Beim Förderkreis für Kammermusik amüsiert das Danel-Quartett mit seinen Eskapaden und ...
Schalk im Nacken - Schelm in den Noten

Marc Danel, Gilles Milet, Vlad Bogdanas, Yovan Markovitsch (von links) amüsierten die Zuhörer beim Förderkreis für Kammermusik mit gar nicht so ernster E-Musik. Bild: Helmut Kunz
Wie irreführend, ja verheerend sind doch die Nebenwirkungen des Begriffs "E-Musik", der seit fast 100 Jahren aus kommerziellen Gründen Klassik als "ernst" kategorisiert! Seither wagt man bei klassischer Musik wider besseres Wissen und Empfinden schier nicht einmal verstohlen zu schmunzeln. Am Freitagabend wollte, sollte und durfte man - beim Danel-Quartett, das in der Max-Reger-Halle beim Förderkreis für Kammermusik gastierte.

Höchste Maßstäbe

Haydns subtiles, geistreich-witziges Spiel mit Hörerwartungen, Motiven und Strukturen setzt höchste Maßstäbe. Hindemiths musikalische Parodien sind handfester, sie sind aber nie platter Klamauk zum schadenfrohen Schenkelklopfen. Man darf ihn da in eine Reihe stellen mit Erwin Schulhoff, dem Tub- und Karikaturisten Gerard Hoffnung, mit P. D. Q. Bach, Kagel und Ligeti.

Nicht nur alphabetisch korrekt: Haydn vor Hindemith. Haydns op. 33/2 "Der Scherz" erklingt noch etwas steiffingerig und nicht immer perfekt koordiniert. Wie witzblitzend es sein kann, zeigt das als Zugabe wiederholte Scherzo mit ausgekosteten Glissando-Schlittenpartien das Griffbrett rauf und runter. Ein Prachtstück, das aus dem Ärmel geschüttelte virtuose Schlusspresto. Das "Frosch-Quartett" op. 50/6 ausziseliert, das Menuetto ein perfekt abgeschmecktes Sahnestück. Das Finale rast vorüber als bewundernswertes Presto, es ist aber nicht das geforderte Allegro con Spirito. So geht im Temporausch ein Großteil der Bariolage-Effekte unter, die lautmalerisch das Frosch-Quaken bilden.

"Minimax", das Repertorium für Militärmusik (1923) und die Ouvertüre zu Wagners "Fliegendem Holländer" (1925), "wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt", gelingen sensationell. Schier den Schaum der Leidenschaft vor dem Mund, virtuos, ohne Scheu vor dem Scheitern, feinsinnig beherrschte Zügellosigkeit, die richtige Prise gekonnt-genüsslicher Schauspielerei - so können das nur wenige!

Die eitlen Solisten-Macho-Allüren in "Vogeldichter und Wasserbauer". Das perfekt intonierte Doppelgriff-Duo von Geige und Cello im Saal und das der beiden Kollegen draußen vor der Tür in "Ein Abend an der Donauquelle". Der Traum von der schönen blauen Donau in "Löwenzähnchen an Baches Rand". Perfekte künstliche Flageoletts der Geigen in "Die lustigen Mistfinken". Bewundernswert instrumentiert und parodiert die Holländer-Ouvertüre, vor dem technischen Anspruch müsste aber jede Kurkapelle kapitulieren.

Aus Geigern entstanden

Zu den Namen: Das Urgestein des seit 1991 bestehenden Quartetts "Quatuor Danel" formieren die Geiger. Der impulsiv-hitzige Primarius Marc Danel, seine kuriose angespannte Beinakrobatik ließ schmunzeln, ein Beitrag zum Thema? Der absolut gleichwertige, besonders cremig und farbenreich musizierende Kompagnon Gilles Milet. Dazu der erst seit 2013 mitwirkende, bemerkenswert elegant (Adagio aus op. 50/6) und hellwach agierende Cellist Yovan Markovitsch. Der zuverlässige Bratschist Vlad Bogdanas.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.