Ausstellung „Suckstract“ im Kunstverein Weiden
„Suckstract“ saugt den Moment

Die Künstler Ralf Dereich (rechts) und Michaela Zimmer, vor ihrer Arbeit "160507", präsentieren mit Wolfgang Herzer im Kunstverein Weiden die Ausstellung "Suckstract", noch bis 17. Juli. Bild: Luber
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
06.06.2016
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Der Titel der Ausstellung "Suckstract" im Kunstverein Weiden klingt nach Abstraktion, Punk und Erotik. Auch das achtsame Spüren ist den bekannten Künstlern aus Berlin wichtig. Ihre Werke sind gefühlvoll, ohne jegliche Geühlsduselei.

Der Ausstellungstitel suggeriert zunächst das Abstrakte in den Arbeiten, die die zehnköpfige Künstlergruppe im Kunstverein Weiden ausstellt. Allesamt entziehen sie sich dem Figürlichen und Gegenständlichen. Unverkennbar ist auch der Begriff "suck". Saugen, aus dem Englischen übersetzt. "Suck klingt nicht sublim, klingt eher vulgär, klingt nach Punk", stellt Wolfgang Herzer vom Kunstverein fest. Das Saugen eines Säuglings stecke darin genauso wie Formen erotischer Kommunikation. Intellektualisiertes und vergeistigtes Reflektieren hat hier keinen Platz. Die Künstler heben den Moment hervor.

Spüren statt Nachdenken


Bei Michaela Zimmer etwa stehen körperliche Bewegungen stark im Vordergrund. Vor dem Malakt wärmt sie sich auf. Sie trainiert Bewegungsabläufe, die sie aus ihrer Erfahrung als Tänzerin kennt. "Wenn ich male, habe ich eine konzentrierte Körperhaltung." Die Abläufe, die sie macht, beschreibt die Künstlerin als automatisiert, vergleicht sie mit dem Autofahren: "Wenn du darüber nachdenkst, funktioniert es nicht."

"Wir haben ein starkes Interesse am Spüren", bestätigt der Berliner Künstler Ralf Dereich. Der Akt des Malens, das Fühlen der Materialien stehe im Vordergrund. Dereich erspürt, ertastet die Grenze zwischen Erkennbarem und Abstraktem in seinen Malereien. Der gegenwärtige Moment hat für ihn eine große Bedeutung, genauso wie die Achtsamkeit beim Malen. Dies erfordere eine hellwache Wahrnehmung. Nachdem die Malerei beerdigt, wieder ausgegraben und wieder beerdigt wurde, wagen sich die zehn Künstler an diese klassische Gattung der bildenden Kunst heran. Dabei konzentrieren sie sich auf die elementaren Stilmittel der Malerei. Und gehen damit spannende und neue Wege. "Wir haben alle Interesse an etwas, das schwer zu finden ist in der abstrakten Malerei", stellt Zimmer fest.

Erfolgreich in Berlin


Die Suche, auf die sich die Gruppe begeben hat, stößt auf großes öffentliches Interesse. Auf die erste "Suckstract"-Ausstellung vor drei Jahren im Künstlerhaus Bethanien in der Hauptstadt gab es sehr gute Resonanz. "Da reden die Leute immer noch davon", erzählt Zimmer. Nach Konstanz und Remscheid macht "Suckstract" in der Oberpfalz Halt.

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"Suckstract" ist bis Sonntag, 17. Juli, im Kunstverein Weiden zu sehen. Öffnungszeiten sind Sonntag von 14 - 18 Uhr, jederzeit nach telefonischer Vereinbarung (Telefon 0961/46308) und nach Absprache im Café Neues Linda, Donnerstag bis Samstag von 20 - 23 Uhr.
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