Bei der "Night of Jazz Guitars" beim Jazz-Zirkel-Weiden liefern sich vier Virtuosen einen ...
Geballte Gitarren-Power

Jazzgitarre in Reinkultur: Ulf Wakenius, Andreas Dombert, Paulo Morello und Michael Sagmeister sorgten beim Jazz-Zirkel für ein außergewöhnliches Klangerlebnis in intimem Kreis. Bild: Reitz
Zwei Bayern, ein Hesse und ein Schwede - vier Gitarristen der ersten Liga sind für fünf Tage gemeinsam auf der Bühne, ein Ereignis das ansonsten in erster Linie den großen Festivals vorbehalten ist. Im voll besetzen Bistrot Paris sind die vier Gitarristen hautnah zu erleben, eine Erfahrung die man nur in den kleinen Jazz-Clubs machen kann.

Spektakulär ist die Besetzung mit vier Gitarren pur. In den 80er Jahren gab es eine Gruppe, die unter dem Etikett "Great Guitars" Furore machte. Charlie Byrd, Barney Kessel und Herb Ellis wollten aber nicht auf eine herkömmliche Rhythmusgruppe mit Bass und Schlagzeug verzichten und hatten vor allem die altbekannten Swing-Standards im Repertoire.

Szene-Gitarrist

Die beiden Initiatoren des Projekts "Night of Jazz Guitars", Andreas Dombert und Paulo Morello, setzen auf Gitarre pur und ließen schon vor vier Jahren bei der Jazz-Woche in Burghausen aufhorchen. Damals hatten sie als Gäste Larry Coryell, Philip Catherine und Helmut Kagerer eingeladen. Diesmal ist mit Ulf Wakenius einer der bekanntesten Gitarristen der Szene mit von der Partie. Er spielte elf Jahre im Quartett von Oscar Peterson, als dieser durch einen Schlaganfall seine linke Hand nicht mehr voll einsetzen konnte und gilt als äußerst virtuoser Solist und als einfühlsamer Begleiter. Michael Sagmeister ist ein Pionier der deutschen Jazzgitarre und prägte in den 80er Jahren mit Fusionklängen die Szene.

Mit vier Kompositionen von Wes Montgomery beginnt der Abend und irgendwie kommt niemand an diesem Pionier der modernen Jazzgitarre vorbei. Natürlich werden die Themen völlig neu arrangiert und in den Improvisationen kann jeder seine individuellen Stärken voll entfalten. Immer wieder fließen Zitate aus bekannten Ohrwürmern ein, darunter auch "Eleanor Rigby" von den Beatles.

Mit atemberaubenden Tempo überbieten sich die vier Gitarristen gegenseitig, ein "Sieger" im musikalischen Wettstreit ist jedoch nicht auszumachen. Natürlich spielen nicht immer alle vier Gitarristen gleichzeitig, es gibt wechselnde Duos, mal übernimmt einer die Bassfiguren oder Akkordbegleitung, mal setzt Wakenius seine Gitarre auch als Perkussionsinstrument ein. Eigenkompositionen von Morello und Dombert stehen ebenso auf dem Programm und hier wird mehr Gewicht auf Arrangement und Dynamik gelegt.

Überraschende Wende

"Georgia on my mind" zelebriert Wakenius im Alleingang. Er zerpflückt die Melodie und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen und Klangexperimenten auf - mal extrem leise und harmonisch, dann dissonant und mittendrin ist sogar Duke Ellingtons "Take the A-train" auszumachen. Michael Sagmeister demonstriert in einer Solonummer seine Vorlieben für spontanes, aus dem Augenblick heraus entstehendes Spiel. "Ich spiele Gitarre", lautet seine lapidare Ansage und er belegt das mit rasenden Eskapaden, die allerdings etwas belanglos und beliebig wirken.

Zu den Höhepunkten des Abends zählt zweifellos eine Bearbeitung von Freddie Hubbards "Little Sunflower", das man so wohl noch nie gehört hat. Rhythmisch ausgefeilt und voller spannender Wendungen fesselt es den Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton. Mario Bauzas "Mambo Inn" entführt in die sonnige Karibik und "St. Thomas" von Sonny Rollins baut Wakenius geschickt in sein Solo ein. Als Zugabe gibt es mit "Boplicity" eine Erinnerung an Miles Davis und Gil Evans, deren Klanggemälde eine ganze Ära prägten. Das Publikum ist von der Virtuosität und Spiellaune auf 24 Saiten sichtlich beeindruckt, die angenehme und inspirierende Atmosphäre im Bistrot Paris ist daran wohl nicht ganz unschuldig.
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