Beschwingt in die Sommerpause
Metro-Bigband swingt beim Jazz-Zirkel

Die Bühne im Bistrot Paris musste extra angebaut werden, um allen Musikern samt Schlagzeug und Flügel Platz zu bieten. Die Sängerin, ansonsten im Rampenlicht, musste sich diesmal mit einem Platz am Bühnenrand zufrieden geben. Bild: Reitz
Kultur
Weiden in der Oberpfalz
17.07.2016
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22 Musiker auf einer Bühne, das ist rekordverdächtig: 7 Trompeten, 5 Posaunen, 6 Saxofone, dazu die Rhythmusgruppe mit Klavier, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug, sowie eine Sängerin. Musiker im Alter zwischen 15 und 70 Jahren hat Roland Riedlbauer für seine Metro Bigband aufgestöbert, darunter als Gastsolisten den renommierten russischen Trompeter Andrej Lobanov. Er veredelt mit seinem strahlenden Klang den Trompetensatz und ist ein Solist der Spitzenklasse.

"Glenn Miller, Count Basie & Co." lautet diesmal das Konzertprogramm. Ohrwürmer wie "Little Brown Jug", "American Patrol", "String of Pearls", "Pennsylvania 6-5000" oder das unverwüstliche "In the Mood" stehen oft als Synonym für die "Goldene Ära" der großen Bigbands, Stücke aus dem gehobenen Unterhaltungsrepertoire, mit denen sich eingeschworene Jazz-Fans jedoch nur schwer identifizieren können. Anders verhält es sich da mit der Musik von Count Basie. In seiner Band waren Individualisten und musikalische Genies am Werk, ihnen steckte der Swing und der Mut zu unorthodoxen Improvisationen im Blut. Die Rhythmusgruppe des Count ist legendär, oft kopiert, aber nie erreicht. Solisten vom Format eines Lester Young, Buddy Tate oder Buck Clayton prägten den Sound des Orchesters, bei dem ausgefeilte Arrangements die Ausnahme waren.

Regionale Formation


Es ist anerkennenswert, dass sich eine regionale Formation mit Hobby-Musikanten an solche Vorgaben heranwagt und Appetit macht, sich die alten Scheiben im Plattenregal mal wieder vorzunehmen.

Ein Feature für Klarinette ist "Begin the Beguine", die Paradenummer von Artie Shaw, auch wenn sich das sensible Instrument innerhalb der geballten Bläsertruppe nur schwer durchsetzen kann. Hier vermisst man die Hand eines Dirigenten, der dynamische Abläufe besser abstimmen und Feinheiten der Orchestrierung optimieren könnte. Günter Geiß, der an diesem Abend seinen 70. Geburtstag feiert, spielt sich selbst ein Ständchen: "Bari Bari Good" von Andy Clark mit Gospel-anklängen stellt das Bariton-Saxofon in den Mittelpunkt - ein Instrument, das in den großen Orchestern nur selten solistisch zu hören ist. Günter Geiß aber lässt sein oft als "schwerfällig" verrufenes Instrument gehörig swingen.

Den Gassenhauer "C'est si bon", vor allem in der Version von Louis Armstrong auch Jazz-Fans ein Begriff, widmet Reinhard Roth Jerome Vezard, dem Betreiber des Bistrot Paris, als Dank für die optimalen Bedingungen, die er dem Jazz-Zirkel in seinen Räumen bietet. Ansonsten sorgt Dr. Lothar Kiehl für die humorvollen Zwischentexte und bestreitet dazu noch den Großteil der Soli auf dem Tenorsaxofon.

Gospel und Soul


Für Abwechslung im Klangspektrum sorgt auch Sängerin Bettina Mildner mit eingängigen Stücken aus dem Repertoire von Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Louis Armstrong. Mit Aretha Franklins heißer Nummer "Respect" offenbart sie ihre Affinität zu Gospel und Soul.
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