzerte. Bild: Otto

Es gibt drei weltberühmte Klarinettenquintette in der Musikliteratur: von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms und Max Reger. Alle drei sind Spätwerke und repräsentieren auf unnachahmliche Weise bestes Können dieser Komponisten. Zwei dieser Werke stehen auf dem Programm des letzten Weidener Meisterkonzerts.

Mit dem "Klarinettenquintett A-Dur" op 146 von Max Reger beginnt die Vortragsfolge in der gut gefüllten Max-Reger-Halle. Der Komponist schreibt für den 1. Satz "Moderato ed amabile" (gemäßigt und lieblich) als Spielanweisung vor. Schon ab dem 1. Takt verinnerlichen die Musiker die zusätzliche Anweisung "espressivo" (ausdrucksvoll) in eindringlicher Weise. Die berühmte Klarinettistin Sharon Kam wird an diesem Abend von Isabelle van Keulen und Ulrike-Anima Mathé als 1. und 2. Geigerin, ferner von Violaspieler Volker Jacobsen und dem Cellisten Gustav Rivinius begleitet.

Konstant guter Klang

Ab hier werden die Zuhörer immer wieder von dem Vermögen der Künstler mitgerissen, mit ihren fünf Stimmen einen wundersamen gemeinsamen Klang zu erzeugen und den Abend konstant durchzuhalten. "Ausdrucksvoll" steht jedenfalls über den Noten jedes Satzes, sei es der harmonische Kopfsatz, das rasche Vivace, die ruhige Klarinettenmelodie des Largo und die fantasievollen Variationen im Finale. Wie eine solche Anweisung jeweils klangvoll und berührend in jedem Einzelfall umgesetzt wird, das führen die Interpreten kunstvoll vor. Nach der Pause erklingt das "Klarinettenquintett h- moll" op 115 von Johannes Brahms, ebenfalls ein Spätwerk und einer der Höhepunkte im Schaffen des Musikers.

Auch hier fällt auf, dass es sich um innige Musik handelt, die kurze Passagen von Unruhe rasch wieder bändigt, so etwa kurz vor Schluss des 1. Satzes. Insgesamt ist gesangliche Musik verwirklicht. Mit ihr beginnt schon das Werk. Im Adagio wird sie in der großen Kantilene des Blasinstruments fortgesetzt, während die Streicher Dämpfer aufsetzen. Dazu passen im Mittelteil die rhapsodisch freien Figuren und Läufe der Klarinette, wozu Streichertremoli den harmonischen Untergrund bilden.

Auch der 3. Satz lebt von einer weitgespannten Bläsermelodie, bis die Streicher im Presto-Teil dagegen halten. Aber "con sentimento", also "mit Gefühl". Und das ist genau die Darstellungsweise aller fünf Musikanten. Die Variationen des Schlusssatzes verlaufen abwechslungsreich, aber nie hektisch. Am Ende wird sogar das Thema des Kopfsatzes zitiert.

Herausforderung

Damit schließt sich der Kreis verhalten intensiver Musik, fantastisch vorgeführt von den Interpreten. Als Zugabe erklingt, wie könnte es anders sein, der melodische Klarinettengesang des "Larghetto" aus dem "Klarinettenquintett A-Dur" KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch dieses ein Spätwerk, auch dieser Satz in milder gesanglicher Stimmung, also eine wunderbare Herausforderung für Sharon Kam, Isabelle van Keulen, Ulrike - Anima Mathé, Volker Jacobsen und Gustav Rivinius.
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