Ausstellung im Kunstverein
Blick über die Grasnabe

Die Künstler im Kunstwerk: Barbara Camilla Tucholski zeigte eine Installation aus bepflanzten Blumentöpfen und dezenten Zeichnungen. Bild: Otto

Mit dem Kunstverein gibt es in Weiden seit Jahren ein Labor, das mit regionalen, nationalen und internationalen Künstlern Großstadtatmosphäre simuliert - wie aktuell mit der grandiosen Ausstellung "Gärten", die am Freitag eröffnet wurde. Prädikat: Unbedingt sehenswert.

Der scheinbar unscheinbare Titel lässt großen Deutungsspielraum - was die Werke der ausgestellten Künstler in ihrer Verschiedenheit eindrucksvoll bestätigen. Hier wird der Blick über den Tellerrand zum Blick über die Grasnabe, der grüne Horizonte öffnet.

Zu sehen sind Gemälde, Fotografien, Collagen und Installationen von Roland Schön aus Neudrossenfeld, Uwe Schäfer aus Stuttgart, Petra Johanna Barfs und Xue Liu aus Frankfurt, Barbara Camilla Tucholski aus Kiel, Franz Pröbster Kunzel aus Freystadt und Thomas May aus Nürnberg.

Werke von Bresele


Ein besonderes Augenmerk gehört dem 1989 verstorbenen Max Bresele, der seiner Kunst immer auch politische Aspekte verlieh und eine wesentliche Figur im Widerstand gegen die WAA in Wackersdorf war - mit Farbe, Leinwand, Papier, Holz, jegliche Art von Schrott und Abfall gegen ein gestörtes Verhältnis von Mensch und Natur.

Faszinierend sind die Collagen von Petra Johanna Barfs, in denen sie archaisch-schroffen Felswänden eine neue Ästhetik verleiht. Mit unterschiedlichen Druck-Erzeugnissen stellt sie die Naturgewalten in einen neuen, überraschenden Kontext. Der noch junge chinesische Künstler Xue Liu nähert sich dem Thema mit Gemälden, die Szenen aus einem Frankfurter Park aufgreifen.

Franz Pröbster Kunzel zeigt unter anderem seine Arbeiten, die aus einer Unzahl an eigenhändig geflochtenen Weidenringen hergestellt wurden und dreidimensional die unmittelbare Verknüpfung von Kunst und Natur betonen. Die Natur zu Fuß zu entdecken ist der Weg von Uwe Schäfer, der seine erwanderten Eindrücke in Landschaftsgemälden zum Ausdruck bringt - Schritt für Schritt, entschleunigt, kontemplativ. Roland Schön hingegen sucht vor allem die Brüche des Naturerlebnisses, die er in den unterschiedlichsten Techniken aufbereitet.

In "Gärten" zeigt Barbara Camilla Tucholski eine Installation bepflanzter Blumentöpfe, die sie im Kreis Kreis oder zur Spirale aufstellt und mit dezent gestalteten Zeichnungen an der Wand in Beziehung setzt.

Ein Weidener Gewächs ist Thomas May. Der Wahl-Nürnberger ist allein durch sein Grashalm-Institut prädestiniert für die aktuelle Ausstellung. Er präsentiert großformatige Fotos von Wiesen, die puristisch und zurückgenommen die eigene unbehandelte Ästhetik der Motive sprechen lassen.

"Gärten" läuft noch bis 10. April 2016 im Kunstverein Weiden. Öffnungszeiten jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung und nach Absprache im "Linda" Donnerstag bis Samstag von 20 bis 23 Uhr.
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